Anzeige
Von allen Gewerbegebieten in der Lippestadt hat Dorsten-Ost vielleicht die größte überregionale Bekanntheit erlangt.
Einige Jahrzehnte später ist es immer noch ein Beispiel für eine etablierte und gut ausgebaute Adresse für Handwerk, Handel und Dienstleistungen.
Wer von der Feldmark aus über die B225 in Richtung Marl fährt, kommt an dem ausgedehnten Gewerbegebiet Dorsten-Ost mit seinen nüchternen Zweckbauten, den breiten Parkplätzen und den von Lastwagen und Kleintransportern bevölkerten Straßen vorbei. Von der Bundesstraße aus ist die eigentliche Größe aber nur zu erahnen.
Das Areal ist gute 94 Hektar groß und schmiegt sich im Norden an den Wesel-Datteln-Kanal an, der nach dem Rhein die meistbefahrene Wasserstraße Deutschlands ist. Vor 100 Jahren nahm hier der Hafen seinen Betrieb auf, der auch heute noch ein wichtiger Umschlagplatz für Massengut und Baustoffe wie Sand oder Kies ist.
Diese günstige Verkehrslage machte die Fläche attraktiv für eine Industrieansiedlung, die aber zunächst ganz anders aussehen sollte. „1968 gab es einen ersten Bebauungsplan für einen Industriepark Dorsten“, erklären Günter Aleff und Tobias Schmitz von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Dorsten, WINDOR. „Ursprünglich sollte hier ein Kohlekraftwerk der Firma Steag entstehen. Dazu kam es aber nie“, berichten die beiden Wirtschaftsförderer.
Kohlekraftwerk wurde nie gebaut
Tatsächlich hatte die ehemalige Steinkohlen-Elektrizität AG, später kurz Steag genannte Gesellschaft, lange versucht, den Kraftwerksbau auf 40 Hektar des Industrieparkes voranzubringen. Hintergrund war die Neuordnung des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet mit der Gründung der Ruhrkohle AG 1968. Die Leitung der einzelnen Bergwerke wurde nun unter einem Dach gebündelt, und die Ruhrkohle AG übernahm auch einen großen Anteil der Steag-Aktien.
So aufgestellt, wurden nicht mehr kleine Kraftwerke zur Versorgung einzelner Zechen, sondern vermehrt auch Großkraftwerke gewünscht. Der Dorstener Stadtrat aber kam zu keiner klaren Entscheidung, da es Schwierigkeiten mit unklaren Umweltgutachten und mehreren befangenen Ratsmitgliedern gab. Lange lagen die vorgesehenen Flächen daher brach, bis die Steag die Kraftwerkspläne schließlich aufgab.
Großer Name aus Schweden machte Dorsten zum Magneten
Inzwischen siedelten sich aber die ersten Gewerbebetriebe an. In den 1970er Jahren fanden hier bekannte Firmen wie Thier (heute XPO), Baumann oder Sprungmann ein neues Zuhause. Überregional bekannt wurde das Gebiet aber dann durch ein internationales Gastspiel. „Ja, 1975 war die große Eröffnung von Ikea. Das war schon eine fantastische Sache für Dorsten“, erinnert Günter Aleff.
Großer Name aus Schweden machte Dorsten zum Magneten
Nach seinem gelungenen Einstieg in den deutschen Markt bei München 1973 expandierte der schwedische Möbelriese 1975 nach NRW. Zeitgleich entstanden in Köln und in Dorsten zwei große Einrichtungshäuser mit dem damals neuen Konzept günstiger und genormter Möbel zum Selbstabholen. Dorsten hatte nun das erste Ikea im Ruhrgebiet und wurde schnell zum Anlaufpunkt von Einrichtungswilligen aus der ganzen Region.
