Das muntere Mädchen in der ersten Zuschauerbank fiel mir sofort auf: Immer wieder meldete es sich mit klugen Fragen oder pfiffigen Anmerkungen zu Wort, während ich in meiner Funktion als Leiterin der städtischen Kinder- und Jugendkultur die Kinder und begleitenden Erwachsenen zur letzten Aufführung der Puppentheatersaison im ausverkauften Forum der VHS begrüßte.
Beim Einlass kurz zuvor hatte sie mir schon ihr hautfarbenes Stofftier vorgestellt, dessen aufgeklapptes Riesenmaul sie mir einladend entgegenstreckte: „Willste mal reinfassen?“ Och – eigentlich gehöre ich nicht zu den Angsthasen, aber da ich diesen großmauligen „Grottenolm“ nicht identifizieren konnte, fragte ich vorsichtshalber erst einmal nach: „Was ist das denn für ein Tier?“ Ihre Antwort brachte mich nicht wirklich weiter: „Ein Axolotl“, erwiderte sie mit großer Selbstverständlichkeit.
Ehrlich gesagt habe ich meine Hand dann nur zur Hälfte ins Maul gesteckt und später bei der Google-Suche erfahren, dass es sich bei dem Axolotl um einen in Mexiko rein aquatisch lebenden Schwanzlurch aus der Familie der Querzahnmolche handelt. Wer um Himmels willen stellt aus solchen Exoten Stofftiere her? Ich bezweifle, dass der Vertrieb in Deutschland wirtschaftlich ein Erfolgskonzept werden kann, aber wer weiß – vielleicht finden diese sonderlichen Molche ja in Mexiko reißenden Absatz.
Frieda schreibt ein Drehbuch
Nach der Vorstellung traf ich Axolotl und das Mädchen wieder: Es sagte, das Stück habe ihr gut gefallen und sie werde jetzt selber ein Stück schreiben: „Ich habe schon eine Idee und würde mich freuen, wenn es aufgeführt wird“. Sie heiße Frieda, sei 7 Jahre alt, und sie versprach, mir schon bald ihr „Drehbuch“ vorbeizubringen.
Gestern klopfte Frieda an meine Bürotür und übergab mir ihr auf zwei Din-A4-Seiten handgeschriebenes Unterwasser-Abenteuer. Es handelt von der Meerjungfrau Aqua, deren Flosse bei einem Spaziergang im Korallenriff plötzlich zwischen zwei Felsen steckenbleibt. Alleine kann sie sich nicht befreien.
Wen wundert’s, dass Lotti, der Axolotl, der Meerjungfrau als Erster zu Hilfe eilt. Aber er schafft es leider nicht. Auch Schildkröte Marie, Sophie der Tintenfisch – selbst das Seepferd Lara scheitern bei ihren Befreiungsversuchen. Doch dann taucht die Meerkönigin auf, die mit ihren Zauberkräften auch eingeklemmte Flossen befreien kann, wenn ihr nur nicht der spezielle Zauberspruch geklaut worden wäre. Die Delfine finden ihn, aber dummerweise wird das Papier von Haien bewacht und die müssen erst einmal ausgetrickst werden …
Das Ende? Verrät Anke nicht
Ob die Meerjungfrau wieder befreit werden kann, spoilere ich jetzt nicht. Das Ende erfahrt Ihr, wenn die abenteuerliche Geschichte der Meerjungfrau Aqua bald auf den Bühnen der Welt und Mexikos die Zuschauer verzaubert.
Einen Riesenapplaus möchte ich aber jetzt schon spenden – für die siebenjährigen Frieda, die so tolle Geschichten erfinden und erzählen kann.




























