StartLokalesDorstener Brenner Dirk Böckenhoff warnt vor neuen Steuern

Dorstener Brenner Dirk Böckenhoff warnt vor neuen Steuern

Veröffentlicht am

Dirk Böckenhoff begann 2008 in Dorsten mit dem Brennen von Obstbränden. Seit 2014 führt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Alexandra die traditionelle Kornbrennerei J. Böckenhoff in Erle. Nun blickt der 57-Jährige mit Sorge auf die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer.

Dirk Böckenhoff begann 2008 in Dorsten

Für Dirk Böckenhoff begann alles in Dorsten. Im Jahr 2008 startete er dort mit dem Brennen von Obstbränden. Was damals als Brennerei für hochwertige Obstbrände begann, entwickelte sich wenige Jahre später zu einer größeren Aufgabe.

Anzeige
Anzeige zum Freizeitspezial 2026 auf Dorsten-Online

Sechs Jahre später übernahm Böckenhoff gemeinsam mit seiner Ehefrau Alexandra die traditionelle Kornbrennerei J. Böckenhoff in Erle. Seit 2014 wird dort in sechster Generation nach überlieferten Originalrezepten Korn aus Roggen und Weizen gebrannt.

Obstbrennerei Dirk Böckenhoff Dorsten präsentiert ersten Dorstener Whisky
Foto: Petra Bosse/Archiv

Die hohe Qualität des Korns und der Liköre hat das Unternehmen weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Für Dirk Böckenhoff ist dabei klar, worauf es ankommt. „Korn ist die Basis und die muss gut sein“, sagt er.

Brennerei in Erle steht für eigenes Handwerk

In der Brennerei wird noch selbst gebrannt. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele Betriebe kaufen Alkohol zu und verarbeiten ihn weiter. Böckenhoff dagegen setzt auf eigene Herstellung, Erfahrung und genaue Arbeit an der Brennblase.

Gerade deshalb verfolgt er die aktuellen Pläne der Bundesregierung mit Sorge. Zum 1. Januar 2027 sollen mehrere Alkoholsteuern steigen. Geplant ist eine Erhöhung der Alkoholsteuer, der Schaumweinsteuer, der Zwischenerzeugnissteuer und der Alkopopsteuer um jeweils 20 Prozent.

Betroffen wären Spirituosen wie Rum, Wodka und Korn, außerdem Likörweine, Sekt, Champagner und Alkopops. Für den Bundeshaushalt sollen dadurch zusätzliche Einnahmen entstehen. Kleine Brennereien wie die von Dirk Böckenhoff bezweifeln jedoch, dass diese Rechnung am Ende aufgeht.

Treffen bei Brennerei Sasse im Münsterland

Dirk Böckenhoff hat sich deshalb mit weiteren Brennern aus dem Münsterland abgestimmt. Ein erstes Treffen fand bei der Brennerei Sasse statt. Dort sei schnell klar gewesen, dass die Branche gemeinsam reagieren müsse. „Da haben wir uns bei Sasse getroffen und gesagt: Wir müssen etwas dagegen machen“, sagt Böckenhoff.

Steuererhöhung Liköre und Brände
Liköre und Brände aus dem Münsterland der unterschiedlichen Brennereien. Foto: Privat

Aus seiner Sicht ist die geplante Erhöhung keine kleine Korrektur. Die geforderten 20 Prozent würden die Betriebe deutlich belasten.

„Die jetzt geforderten 20 Prozent bedeuten über 2,60 Euro pro Liter hundertprozentigen Alkohol. Das macht mehr als 80 Cent für eine 0,7-Liter-Flasche aus“, erklärt Böckenhoff.

Auch der Zeitpunkt bereitet den Brennern Sorgen. Die Erhöhung soll zum 1. Januar 2027 gelten. Für viele Betriebe sei dieser Termin kaum passend, weil Produktion, Lagerung und Vertrieb längerfristig geplant werden müssten.

Bundestagsabgeordnete sollen in die Betriebe kommen

Die Brennereien wollen ihre Einwände nun direkt an die Politik herantragen. Geplant ist, Bundestagsabgeordnete aus den jeweiligen Wahlkreisen in die Betriebe einzuladen. Sie sollen vor Ort sehen, was die Steuererhöhung für kleine Brennereien bedeuten würde.

