Ich habe – wie jeder andere normalbegabte Mensch auch – sicherlich ein gutes Händchen für dieses und jenes. Dass zu diesem Händchen ein grüner Daumen gehört, kann ich allerdings nicht behaupten. Zu oft musste ich schon, geplagt vom schlechten Gewissen mangelhafter Fürsorge, verdorrte oder ertränkte Pflanzen im Kompost bestatten, in der Hoffnung, dass sie im Blumenhimmel auf Wiese 7 zu neuer Blüte erwachen mögen. Der Heilige Fiacrius, Schutzpatron des Gartenbaus, möge mir verzeihen!
Umso mehr erstaunt es mich, dass meine beiden Weihnachtssterne, die ich in der Adventszeit 2025 in einem ortsansässigen Flora-Handel erwarb, auch im vierten Monat in meiner Obhut immer noch so üppig strahlen wie am ersten Tag. Okay – anfangs habe ich sie laut Anweisung nicht zu häufig und nur mit lauwarmem Wasser gefüttert, sie vor Kälte und windverdächtigen Standorten geschützt und mich an ihrer dunkelroten Schönheit erfreut.
Meister Langohr scharrt mit den Hinterläufen
Doch mittlerweile ist der Lenz ins Land gezogen, Meister Langohr scharrt mit den Hinterläufen, und meine beiden prächtigen „Blumen der Heiligen Nacht“ künden immer noch von Christi Geburt. Was soll ich tun? Ich kann sie ja nicht absichtlich vernachlässigen. Gut, ich gebe zu, dass ich dem Gießwasser schon einmal einen „kalten Schluck“ beigemischt habe. Auch habe ich die beiden kürzlich getrennt: Der eine Weihnachtsstern ziert jetzt die Fensterbank im Flur, da ist es deutlich kühler und zugiger.
Doch sie trotzen diesen Unbilden tapfer, als wollten sie mir ewige Treue schwören und mich trösten für die vielen auf mir lastenden vergangenen „Beerdigungen“ auf dem Kompostfriedhof: „Anke, befreie dich von deiner Schuld“, rauschen mir ihre saftigen Blätter zu, „schau her, wie prächtig wir gedeihen! Nimm es als Ermunterung, dass du doch eine würdige Pflanzenpflegerin werden kannst…“
Okay. Ihr habt es nicht anders gewollt. Ich werde jetzt meinen knallorangen Velours-Hasen an euren Topf stellen und euch mit bunten Eiern schmücken. So wird aus einem Weihnachts- ein Osterstern. Den lateinischen Fachnamen für meine neue Züchtung reiche ich dann beim Patentamt ein: „Stella Paschalis Anke“, auf Deutsch: Ankes Osterstern!




