Anfang der 1990er Jahre zog Ikea nach Unstimmigkeiten mit dem Hallenvermieter dann aber mit dem größten Teil seines Angebots nach Essen um. Zunächst verkaufte Ikea in Dorsten noch Auslaufwaren und Produkte aus der Zweiten Wahl, dann übergaben die Schweden ganz an den Nachfolger Poco. Auch heute noch stehen Möbel und Einrichtungsprodukte im Gewerbegebiet Dorsten-Ost hoch im Kurs. Neben Poco finden sich hier das ursprünglich aus Lavesum stammende Möbelhaus Peters, das einstige Dänische Bettenlager und heutige Jysk, sowie das Einrichtungshaus Hammer.
Logistik profitiert von guter Anbindung
Große Flächen belegten auch zwei andere große Namen. Zum einen richtete sich die Post 1991 ein Logistik- und Verteilzentrum ein, das heute unter dem Banner von DHL weiter existiert. Zum anderen hatte sich schon in den 1980er Jahren die Firma Coca Cola in Dorsten angesiedelt. „Heute beschäftigt Coca Cola immer noch etwa 300 Mitarbeiter vor Ort“, erläutert Günter Aleff. Vor allem für Getränke in Dosen ist Dorsten für Coca Cola noch immer der wichtigste Standort in Deutschland.
Erst 2020 investierte der Konzern noch einmal mehrere Millionen Euro in eine Modernisierung der Anlage, so dass nun bis zu zwei Millionen Dosen pro Tag abgefüllt werden können. Diese müssen natürlich von Dorsten-Ost auch zum Kunden gelangen. Die Nähe zur Autobahn sorgt aber dafür, dass logistiklastige Unternehmen wie DHL oder Coca Cola eine günstige Verkehrsanbindung vorfinden.
Beständigkeit und Modernisierung im Gewerbegebiet Dorsten-Ost
Auch wenn immer wieder einmal einige Betriebe Namen oder Besitzer wechseln, hat im Gewerbegebiet Dorsten-Ost bereits seit einigen Jahren eine feste Beständigkeit Einzug gehalten. Autohäuser wie die Automobile Baumann oder die MOHAG Automobile Sprungmann GmbH haben sich hier ebenso etabliert wie die Einrichtungshäuser oder der Hagebaumarkt.
Speditionen, Handwerks- und Industriebetriebe sowie kleine aber feine Dienstleister und Werkstätten sind für Dorsten so feste Adressen geworden, wie auch der Tanktreff Hoyer oder die Dorstener Waschstraße. „Das Gebiet ist komplett belegt und eine größere bauliche Entwicklung steht nicht an“, stellt Tobias Schmitz von der WINDOR fest. Es gebe derzeit auch kaum noch Fläche, die für eine Bebauung in Frage komme, mit Ausnahme eines Streifens an der B225.
Pläne zur Modernisierung und Optimierung
Das bedeutet aber nicht, dass es keine Ideen zur Modernisierung gebe, im Gegenteil. „Wir sehen zum Beispiel sehr viel Potenzial für eine energetische Entwicklung“, erklären die WINDOR-Experten. So kämen viele der Dachflächen etwa für Photovoltaik-Anlagen zur Solarstromgewinnung in Frage. „Hier laufen bereits Gespräche mit den Gewerbetreibenden“, so die Wirtschaftsförderer.
Auch die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr soll in den kommenden Jahren weiter optimiert werden. Derzeit entsteht dafür bereits ein neues Bushaltestellenpaar an der Marler Straße, die die Erreichbarkeit der DHL und der Arvato SE für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessern wird. Zudem wird gerade ein Fuß- und Radweg neben der B225 fertig gestellt. Die Arbeitnehmer sollen dank besserer Anbindungen und optimierter Fahrpläne noch bessere Möglichkeiten erhalten, auf das Auto zu verzichten und mit dem Bus oder Fahrrad anzureisen.
Die Stadt erhofft sich dadurch eine spürbare Erleichterung des Verkehrsaufkommens in den Stoßzeiten. So wird das Gewerbegebiet Dorsten-Ost auch in Zukunft eine wichtige Adresse für die Lippestadt bleiben.
Fotonachweise: Guido Bludau, Stadt Dorsten, Moritz Brilo