„Wir wollen die Bundestagsabgeordneten unserer Wahlkreise zu uns in die Betriebe holen“, sagt Böckenhoff. Eine gemeinsame Pressemitteilung sei bereits herausgegeben worden. Nun gehe es darum, die Folgen der geplanten Erhöhung deutlich zu machen. „Wir wollen informieren und deutlich sagen: So geht das nicht“, sagt Böckenhoff.

Dabei geht es den Brennern nicht allein um den eigenen Betrieb. Sie fürchten Folgen für eine ganze Branche, zu der auch Zulieferer, Landwirtschaft, Handel, Gastronomie und Logistik gehören.

Sorge vor sinkendem Absatz und weniger Arbeitsplätzen

Dirk Böckenhoff verweist auf Prognosen, nach denen eine deutliche Steuererhöhung den Absatz alkoholischer Getränke spürbar senken könnte. Besonders kritisch sieht er die Diskussion über mögliche weitere Erhöhungen.

„Wenn es nicht bei den geplanten 20 Prozent bleibt und später sogar eine Erhöhung um 100 Prozent kommt, könnte der Absatz von Alkohol nach Prognosen um bis zu 20 Prozent zurückgehen“, sagt Böckenhoff.

Dann würden die erhofften Mehreinnahmen möglicherweise gar nicht in der erwarteten Höhe beim Bund ankommen. Wenn weniger verkauft werde, sinke auch die Menge, auf die Steuer erhoben werde. Zugleich gehe es um Arbeitsplätze. Böckenhoff spricht von mehr als 8.000 Arbeitsplätzen, die in der Region betroffen sein könnten, wenn Betriebe weniger produzieren müssten. „Wir müssen alle weniger produzieren und brauchen weniger Leute. Und auch die vor- und nachgelagerten Bereiche leiden darunter“, sagt er.

Bier und Wein nicht in gleicher Weise betroffen

Ein zentraler Kritikpunkt der Brenner ist die unterschiedliche Behandlung alkoholischer Getränke. Die geplante Steuererhöhung betrifft Spirituosen, Schaumwein, Zwischenerzeugnisse und Alkopops. Bier und Wein sind nach den bisherigen Plänen nicht in gleicher Weise betroffen.

Für Dirk Böckenhoff ist das schwer nachvollziehbar. „Wer ein Glas Wein trinkt, denkt vielleicht, auch das sei von der Steuererhöhung betroffen. Das ist aber nicht so. Wein ist davon gar nicht betroffen, Bier ebenfalls nicht“, sagt Böckenhoff. Aus Sicht der Brennereien sei es nicht gerecht, wenn vor allem die Spirituosenbranche die zusätzliche Belastung tragen solle. Böckenhoff fordert deshalb eine gleichberechtigtere Behandlung aller Alkoholhersteller.

Kleinere Betriebe anders behandeln als große Konzerne

Die Brenner wollen nach Angaben von Dirk Böckenhoff auch über neue Modelle sprechen. Dabei geht es um die Frage, ob kleine Betriebe anders besteuert werden könnten als große industrielle Hersteller. „Wir wollen diskutieren über Modelle, wo kleinere Betriebe anders besteuert werden als riesengroße Konzerne“, sagt Böckenhoff.

Beim Bier gebe es bereits Unterschiede, durch die kleinere Brauereien entlastet würden. Vergleichbare Regelungen wünschen sich die Brennereien auch für ihre Branche. „Beim Bier ist das zum Beispiel schon so. Über solche Punkte wollen wir sprechen und die Abgeordneten des Bundes und der Länder informieren“, erklärt Böckenhoff.

Auch Abgeordnete der Länder sollen nach Möglichkeit in die Betriebe eingeladen werden. Sie sollen vor Ort sehen, was die geplante Steuererhöhung für eine Korn- oder Obstbrennerei konkret bedeutet.

