Der Dorstener Fotojournalist und Künstler Alexander Fichtner präsentiert seine Ausstellung „Überleben im Zelt“ in Bochum. Die Arbeiten zeigen das Leben jezidischer Familien nach dem Genozid durch den sogenannten Islamischen Staat.
Mit seiner Ausstellung „Überleben im Zelt“ rückt der Dorstener Fotojournalist und Künstler Alexander Fichtner eine Wirklichkeit in den Blick, die im öffentlichen Bewusstsein oft zu verschwinden droht. Nach Stationen in der Tisa Stiftung in Dorsten und in der Ökumenischen Akademie in Gera sind die Arbeiten nun im Fritz Bauer Forum in Bochum zu sehen.

Die Fotografien entstanden im Flüchtlingscamp Sheikhan in Nordirak. Sie zeigen die Lebenssituation jezidischer Familien, die seit dem Überfall des sogenannten Islamischen Staates auf die Region Shingal im August 2014 vertrieben wurden. Fast zwölf Jahre nach den Verbrechen leben viele Betroffene noch immer unter provisorischen Bedingungen.
Stille Bilder mit großer Wucht
Fichtner sucht in seinen Bildern nicht das Spektakel des Elends. Er richtet den Blick auf Spuren des Alltags, auf Zelte, Räume, Gegenstände, Landschaften und stille Zeichen menschlicher Behauptung. Gerade diese Zurückhaltung macht die Fotografien eindringlich. Sie erzählen von Verlust, Isolation und Würde, ohne die Menschen auszustellen.
„Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, diese Bilder zu sehen und hinzuschauen, statt wegzusehen“, sagt Alexander Fichtner. Seine Arbeiten verstehen sich nicht nur als Dokumentation, sondern auch als Mahnung.
Ein passender Ort für Erinnerung und Verantwortung
Dass die Ausstellung im Fritz Bauer Forum gezeigt wird, verleiht ihr eine besondere Bedeutung. Das Bochumer Forum versteht sich als Ort der Erinnerung, Bildung, Demokratie und Menschenrechte. Benannt ist es nach dem Juristen Fritz Bauer, der maßgeblich zur juristischen Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen beitrug.

Damit ist das Haus ein besonders passender Ort für Fichtners Fotografien. Denn auch sie fragen danach, wie Erinnerung lebendig bleibt, wie Unrecht sichtbar gemacht wird und welche Verantwortung daraus für die Gegenwart entsteht.
Alexander Fichtner: Zwischen Fotojournalismus, Kunst und Recherche
Alexander Fichtner, 1979 in Herten geboren und im Ruhrgebiet aufgewachsen, bewegt sich seit Jahren zwischen Fotojournalismus, Kunst und Recherche. Diese Verbindung prägt auch „Überleben im Zelt“. Dokumentarische Genauigkeit trifft auf eine konzentrierte Bildsprache, in der Leere, Stille und Distanz zu eigenen Erzählformen werden.

Eröffnung mit humanitärer Stimme aus dem Nordirak
Zur Eröffnung am Dienstag, 5. Mai 2026, um 18 Uhr ist neben Alexander Fichtner auch Archimandrit Emanuel Youkhana online zugeschaltet. Der aus Dohuk stammende Geistliche und Gründer des Hilfswerks CAPNI gilt als wichtige humanitäre Stimme für gefährdete Minderheiten im Nordirak.
Die Ausstellung „Überleben im Zelt“ ist bis zum 23. Juni 2026 im Fritz Bauer Forum in Bochum zu sehen.
Info
Ausstellung: „Überleben im Zelt“ von Alexander Fichtner
Ort: Fritz Bauer Forum, Bochum
Eröffnung: Dienstag, 5. Mai 2026, 18 Uhr
Dauer: bis 23. Juni 2026




























