von Martina Jansen

Ich kenne Ernst Heye und seine Frau Uta schon lange und jedes Mal, wenn ich die beiden besuche, treffe ich Ernst in seiner Werkstatt an. Von seiner Werkbank aus in seinem Haus an der Klosterstraße hat er einen guten Blick nach draußen.

Foto: Ernst Heye

Ich freue mich natürlich über alle meine ‚Zaungäste‘, die vor dem Fenster stehen bleiben und sich meine Kugelbahn anschauen“, erzählt Ernst. Der fensterfüllende, kupferne Eyecatcher ist ein Geschenk an seine Frau Uta, die nach all den Jahren das Hobby ihres Mannes immer noch faszinierend findet. Obwohl, nur ein Hobby ist es schon lange nicht mehr, dazu ist Ernst international viel zu sehr beachtet und auch geschätzt.

Element Kupfer

Das Element Kupfer ist Ernst Heye nicht fremd, als gelernter Energieanlagen-Elektroniker geht er täglich damit um. Dass man damit aber nicht nur Glühlampen zum Leuchten bekommt, sieht man bei einem Besuch seines Ateliers. Bisher hat er etwa 170 bis 200 Kugelbahnen in allen erdenklichen Größen und Formen erschaffen. Alleine in den letzten vier Jahren waren es um die 24 und ich bin jedes Mal neu erstaunt darüber, was man mit seinen eigenen Händen erschaffen kann. Vorausgesetzt, man hat das Talent dazu, aber das hat der sympathische Künstler auf alle Fälle.

Foto: Ernst Heye

Bei jedem meiner Besuche sehe ich neue Werke und ich könnte mich stundenlang in der Werkstatt aufhalten, so viel Neues und Unerwartetes gibt es stets zu entdecken. Überall stehen und hängen Kugelbahnen, in denen sich kleine und auch größere Kugeln ihren Weg suchen. Hier kippt ein Stein und löst damit eine neue Kugel aus, dort ändert eine Weiche den Weg. Vorhersehbar ist der Lauf der Kugeln nicht, sodass die Neugierde bis zum Schluss bestehen bleibt.

Filigrane Kunstwerke

Angefangen hat Ernst Heyes Künstlerkarriere während einer Nachtschicht bei der Bundeswehr. Dort entstanden in jeweils einer Schicht zwei so filigrane Kunstwerke, die die feinmotorischen Möglichkeiten eines fast jeden Menschen weit überfordern. Besonders fasziniert mich auch heute noch ein Model eines Motorrades mit funktionsgetreuen und -fähigen Details aus Telefondraht. Ja, sie lesen richtig, aus Telefondraht, diesen weichen winzigen Kupferlitzen, die aber hier durch die spezielle Verlötung so stabil geworden sind, dass das Motorrad alleine steht.

Foto: Ernst Heye

„Was aus Holz geht, geht auch mit Kupfer“ dachte sich der dreifache Familienvater, nachdem seine älteste Tochter vor 27 Jahren eine Kugelbahn geschenkt bekommen hatte.

Hohe Ansprüche an Kupferkabel

So setzte er sich an einem Wochenende hin und präsentierte seiner Familie seine erste entworfene und gebaute Kugelbahn. Zwar sehr robust und mit nur geringer Ähnlichkeit zu seinen jetzigen Kreationen, aber das Thema Draht-Art ließ ihn nicht mehr los. Seitdem isoliert Ernst Heye so oft es geht Kabel ab, um das reine Kupfer zu erhalten, denn gekauftes Kupfer ist oft lackiert und lässt sich daher nicht löten. So bastelt und bastelt, entwirft, entwirft wieder neu, grübelt und probiert er immer wieder, bis die einzelnen Kugelbahnen seinen hohen Ansprüchen genügen.

Seine Frau Uta erkannte früh sein Potenzial und meldete Ernst 1997/98 auf dem 1. Kreativmarkt im Marler Stern an, wo Hans Steimel, Organisator des damaligen Kunstmarktes im Schloss Lembeck auf Ernst Heye aufmerksam wurde und ihn direkt zu seinem Kunstmarkt einlud. Dort sind seine Kugelbahnen jedes Jahr stets umringt von interessierten Kunstliebhabern, die sich an dem Spiel und Lauf der Kugeln nicht sattsehen konnten.