Guter Alkohol als Geschmacksträger

Für Dirk Böckenhoff geht es bei der Steuerdebatte auch um die Qualität der Produkte. Kleine Brennereien arbeiteten häufig mit hochwertigen Bränden. Dabei sei Alkohol nicht nur Grundlage des Produkts, sondern auch ein wichtiger Geschmacksträger. „Für uns als Betrieb, ob Korn- oder Obstbrennerei, heißt das: Wir stellen qualitativ hochwertige Brände her. Wir setzen lieber auf guten Alkohol als Geschmacksträger und weniger auf Zucker“, sagt Böckenhoff.

Für Betriebe wie die Brennerei Böckenhoff sei das besonders problematisch. Sie arbeiteten mit hochwertigen Bränden und setzten Alkohol bewusst als Geschmacksträger ein. Weniger Alkohol bedeute nicht automatisch ein besseres Produkt. Häufig müsse der Geschmack dann durch mehr Zucker ausgeglichen werden.

Genau das werde durch eine stärkere Besteuerung problematisch. Je höher der Alkoholgehalt, desto höher die Steuerbelastung. Betriebe, die bewusst mit hochwertigen Destillaten arbeiten, würden dadurch stärker getroffen.

Böckenhoff sieht die Gefahr, dass Hersteller künftig Alkohol reduzieren und andere Geschmacksträger einsetzen könnten. Häufig sei das Zucker. „Die Leute, die vielleicht Billighersteller sind, die sowieso beim Alkohol an der Unterkante sind, weil der ihnen schon immer zu teuer war, die machen dann viel Zucker rein. Das wollen wir zum Beispiel nicht“, sagt er.

Spirituosen aus der Brennereien Böckenhoff
Spirituosen aus der Brennereien Böckenhoff in Erle. Höhere Steuern auf Liköre und Brände könnte bedeuetet, dass alles teuerer und die Liköre süßer werden. Weniger Alkohol, dafür mehr Zucker. Foto: Petra Bosse

Beispiel Schoko-Likör aus der Brennerei

Böckenhoff nennt als Beispiel einen Schoko-Likör. Dieser habe 35 Volumenprozent Alkohol, weil der darin enthaltene Alkohol eine hohe Qualität habe. Gerade deshalb könne die Zuckermenge niedrig gehalten werden.

„Ein Schoko-Likör hat beispielsweise 35 Volumenprozent. Weil der Alkohol darin eine hohe Qualität hat, können wir mit dem Alkoholgehalt höher gehen und bei der Zuckermenge an der Untergrenze bleiben, die für Liköre vorgeschrieben ist“, erklärt Böckenhoff. Würde man den Alkoholgehalt senken, um Steuern zu sparen, müsse der Geschmack auf andere Weise ausgeglichen werden. Das könne zulasten der Qualität gehen.

„Das könnten wir nicht mehr, wenn wir den Alkoholgehalt auf 25 Prozent senken würden. Wenn Alkohol teurer wird, liegt es nahe, ihn durch einen anderen Geschmacksträger zu ersetzen. Und das ist dann Zucker“, sagt Böckenhoff. Dann entstehe aus seiner Sicht ein deutlich süßeres Produkt. Ob das im Sinne gesundheitspolitischer Ziele besser sei, bezweifelt er. „Dann würde das ein zuckersüßes Zeug werden und da fragt man sich, ist das denn vom Gesundheitsaspekt viel besser?“, sagt Böckenhoff.

Böckenhoffs Korn aus Erle ist seit Generationen über Erles Grenzen hinaus bekannt. Foto: Petra Bosse
BBöckenhoffs Korn aus Erle ist seit Generationen über Erles Grenzen hinaus bekannt. Foto: Petra Bosse

Spirituosenbranche sucht gemeinsame Linie

Die Argumente sollen nun gebündelt und gegenüber der Politik vorgebracht werden. Dirk Böckenhoff spricht von einer klaren Forderung: Die geplante Erhöhung um 20 Prozent solle zurückgenommen werden. Erst recht müsse verhindert werden, dass weitere Erhöhungen folgen. „Wir fordern, von diesen 20 Prozent Abstand zu nehmen. Von einer Erhöhung um 100 Prozent ganz zu schweigen“, sagt Böckenhoff.

Zudem gehe es um eine gleichberechtigte Behandlung aller Alkoholhersteller. Die Spirituosenbranche sieht sich nach Böckenhoffs Darstellung in dieser Haltung breit aufgestellt.

