StartStadtteileDorf-Hervest 875 Jahre Dorf Hervest: „Das war eine Herzensangelegenheit“

[PODCAST] 875 Jahre Dorf Hervest: „Das war eine Herzensangelegenheit“

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Zehn Veranstaltungen, viele helfende Hände und ein Thema, das das ganze Jahr über präsent blieb: 875 Jahre Dorf Hervest. Was 2025 als Festprogramm begann, wirkt bis heute nach. Für Carsten Bewer, einen der prägenden Köpfe des Jubiläumsjahres, war es vor allem ein Gemeinschaftsprojekt. Im Dorsten-Online-Podcast erzählt er davon.

„Ohne die Leute, die alle mitgewirkt haben von den einzelnen Gruppen und Vereinen, wäre das gar nicht möglich gewesen. Da sind wir alle in einem Boot“, sagt er.

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Der Ausgangspunkt: Alte Bilder und die Idee, das Dorf „hochleben zu lassen“

Am Anfang standen Fotos. In der Archivgruppe des Heimatvereins stießen Bewer und Mitstreiter auf eindrucksvolle Aufnahmen früherer Feiern. Gerade die Bilder einer großen Jubiläumsfeier wirkten nach. „Das war einfach so beeindruckend“, erinnert sich Bewer. Für ihn war schnell klar, dass 2025 ein Anlass sein könnte, „das Dorf einfach hochleben zu lassen“, mit dem Kirchturm der Pauluskirche als greifbarem Mittelpunkt.

Als die Idee konkreter wurde, blieb wenig Zeit. Trotzdem war die Resonanz sofort da. „Es waren 26 Vereine eingeladen und Gruppierungen, und davon haben drei abgesagt. Alle anderen waren da“, sagt Bewer. Aus dieser Runde entstand das Programm, bewusst breit aufgestellt. „Über Spiel und Sport, zu Tradition und Kultur haben wir viele verschiedene Programmpunkte angeboten.“

Die Kirche neu sehen: Der Auftakt als Augenöffner

Den Auftakt machte die Kirchenführung, und selbst viele Einheimische erlebten dabei Vertrautes neu. Bewer beschreibt, was Besucher besonders interessierte: „Viele haben Hintergrund Einblick bekommen. Kirchturm, Sakristei, wo sonst ja nicht so reingehen.“ Für ihn war das ein gutes Zeichen: Das Jubiläumsjahr sollte nicht nur feiern, sondern auch Wissen und Geschichte zugänglich machen.

875 Dorf Hervest
Geschichts- und Religionslehrer Dirk Steinberg hielt einen spannenden Vortrag. Foto: Julian Konetzka

Große Beteiligung bei Familienaktionen

Dass das Festjahr nicht nur für „Geschichtsfreunde“ gedacht war, zeigte sich im Frühjahr. Besonders lebhaft blieb Bewer die Ostereiersuche in Erinnerung. „Da waren knapp 350 Kinder, die dann im Prinzip die Eier gesucht haben“, sagt er. Auch weitere Aktionen verbanden Generationen und Vereine. Ein gemeinsamer Tag mit Kindergarten, Kirchenchor, Seniorengemeinschaft und KFD sei fast wie ein vorgezogenes Pfarrfest gewesen. „Zwischen Jung und alt, das hatten wir dann.“

Am Samstagnachmittag feierten der Tennisverein SuS Hervest 875 Jahre Dorf Hervest
Foto: Christian Haug

Ein persönlicher Höhepunkt: Schützenkönig im Jubiläumsjahr

Für Bewer hatte 2025 nicht nur organisatorisch Gewicht. Es wurde auch persönlich ein außergewöhnliches Jahr. Beim Schützenfest wurde er Schützenkönig, nachdem ihn sein Umfeld ermutigt hatte, anzutreten. „Die haben gesagt, das wäre super, wenn du den Schützenkönig machen würdest. Und wenn du das machst, sind wir dabei.“

Dass er den Moment bis heute schwer in Worte fassen kann, sagt er offen. „Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Das ist schon unbeschreiblich, wenn man da Schützenkönig wird.“ Er beschreibt, wie schnell dieser Tag verging und wie groß die Aufmerksamkeit war. „Man wird mit SMS, WhatsApp, E-Mails, Telefonaten einfach überhäuft. Man steht auf der ersten Seite der Zeitung. Das war wie im Film.“

Schützenfest Dorf Hervest 2025
Direkt nach dem Siegestreffer: Der neue König Carsten Bewer ist sichtlich gerührt, seine Königin Katrin Rentmeister strahlt vor Freude. Foto: Elena Arat

Auch der sportliche Wettkampf gehörte dazu. Beim Königsschießen gab es ein freundschaftliches Duell unter großer Hitze. Bewer ordnet es nüchtern ein: „Da gehört auch Glück dazu, den Vogel runterzuholen, zur richtigen Zeit an der Reihe zu sein.“ Für ihn passte dieser persönliche Höhepunkt zum Jubiläumsjahr, weil er ebenfalls von vielen mitgetragen wurde. „Wir sind auch eine super tolle Truppe. Wir haben eine gute Mischung, jeder kann was.“

Hof zu Hof Tour: Moderne Landwirtschaft zum Anfassen

Im Sommer zeigte sich das Jubiläumsjahr wieder von einer anderen Seite. Die Hof zu Hof Tour brachte viele Menschen aufs Rad. „Wir waren knapp 100 Leute“, sagt Bewer. Besonders in Erinnerung blieb ihm die gute Organisation mit Technik und Moderation. „Jeder hatte ein Headset“, erzählt er. So konnten die Teilnehmer unterwegs Erklärungen hören, während es zu den Betrieben ging, inklusive neuer Melksysteme und Einblicken in Kulturen wie Haselnüsse und Spargel. Der Abschluss mit Kaffee und Kuchen rundete den Tag ab.

