Die Gesamtschule Wulfen feiert ihr 50-jähriges Bestehen und blickt stolz auf eine bewegte Geschichte zurück. Wir haben mit dem ehemaligen Lehrer Thomas Giesen sowie dem Direktor Hermann Twittenhoff und den Lehrkräften Michael Wolff und Özgün Cicek gesprochen, um Einblicke in die Entwicklung der Schule zu erhalten.
Thomas Giesen: Erinnerungen an die Anfänge
Thomas Giesen ist 1988 an die Gesamtschule Wulfen gekommen und unterrichtete Bio und Kunst. „Was besonders aufgefallen ist, ist die Architektur“, sagt Giesen auf die Frage, was sofort prägend war an der Schule. Ebenfalls bemerkenswert: Die groß angelegten Bereiche für Kunst und Naturwissenschaften mit der Möglichkeit, den Unterricht nach draußen zum Schulhof zu verlegen. Damit sei ein angepasstes Lernen an die Umgebung möglich gewesen. Im Biounterricht wurde der Bach als Lebensraum beobachtet. Und im Kunstunterricht ging es raus auf den Schulhof zum Zeichnen.

Die Schulstraße war ein wichtiger Ort der Begegnung und des Lebens in der Schule. Aber trotzdem gab es genug Rückzugsorte, um auch mal seine Ruhe zu haben.
In den Anfangsjahren sei die Gesamtschule Wulfen eine der ersten ihrer Art gewesen, – eine Schule für alle Begabungen und Hintergründe. Giesen betont die besondere Atmosphäre: „Wir haben mit Herz und Leidenschaft unterrichtet, um jedem Schüler gerecht zu werden.“ Nach seiner Ansicht stand der Schüler als Individuum früher stärker im Mittelpunkt . Es ging nicht nur um Wissensvermittlung.

Doch wurde auch viel improvisiert in der Anfangszeit der Gesamtschule Wulfen. So gab es von den Lehrern selbstständig entwickelte und entworfene Unterrichtsbücher. „Es war alles sehr pragmatisch“, sagt Giesen. Er führt aus, das eigentlich fast immer eine Lösung gefunden wurde – sei es in der Lehre oder auch bei privaten Problemen der Schüler, die sie mit in die Schule gebracht haben. Rückblickend erzählt er, dass die Zeit an der Gesamtschule für ihn sehr spannend war.
„Schule ist soziale Institution und die Zusammenkünfte mit Schülern und ehemaligen Kollegen haben geprägt“, sagt Giesen. Doch genießt er nun seinen Ruhestand, auch wenn er weiter im Stadtteil sozial aktiv ist.
Hermann Twittenhoff: „Wir machen Herzensbildung“
Direktor Hermann Twittenhoff ist seit 2016 in seinem Amt. Er ist der vierte Direktor der Gesamtschule Wulfen, die im Moment 136 Lehrer und 1325 Schüler beinhaltet. Er selbst unterrichtet Chemie und evangelische Religion neben den Tätigkeiten des Schuldirektors.

„Das Tolle ist, dass jeder Tag anders ist“ , sagt Twittenhoff zum Schultag. Er betont die stetige Weiterentwicklung der Schule. „Wir machen Herzensbildung“ führt er aus und beschreibt, was er damit ausdrücken möchte.

Es geht nicht nur um die reine Wissensvermittlung, sondern auch um das soziale Miteinander. „Wir wollen den Schülern helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden“, erzählt Twittenhoff. Dies wurde ihm beim Ehemaligen-Treffen am 25. August mehrfach bestätigt. Oft hörte Twittenhoff an dem Abend von Schülern, dass sie dankbar für die Förderung in der Gesamtschule waren. Dabei ging es nicht nur um die schulischen Leistungen, sondern genau um diese „Herzensbildung“: Menschen auf das Leben vorzubereiten.
Digitale Gesamtschule Wulfen
Besonders stolz ist Twittenhoff auf die digitale Ausstattung durch die Stadt. „Wir stecken ja mitten in der Digitalen-Bildungsreform“, so Twittenhoff. Die Schule ist im Stadtgebiet Vorreiter, was die Digitalisierung angeht, doch stehen immer noch Fragen offen. Wie etwa: Wie nutze ich digitale Lehrinhalte am besten? Wo ist der Mehrwert zum konventionellen Lernen? Doch arbeitet die Gesamtschule Wulfen stetig an ihrer Weiterentwicklung, um auch Lösungen zu diesen Fragen zu finden.
Twittenhoff ist ein Direktor, der mit anpackt und der gut überlegt wie die Gesamtschule und die Schüler für die nächsten 50. Jahre vorbereitet sind.

Michael Wolff und Özgün Cicek: Gemeinschaft und Individualität
Michael Wolff und seine Kollegin Özgün Cicek teilen sich zusammen eine Klasse als Klassenlehrer. Dies ist eine Besonderheit an der Gesamtschule Wulfen. Durch die Aufteilung der Arbeit haben die Lehrer mehr Zeit, sich um die Schüler zu kümmern. Auch ist es für die Schüler von Vorteil, zwei Ansprechpartner bei Problemen oder Vertrauensfragen zu haben.

Michael Wolff ist 1980 geboren und studierte anfangs Germanistik und Romanistik. Er ist über das OBAS Programm zum Lehrerberuf gekommen. Dieses Programm ermöglicht Seiteneinsteigern berufsbegleitend die Ausbildung zur Lehrkraft. Seit 2008 ist Wolff an der Gesamtschule Wulfen und unterrichtet Deutsch und Geschichte.
„Es war für mich eine bewusste Entscheidung, an die Gesamtschule zu gehen“, erzählt Wolff. Er selbst ist überzeugt von der Schulform. Er findet, es ist eine Schule für alle. „Die bewusste Durchmischung der Schülerschaft macht das Arbeiten spannend und abwechslungsreich“, sagt er.

Özgün Cicek ist 1983 geboren und war zuvor in Bochum an einer Gesamtschule und wechselte 2015 nach Wulfen. Sie unterrichtet Spanisch und Geschichte. Cicek erzählt, das besonders das gemeinsame Miteinander an der Schule funktioniert.
„Individuelle Förderung ist essenziell“
Die Lehrer Michael Wolff und Özgün Cicek sprechen dabei über die heutigen Herausforderungen an der Gesamtschule Wulfen. „Individuelle Förderung ist essenziell“, sagt Wolff. Die Schule lege Wert auf differenzierten Unterricht, um jeden Schüler optimal zu unterstützen. Cicek betont die Bedeutung der Gemeinschaft: „Wir fördern ein Klima des Respekts und der Zusammenarbeit.“ Wolff führt aus, das die Beziehungsarbeit enorm wichtig ist.

Beide sind sich dabei einig, dass es für einige Schüler immer noch Auswirkungen der Corona-Pandemie gebe. „Es fehlt manchen an sozialer Kompetenz und der Schul-Routine“, sagt Cicek. „Da braucht es Vertrauen und Zeit, um einige Schüler wieder in die richtige Spur zu bringen.“
Gesamtschule Wulfen Zukunft voller Möglichkeiten
Die Gesamtschule Wulfen hat in 50 Jahren Bildungstradition viel erreicht. Sie bleibt ein Ort, an dem Innovation, Vielfalt und Gemeinschaft Hand in Hand gehen. Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Vergangenheit werden genutzt, um die Schüler auf die Chancen und Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte vorzubereiten. Kurz gesagt: Es findet Herzensbildung statt.






