Geduldig zog der Künstler anfangs die Abschussvorrichtung der Kugel, ähnlich der eines Flippers, auf, um die Kugeln in Gang zu bringen und seine Bahnen dem Publikum zu präsentieren. „Als aber nach dem gefühlten tausendsten Mal meine mittlerweile gefühllosen Finger dann nicht mehr so richtig wollten, stand für mich fest: Die nächsten Bahnen werden motorbetrieben“, erinnert sich Ernst.

Bestellung eines Uhrmachers aus Birmingham

Und passend genau in diesem Moment kam die Bestellung eines Uhrmachers aus Birmingham, der seine Bahn bereits vier Wochen später in sein Schaufenster stellen wollte.

Foto: Ernst Heye

Verbaut wird in seinen „Rolling Ball Sculptures“, wie die Kugelbahnen korrekt genannt werden, alles, was sich verbauen lässt: Uhrwerke, Jagdhörner, alte Ölbehälter, Holz, ausrangierte Messgeräte oder alte Kameras, wie in einem seiner letzten Werke.

„Imperial 4K“ heißt es und sollte ursprünglich auf der nun ausgefallenen weltgrößte Drahtmesse „Wire and Tube“ dem Gewinner eines Fotowettbewerbes persönlich übergeben werden. Bei jedem seiner Werke, findet Ernst Heye eine passende Bezeichnung, natürlich auch bei diesem Preis.

Die verbaute Kamera trägt die Bezeichnung „Imperial“ und wenn vier Kugeln zusammentreffen, dann gibt es einen Lichteffekt, ähnlich dem eines Blitzes beim Fotografieren.

Ernst Heyes Meisterwerke sind natürlich käuflich zu erwerben, meistens sind es jedoch Auftragsarbeiten, sodass interessierten Besuchern in Dorsten lediglich das Anschauen und das Bewundern bleibt.

Spendenkugelbahn im „Das LEO“

Erwünscht ist natürlich auch der Besuch der Spendenkugelbahn im Soziokulturellen Zentrum „Das LEO“ mit einer ausgeklügelten Mechanik, die die Kugeln nach Einwurf einer beliebigen Münze in Bewegung setzt. „So groß sollte sie ursprünglich nicht werden, aber nachdem sich eine Anfrage von Dr. Eckart von Hirschhausen, der eine große Kugelbahn für seine Sendung suchte, dann leider doch erledigte, war das Material nun mal in der Größe von zwei mal drei Meter vorhanden und so habe ich es für die Spendenbahn benutzt“, erwähnt Ernst.

„Ich bin seit einiger Zeit nur noch auf den beiden Kunstausstellungen in Lembeck und Kloster Eberbach vertreten. Dort halte ich den Kontakt zu anderen Künstlern“, so der 57-jährige empathische Dorstener. „Außerdem tut mir die positive Resonanz der Besucher auch gut“, fährt er fort.

Pyramide der Nofretete

Ein Kompliment der besonderen Art erhielt er vom „Papst der Kugelbahnbauer“, dem 94-jährigen George Rhoads. „Er meint, es gibt niemanden auf der Welt, der so individuell baut wie ich“, berichtet Ernst Heye zu Recht stolz. So ein Lob von höchster Stelle bekommt man schließlich nicht alle Tage.

Die Pyramide der Nofretete, seine aufwendigste Kugelbahn, bei der sich 27 Kugeln gleichzeitig ihren Weg suchen und an der Ernst Heye etwa 1000 Stunden in den Jahren 2004 bis 2007 arbeitete, bleibt jedoch in seinem Besitz und ist unverkäuflich. Alle anderen Werke verkauft der Künstler in alle Welt und sind in namhaften Museen zu finden. Die Eröffnung eines Museums der kinetischen Art in Rüdesheim mit drei seiner Bahnen steht demnächst an. Da jeder Drahtkünstler eine eigene Handschrift hat, sind Ernst Heyes Werke auf Anhieb erkennbar, obwohl sie individuell sind.

Ernst Heye im Social Media

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