Greife ich zum Telefonhörer, bewegt sich zeitgleich die auf dem Schreibtisch abgelegte Papier-Korrespondenz des Tages in die Höhe, die an meinen verschwitzten Unterarmen klebt. Die zurzeit ungewohnten tropischen Temperaturen machen die Büroarbeit zum Sauna-Besuch – allerdings nicht hüllenlos auf der Holzbank liegend, sondern angezogen im Bürostuhl sitzend. Das kann nicht gesund ein.
Ich erinnere mich noch an meine Studentenzeit. Da nutzten wir regelmäßig den günstigen Studententarif für den Besuch der Saunalandschaft im Holiday Inn. Eines Tages musste der Bademeister eine Chinesin retten, die komplett angezogen auf der obersten Bank in der Sauna an einem Hitzestau zu kollabieren drohte. Es bedurfte großer Überredungskunst, bis sie wenigstens freiwillig ihre Handtasche abgab. Als sie sich weigerte, weitere Dinge abzulegen, wurde sie dann kurzerhand im Noteinsatz aus der Sauna getragen.
Mich hat bislang noch keiner aus dem Büro getragen. Ich muss selbst für meine Rettung sorgen. Gestern habe ich schon nach einem Behältnis für ein kühles Fußbad unter dem Schreibtisch gefahndet, aber kein geeignetes Gefäß entdecken können (die Kaffeekannen sind einfach nicht für Schuhgröße 39 ausgelegt). Die Bürotür geöffnet zu lassen, ist eine Option, aber die erschöpften Menschen in schweißtriefender Kleidung auf dem Flur vorbeischleichen zu sehen, ziehen einen mental mächtig runter.
Mentale „coole“ Tricks
Apropos mental: Coole Tricks können hilfreicher wirken, als man denkt. Vielleicht sollte ich einen Gletscher zum Deskop-Hintergrund wählen und jede Viertelstunde darauf starren. Als Teammaßnahme könnten wir in unserem Amt den Pinguin des Tages wählen: Wer um 16 Uhr die geringste Litermenge Schweiß aus seiner Tastatur schüttet, gewinnt einen Schal! Erheiternd wäre es sicherlich auch, einen Ventilator mit Wackelaugen zum Mitarbeiter des Monats zu küren, gefrorene Erbsen als Kühlkompresse zu verwenden oder als Schreibtisch-Snack zu deklarieren – Hilfe, sind diese Ideen noch normal oder schon absurde Ausgeburten meines dehydrierten Hirns …?
„Schaut mal, ich bin für heute gut gerüstet!,“, reißt mich meine Kollegin von der anderen Seite des Flures aus meinen Gedanken. Neugierig und den am Unterarm klebenden Vertrag für die nächste Puppentheater-Aufführung ignorierend, eile ich in ihr Büro und entdecke sie neben einem brummenden Turm-Ventilator, der sich gemächlich im Halbkreis dreht. Zusätzlich wedelt sie sich mit einem klassischen Fächer Luft zu und nebelt sich per Knopfdruck auf eine bunte Spraydose – pffft – mit einem kühlenden Gesichtswasser ein.
Ich möchte wetten, dass sie unter dem Tisch auch noch ihre nackten Füße schwimmen lässt – in dem letzten brauchbaren Eimer, den sie mir vor der Nase weggeschnappt hat.




























