Im Kaktus Sozialkaufhaus in Dorsten-Hervest bekommt Gebrauchtes ein zweites Leben. Zwischen Kleidung, Geschirr und Büchern finden Besucher immer wieder Schätze, manchmal sogar Markenartikel zum kleinen Preis. Wer hier stöbert, weiß nie, welche Überraschung im Regal wartet.
Viele Besucher kommen nur kurz vorbei, „mal eben reinschauen, ob’s was Neues gibt“. Vielleicht findet sich genau die Kaffeekanne, die zu Hause gerade kaputtgegangen ist. Oder ein hübsches Glas, eine Vase oder die fehlende Kaffeetasse fürs Service. Und wer Kinder hat, entdeckt fast immer etwas zwischen den Regalen mit Spielsachen und Büchern. „Und das alles zu Preisen, die sich jeder leisten kann“, erklärt Angelika Hinze. „Natürlich dürfen hochwertige Markenartikel auch mal ein bisschen mehr kosten.“

Hochwertige Spenden und ein festes Stammpublikum
Angelika Hinze ist seit rund 17 Jahren Fachanleiterin im Sozialkaufhaus Kaktus der Dorstener Arbeit und kennt die Erfolgsgeheimnisse, und sie hat den Laden voll im Griff. Das Kaufhaus sei inzwischen weit über Dorsten hinaus bekannt. Viele Kunden wüssten, dass es hier gute, oft neuwertige Ware gebe. Häufig komme diese über persönliche Kontakte: Ein Kunde kenne jemanden, der wieder jemanden kenne, der hochwertige Stücke abgibt. Auf diese Weise gelange regelmäßig Ware ins Haus, die anderswo kaum noch zu finden sei.
Nicht alles werde angenommen. Verzogene oder verfärbte Kleidung, Stücke mit Löchern oder fehlenden Knöpfen blieben draußen. „Nur sehr hochwertige Teile mit kleinen Mängeln reparieren wir selbst, wenn wir das Personal dafür haben,“ sagt Hinze.

Rund 30 Prozent der Spenden stammen von Stammkunden, die regelmäßig sehr gute oder sogar neue Waren bringen. Hinzu kämen Haushalts- und Geschäftsauflösungen. „Manchmal bekomme ich sogar neue Artikel, die nur abgeschrieben wurden – das ist dann echte Top-Ware,“ erzählt sie.
Schnäppchen und Marken im Kaktus
Preislich ist das Sozialkaufhaus breit aufgestellt. Bereits ab zwei Euro können Besucher fündig werden. Wer sich ein komplettes Outfit zusammenstellen möchte, komme laut Fachanleiterin Angelika Hinze mit wenigen Euro aus. Wer gezielt nach Marken suche, müsse allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen. Hochwertige Teile kosten hier zwischen 20 und 30 Euro – im Vergleich zu Neupreisen von 200 Euro und mehr immer noch ein echtes Schnäppchen.
Von Münster bis Teneriffa – die Kundschaft im Karo ist bunt
Und, das Sortiment ist riesig: Kleidung, Kleinteile, Geschirr, Dekoartikel, und in der Filiale in Wulfen sogar mehr Möbel. In Hervest dagegen geht es kleinteiliger zu, und besonders Bekleidung ist der Renner. „Wir haben Kunden, die kommen aus Münster, Duisburg und Recklinghausen“, erzählt Hinze. „Und ich habe sogar eine Kundin, die lebt auf Teneriffa. Die kommt zweimal im Jahr nach Deutschland, besucht ihre Freundin und kommt mit leerem Koffer hierher.“
Die Qualität spricht sich eben herum. „Liegt vielleicht auch daran, dass ich ein bisschen zickig bin“, sagt sie lachend. „Ich achte darauf, dass alles wirklich gut aussieht.“

Feste Preise statt Feilschen
Früher durfte im Kaktus gehandelt werden. „Das haben wir abgeschafft“, sagt Hinze. „Irgendwann hieß es, ‚Ach, du kennst mich doch, ich bring dir beim nächsten Mal Kekse mit.‘ Um das zu vermeiden, haben wir die Preise gesenkt und eine klare Struktur. Wer über 100 Euro einkauft, bekommt automatisch zehn Euro Rabatt.“
Ein starkes Team hinter den Kulissen
Insgesamt kümmern sich rund zehn Mitarbeitende um den Laden, ein Mix aus Festangestellten im 16i-Programm, Teilnehmern von Arbeitsgelegenheiten und Ehrenamtlichen. „Aber viele dürfen nur wenige Stunden die Woche kommen, vormittags oder nachmittags. Von der Stundenzahl her ist das gar nicht so viel.“

Öffnungszeiten
Das Kaufhaus arbeitet mit speziellen Öffnungszeiten. Montags bleibt es geschlossen, da an diesem Tag Schulungen für Jugendliche stattfinden und das Team nur ein begrenztes Stundenkontingent hat.
- Montag: geschlossen
- Dienstag bis Donnerstag: 9–13 Uhr und 14–18 Uhr
- Freitag: 9–15 Uhr durchgehend
Hinweis zum Schluss
Und für alle, die hier ihr neues Lieblingsstück finden: Im Kaktus-Kaufhaus wird nur bar bezahlt. Wer mit Karte winkt, darf höchstens dem nächsten Schnäppchen hinterherwinken.




