Auch der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und Importeure unterstütze die Linie. Größere Unternehmen wie Underberg und Schwarze seien ebenfalls eingebunden und nutzten ihre Kontakte, um die Interessen der Branche deutlich zu machen.

„Die BSI-Leute, Bundesverband der Spirituosenhersteller, die sind da auch für. Wir haben eben halt Underberg mit dabei, wir haben auch Schwarze mit dabei als größere, die auch ihre Kontakte spielen lassen“, sagt Böckenhoff.

Dorstener Brenner sieht kleine Betriebe unter Druck

Für Dirk Böckenhoff ist klar: Die Branche muss erklären, was die Steuerpläne für kleine Betriebe bedeuten. Sie will zeigen, dass kleine Brennereien anders arbeiten als große Konzerne. Und sie will verhindern, dass eigene Herstellung durch neue Steuern weiter unter Druck gerät.

Für Dorsten hat das Thema ebenfalls einen Bezug. Hier begann Böckenhoff 2008 mit seiner Brennerei für Obstbrände. Von dort führte sein Weg nach Erle, wo er seit 2014 gemeinsam mit seiner Ehefrau Alexandra die Kornbrennerei weiterführt.

In der Steuerdebatte geht es deshalb nicht nur um einzelne Produkte. Es geht um Betriebe, die regional verwurzelt sind, um Arbeitsplätze und um die Frage, ob kleine Brennereien mit eigener Herstellung unter diesen Bedingungen weiterarbeiten können.

Info: Obstbrände aus Dorsten

Die Brenntradition der Familie Böckenhoff reicht bis ins Jahr 1865 zurück. In der traditionellen Getreidebrennerei wurden zunächst Kornprodukte aus Weizen hergestellt. 1970 stellte Vater Adolf Böckenhoff diese Herstellung ein und spezialisierte sich auf Rohalkohol für die industrielle Weiterverarbeitung. Heute wird in der Kornbrennerei unter anderem der Basisbrand für Whisky hergestellt.

Obstbrennerei Dirk Böckenhoff Dorsten
Foto: Petra Bosse/Archiv

Seit dem Erwerb des Obstbrennrechts im Jahr 2008 destilliert Dirk Böckenhoff auf dem Hof zwischen Dorsten und Kirchhellen edle Brände aus handverlesenem Obst. Verarbeitet werden unter anderem Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Himbeeren aus Obstanlagen in Kirchhellen und Umgebung. Aus Sorten wie Boskoop, Rubinette, Pinova, Conference und Williams-Christ entstehen in kleinen Mengen Obstbrände, die in der Region längst als Geheimtipp gelten.

Neuer WhatsApp-Kanal

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal unter https://bit.ly/dorstenonline für aktuelle Infos. Wir bieten lokale Nachrichten, Event-Infos, Polizeimeldungen und mehr.

NEUSTE ARTIKEL

Regionalpakt soll Hochwasserschutz an Emscher und Lippe stärken

Land, Kommunen und Wasserverbände wollen beim Hochwasserschutz im Emscher-Lippe-Gebiet künftig enger zusammenarbeiten. Am Montag, 6. Juli 2026, wurde in Castrop-Rauxel der neue Regionalpakt für Hochwasserschutz...

Diese Woche im Kino Dorsten: Vaiana

Welche Filme laufen diese Woche im Kino Dorsten? Im Central-Kino Dorsten starten „Vaiana“, „Evil Dead Burn“, „Auf zwei Rädern“ und „Minions & Monster“. Hier gibt...

Tim Salow gewinnt Mathemagic-Finale an der Gesamtschule Wulfen

Der Mathemagic-Wettbewerb an der Gesamtschule Wulfen ist mit einem spannenden Finale zu Ende gegangen. Nach drei Vorrunden über das Schuljahr hinweg traten die zehn punktbesten...

Gewerbebrand bei Humbert in Hervest: Altpapier unter Abdach in Brand

Bei einem Gewerbebrand in Dorsten-Hervest ist am Dienstagnachmittag eine größere Menge Altpapier in Brand geraten. Die Feuerwehr wurde um 16.42 Uhr zur Firma Humbert Entsorgung...

Klick mich!