Am 7. Mai werden wieder Tausende zum Lembecker Tiermarkt strömen. Das bunte Volksfest von heute hat mit dem ursprünglichen Markt nicht mehr viel gemein, vor allem, was den Tierschutz angeht. Was aber kaum jemand weiß: Das bunte dörfliche Treiben wurde in seiner Geschichte mehr von der großen Weltpolitik beeinflusst, als man vermuten würde.
Das beginnende 19. Jahrhundert hatte das Leben der Bauern in der Herrlichkeit Lembeck erschüttert. Nicht nur waren im Zuge der napoleonischen Kriege fremde Heere über ihr Land gezogen, und mit ihnen hatte sich die gewohnte Ordnung komplett verändert. Erst geriet Lembeck unter französische, dann unter preußische Besatzung. Beide Staaten legten großen Wert darauf, die althergebrachte Macht des Landadels zu brechen. Im aufgeklärten Staat sollte auch der Bauer direkter Untertan werden, und nicht mehr nur seinem Grundherren dienen. Mit der Fürstenherrschaft war es also vorbei, und nach dem Abzug Napoleons hielt 1816 das preußische Recht Einzug in Lembeck.
Landwirtschaft blühte unter den Preußen auf
Unter diesem Recht war der Bauer selbst der Eigentümer über sein Land. Er konnte nun frei über seinen Besitz verfügen, und kein Grundherr konnte ihm das Land oder seinen Hof einfach entziehen. Die Idee dahinter war nicht nur dem humanistischen Menschenbild geschuldet, sondern auch der Hoffnung, dass es Anreize für eine wirtschaftliche Entwicklung liefern sollte. Höfe, die sich bisher mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hatten, konnten nun verkauft werden. Unter neuer Leitung konnten sie aufblühen, und viele bisher kaum genutzte Flächen wurden nun mit neuer Motivation erschlossen und kultiviert.

Vieh musste nach Dorsten getrieben werden
Gerade für einen wirtschaftlich unabhängigen Bauern ist der Viehhandel ein wichtiges Standbein. Für die Lembecker gab es hier einen kleinen Wermutstropfen. Nach preußischem Marktrecht konnte Großvieh nur in einer Stadt verkauft werden, und dazu mussten Kühe und Pferde nach Dorsten getrieben werden. Um auf den Markt im Lippetal zu gelangen, wurde allerdings Brückengeld fällig. Somit beschloss man, in Lembeck wenigstens jene Tiere zu verkaufen, die nicht unter das Gesetz fielen: Schweine, Geflügel, Schafe, Ziegen oder auch Kälber. Zudem konnten hier auch andere land- oder forstwirtschaftliche Waren wie Obst und Gemüse, Wildbret oder Fisch angeboten werden. 1818 fand der erste solche Markt in Lembeck statt.

„Tierschaufest“ war der Vorgänger des Tiermarktes
Es sollten 100 Jahre ins Land gehen, ehe auch die ersten Rinder und Pferde in Lembeck verkauft werden konnten. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich die Gesetzeslage geändert, und nun kamen die Landwirte zur Tierschau am Dorfrand zusammen. Hier wurde den Gäulen ins Maul geschaut, oder Preise an besonders prächtiges Vieh verliehen. Und wenn sich zwei Bauern einig waren, reichte meist ein Handschlag und ein gemeinsam getrunkener Schnaps zur Besiegelung eines Kaufes aus. Bereits 1930 fand aber schon das letzte „Tierschaufest“ vor dem Krieg statt, und die Tradition drohte in Vergessenheit zu geraten. Es dauerte bis 1989, bis die Lembecker Geschäftsleute wieder an die Geschichte anknüpften. Damit legten sie den Grundstein für den beliebten jährlichen Tiermarkt, wie man ihn heute kennt.

Tiermarkt 2023 wieder mit vollem Programm
Der kommende Tiermarkt findet am Sonntag, dem 7. Mai 2023 von 11 bis 18 Uhr statt. „Nach der Coronapause der letzten zwei Jahre wird dieser Tiermarkt wieder im gewohntem Umfang stattfinden“, freut sich Frank Langenhorst vom Organisationsteam. Neben den Angeboten auf der Tiermarktwiese gibt es an über 200 Ständen im Dorf viel zu entdecken. Die Oldtimerfreunde Lembeck stellen am Heimathof (Am Krusenhof) ihre historischen Landmaschinen vor, und für die musikalische Unterhaltung haben sich der Spielmannszug Lembeck und die Jagdhornbläser angekündigt.




























