StartGlosse#196 Glosse von Anke: Säbelzahntiger im Aktenschrank

#196 Glosse von Anke: Säbelzahntiger im Aktenschrank

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Als moderner, weit entwickelter Mensch will man es vielleicht nicht wahrhaben, aber in unserer biologischen Gattung des Homo sapiens steckt heute noch mehr Steinzeit, als wir denken. So lernte ich neulich bei einem Impulsvortrag über Stressbalance, dass wir immer noch gegen Säbelzahntiger kämpfen – nur sehen die heute anders aus.

„Vor vielen tausend Jahren bedeutete Stress oft Lebensgefahr“, nahm Seminarleiterin Denise Iwanek unsere Gruppe mit auf eine gedankliche Zeitreise in die Steinzeit: Da sitzen wir nun in unserem Kopfkino gemeinsam um ein Feuer in der Höhle und knabbern entspannt am Mammutknochen. Plötzlich huscht ein Schatten am Höhleneingang vorbei – was ist das? Ein hungriger Säbelzahntiger, dem es nach frischem Fleisch gelüstet! Das Körper-Alarm-System springt an. Das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, die Muskeln spannen an. Adrenalin und Cortisol rauschen durch die Blutbahnen. Flucht oder Kampf? Andere Optionen gibt es nicht…

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„Auch heute läuft im Körper noch derselbe Mechanismus ab“, holt uns die Gesundheits-Expertin in die Gegenwart zurück, „nur geht es heute nicht mehr um wilde Tiere, sondern um Termine, Konflikte, ständige Erreichbarkeit oder nervtötende Zeitgenossen!“ Ist dieser Alarm dauerhaft aktiviert, kann das Körper und Gesundheit belasten.

Deswegen sollte man im Alltag Phasen der Anspannung und Entspannung bewusst kombinieren, damit der Organismus ins Gleichgewicht kommt. „Ein paar Minuten bewusste Atmung, Bewegungspausen oder kleine Rituale tragen mehr zur Balance bei als wenige Wochen Urlaub im Jahr“, weiß Denise Iwanek.

Ein kleiner Trick

Ihre kleinen Tricks: Einfach mal durch die Nase einatmen, Atem kurz anhalten und langsam wieder nasal ausatmen. Oder die Finger einer Hand nacheinander mit dem Daumen in Verbindung bringen und dazu sprechen: „Ruhe entsteht in mir!“ Das signalisiert dem Körper Sicherheit. Herzschlag und Atmung beruhigen sich.

Also, liebe Kolleginnen und Kollegen: Solltet ihr mich beim Verlassen meines Büros dabei beobachten, wie ich mit abstreifenden Handbewegungen über meine Blusenärmel wische, dann wedel ich mir nicht Kuchenkrümel aus der Mittagspause vom Stoff – nein – ich aktiviere den mentalen „Lotuseffekt“. Der lässt nämlich Außen-Reize an mir abperlen, die mich beim Kampf gegen die Säbelzahntiger in meinem Aktenschrank aus der Balance gebracht haben.

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