875 Jahre Hervest Hof-zu-Hof-Tour
Gruppenbild der Teilnehmer an der Hof-zu-Hof-Tour vor dem Start. Foto: privat

Bildervortrag: Damals und heute im direkten Vergleich

Als Heimatverein setzte die Archivgruppe mit einem eigenen Bildervortrag einen Schwerpunkt. Die Idee war bewusst einfach und anschaulich. „Unser Thema war alt neu. So war es früher, und dann sind wir zu der Stelle hingefahren, wie es heute aussieht“, erklärt Bewer. Wichtig war ihm dabei, dass Bilder erklärt werden und nicht nur „zur Kenntnis genommen“ werden. „Wenn man da einen Bezug zu hat, dann ist eigentlich unsere Aufgabe, darunter zu schreiben, damit man später noch weiß.“

Bergbaugeschichte gehört dazu

Auch die Zeche Fürst Leopold wurde ins Festjahr eingebunden, weil sie ein wichtiger Teil der Ortsgeschichte ist. Bewer erinnert an den Hintergrund: „Die Zeche war einer der größten Arbeitgeber hier in der Nähe, wo viele gearbeitet haben.“ Die Führung wurde so organisiert, dass es überschaubar blieb. „Wir haben es in zwei Gruppen aufgeteilt“, sagt er. Eine Gruppe begann in der Maschinenhalle, die andere in der Zechensiedlung, danach wurde gewechselt.

Nikolauszug als Abschluss: Route geändert und Stutenkerle ergänzt

Den Abschluss bildete der Nikolauszug, eine Tradition, die in Hervest seit Jahrzehnten von vielen getragen wird. Bewer nennt den Kern: „Das ist eine ganz tolle Aktion, weil es einfach den Kindern zugute kommt.“ Die Tüten werden für fünf Euro verkauft, der Inhalt liege deutlich höher. Möglich sei das nur durch Spenden und Unterstützung.

Nikolaus Dorf Hervest 2025
Nikolauszug durch Dorf Hervest. Fotos: privat

Im Jubiläumsjahr wurde zudem bewusst etwas verändert. „Deswegen haben wir erstmalig den Ort des Nikolauszuges verlegt“, sagt Bewer. Statt an der Gärtnerei Wessels begann der Zug an der Kapelle Schulte Tenderich. Für ihn war das ein besonderer Moment. „Ich habe schon eine Gänsehaut Erfahrung“, sagt er, als der Nikolaus in der Dämmerung ankam und die Stimmung mit Fackeln besonders dicht war.

Als zusätzliche Idee kam eine Erinnerung an frühere Zeiten dazu. „Weil es früher auch so war, gab es keine Schokolade Nikolaus. Dann gab es Stutenkerle“, erklärt Bewer. Die Stutenkerle wurden organisiert und mit einem Jubiläumslogo versehen.

Was geblieben ist: Kürzere Wege und neue Verbindungen

Nach dem Jubiläumsjahr sei spürbar, dass Kontakte leichter geworden sind. „Die Schnittstellen sind kürzer geworden“, sagt Bewer. Er nennt als Beispiel Vereine, die zuvor weniger Berührungspunkte hatten. „Der Tennisverein war vielleicht immer so ein bisschen außen vor. Aber die Schnittstellen sind einfach, weil man sich kennengelernt hat über diese 875 Jahre.“

875 Jahre Dorf Hervest
Nach dem gelungenen Fest von SuS Hervest Tennis mit dem Kindergarten An der Windmühle wurde das Banner an die KFD mit dem Kindergarten St. Paulus, dem Kirchenchor und der Seniorengemeinschaft übergeben. Foto: privat

Für ihn war das Jahr auch deshalb besonders, weil es sich nicht wie eine Pflicht angefühlt habe. „Ich fand das überhaupt nicht als Arbeit. Das war eine Herzensangelegenheit“, sagt Bewer. Entscheidend sei, dass so viele ehrenamtlich mitgemacht haben. „Hunderte Menschen haben sich ehrenamtlich eingesetzt.“

Blick nach vorn

Ob und wann wieder ein großes Jubiläum ansteht, ist offen. Aber eine Idee liegt schon in der Luft. Viele hätten gesagt, es solle nicht wieder so lange dauern. „Das Dorf sagt, Mensch, das war so toll“, berichtet Bewer, und ergänzt: Man wolle nicht erneut Jahrzehnte warten, bis es wieder ein gemeinsames Großprojekt gibt.

875 Jahre Dorf Hervest
Mitorganisator Carsten Bewer vor der Kirche im Dorf Hervest. Foto: Borgwardt

Fest steht: 875 Jahre Dorf Hervest war nicht nur Rückschau, sondern auch ein Jahr, in dem im Alltag neue Verbindungen entstanden sind. Oder, wie Carsten Bewer es auf den Punkt bringt: „Das hat schon sehr viel für das Dorf gebracht.“

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