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#168 Glosse von Anke: Fast gewonnen ist auch verloren – Eine Tombola-Geschichte aus Holsterhausen

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Der Alltag ist schon ernst genug. Deswegen serviert die Dorstenerin Anke Klapsing-Reich zum Wochenende eine Portion Heiterkeit. Vergnügliche Episoden aus dem Berufs- und Familienleben. Denn mit einem Lächeln geht gleich alles leichter.

Knapp vorbei am Hauptgewinn

„Na, was hast du denn so am Wochenende vor?“, frage ich meine Kollegin beim Mittagssnack in der Dienstküche. „Natürlich besuchen wir den Mr. Trucker-Weihnachtsmarkt am LEO “, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen, „dieses Event verpassen wir seit Jahren nicht.“ – „Stimmt, dieses kleine Weihnachtsdorf mit den liebevoll geschmückten Hütten und dem super Angebot von Kunsthandwerk und originellen, oft selbstgemachten Geschenkideen stimmt toll auf das Weihnachtsfest ein“, bestätige ich, „ich habe mir schon beim Lichterfest 10 Lose für die beliebte Tombola auf dem Markt gekauft. Drück mir mal die Daumen, dass ich den Opel Corsa gewinne!“ „Ne“, kontert die Kollegin wild entschlossen, „den Hauptgewinn will ich jetzt endlich ergattern, wo ich doch schon einmal ganz, ganz nah dran war.“

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Eine Tombola-Geschichte aus Holsterhausen

Und dann erzählt sie mir die Geschichte aus der Zeit vor vielen, vielen Jahren, als die Lose für die Tombola des Mr. Trucker-Weihnachtsmarktes noch an der Kasse der schon längst geschlossenen Sportabteilung des Kaufhauses Honsel in Holsterhausen verkauft wurden. „Da wollte ich nur mal schnell Lose kaufen, stand aber hinter einer älteren Dame, die mit der Kassiererin über Gott und die Welt quatschte.“ Da sie nicht unhöflich sein wollte, trat sie nur ungeduldig von einem Bein aufs andere, drängelte aber nicht.

Schließlich hatte die Kassiererin ein Einsehen und sagte zu ihrer redseligen Kundin: „So, ich glaube, wir müssen jetzt mal mit dem Quatschen aufhören, aber wollen Sie nicht vorher noch ein Los für die Weihnachtsmarkt-Tombola mitnehmen?“ Die alte Dame zögerte. „Als Hauptpreis gibt es sogar ein Auto zu gewinnen“, ermunterte die Kassiererin sie zum Kauf. „Ach, was soll ich denn mit einem Auto. Ich fahre ja gar nicht mehr.“ Doch die Kassiererin ließ nicht locker und überredete ihre Kundin, wenigstens ein einziges Los zu kaufen. Dann erst kam die geduldig wartende Dame, die später meine Kollegin werden sollte, mit ihrem Loskauf zum Zug.

Als der Hauptgewinn an ihr vorbeizog

„So, und jetzt darfst Du mal raten, wer das Auto gewonnen hat“, fragt sie mich mit grimmigem Blick. „Doch nicht etwa die alte Dame mit dem Einzellos, das sie gar nicht haben wollte“, schlussfolgere ich Unheil witternd. „Doch, genau die!“, hadert meine Kollegin mit ihrem schweren Schicksal, nur knapp am Glück vorbeigerutscht zu sein, „und seit dieser Zeit habe ich mir geschworen, so lange Lose zu kaufen, bis ich endlich den Hauptgewinn gezogen habe.“

Das kann ich ihr gut nachfühlen. Wie mag sie es nur verkraften, wenn ich ihr in diesem Jahr den Opel Corsa vor der Nase wegschnappe? Ach, ich denke, dann lade ich sie einfach mal zu einer kleinen Spritztour nach Honsel ein.

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