Manchmal braucht es keinen großen Knall, sondern nur eine kleine Figur mit Laterne, um das Herz wieder an seinen Platz zu rücken. In dieser Wochenend-Glosse geht es um Lampe, einen Balkon, eine Weihnachtsüberraschung und die Erkenntnis, dass gute Geschichten manchmal einfach zurückkommen.
Bescherung mit Lostopf und großer Erwartung
„Boah, für wen ist denn das große Paket?“ Meine Großnichte Hannah versucht bei der Bescherung den hohen eingepackten Turm aus dem Geschenketeppich unter dem Weihnachtsbaum herauszubalancieren, um ihn dem rechtmäßigen Adressaten zu übergeben. Sie überprüft noch einmal, ob die Nummer auf dem Päckchen mit der Nummer auf dem Zettel, den sie gerade aus dem Lostopf gezogen hat, übereinstimmt.
Ein Paket wie ein Turm und die Nummer 56
Bingo. „Für wen ist die 56?“, fragt sie in die Runde, während Hoffnung in ihren Augen aufflammt, dass vielleicht jemand aus der versammelten Familie antwortet: Das ist mein Geschenk für Dich. Doch es meldet sich mein Sohn. Er tritt nach vorne, greift sich das Paket und sagt nur: „Frohe Weihnachten.“
Neugierig schäle ich den Karton aus der Verpackung. Als ich den lustigen Kerl an seinem Mützenzipfel herausziehe, stellt mein strahlendes Gesicht glatt die Baumbeleuchtung in den Schatten. „Wo hast Du denn noch einen Lampe aufgetrieben?“, frage ich überwältigt.
Lampe, der Beleuchter vom Balkon
Zur Info: Lampe wohnt eigentlich im niederländischen Freizeitpark Efteling. Er gehört zu dem knuddeligen Volk van Laaf und wandert mit seiner Lampe in der Hand und dem Rucksack auf dem Rücken als Beleuchtungsexperte durch die Gegend. Jahrelang bewachte diese witzige Figur auf meinem Balkon die Blumenkästen.
Wenn ich morgens die Rollläden hochfuhr, begrüßte mich Lampe schon mit seinem verschmitzten Lächeln. Und schon startete ich gut gelaunt in den Tag.
Der verhängnisvolle Januartag
Doch dann kam dieser Januartag. Beim Entsorgen der Weihnachtstanne katapultierte mein Sohn den abgeschmückten Baum so unglücklich über das Balkongeländer, dass er Lampe gleich mit in die Tiefe riss. Auf der Terrasse meiner Vermieter zerschellte der kleine Beleuchter in viele Teile und hauchte sein Leben aus. Ein tragisches Unglück.
Auf der Suche nach dem Unersetzlichen
Immer wieder versuchte ich, Ersatz zu finden. Vergeblich. Lampe lief vor 25 Jahren aus der Produktion, die später komplett eingestellt wurde. Selbst im Freizeitpark Efteling war das Kerlchen nicht mehr zu bekommen. Hoffnungslos, dachte ich.
Mein Sohn ließ nicht locker. „Drei Jahre habe ich immer wieder bei Ebay geschaut, ob Lampe auftaucht“, sagt er. Und diesmal klappte es. Der Vorbesitzer lebt am Rhein und gab den wohlverdienten Beleuchter gerne in gute Hände ab.
Comeback eines Balkonbewohners
Jetzt darf Lampe wieder bei mir auf dem Balkon stehen, seine Laterne leuchten lassen und mich morgens fröhlich begrüßen, wenn ich die Rollläden hochziehe. Besser kann ich nicht ins neue Jahr starten. In diesem Sinne: Euch allen einen guten Rutsch.




























