Es ist ein besonderer Moment, der am Pfingstsonntag, 8. Juni, im St.-Paulus-Dom in Münster bevorsteht: Thomas Kuhn empfängt die Priesterweihe. Für den 54-Jährigen ist es nicht nur ein geistlicher Höhepunkt, sondern auch ein sehr persönlicher Schritt. Begleitet wird er an diesem Tag von seinen Zwillingstöchtern (32) und seinem Sohn (30).
„Es ist sicher kein gewöhnlicher Lebensweg, den ich gegangen bin“, sagt Kuhn. Und fügt lachend hinzu: „Hätte mir das jemand vor 30 Jahren erzählt, hätte ich ihn für verrückt erklärt.“
Aufgewachsen in Dorsten, engagierte sich Thomas Kuhn früh in der Jugendarbeit der Pfadfinder. Nach einer Ausbildung zum Elektroinstallateur entschied er sich für den Wechsel in den Erzieherberuf – ein Richtungswechsel mit Herz: „Das Soziale lag mir mehr am Herzen als das Handwerk.“
Zusammen mit seiner Frau Jutta und den eigenen Kindern war die Familie viele Jahre als Außenstelle der Caritas Duisburg aktiv und nahm immer wieder Kinder mit besonderem Bedarf auf. „Wir mussten immer mit Überraschungen leben, denn bei ihnen war neben ihrer schwierigen Kindheit nicht klar, was sie bereits im Leben geprägt hatte“, erinnert sich Kuhn. „Aber wir waren ein eingespieltes Team. Jeder brachte seine Stärken ein – das hat uns getragen.“
Glaube als Anker in schweren Zeiten
Der Glaube war für Kuhn stets eine tragende Säule. 2012 wurde er zum Ständigen Diakon mit Zivilberuf geweiht. In der Pfarrei St. Agatha in Dorsten übernahm er seelsorgliche Aufgaben, oft in Zeiten, in denen andere beruflich eingespannt waren – etwa bei Beerdigungen.
2016 kam der Bruch: Seine Frau starb nach schwerer Krankheit. „Der Glaube hat uns durch diese Zeit getragen“, sagt Thomas Kuhn. „Die Gewissheit, dass das Leben nicht endet, sondern verwandelt wird, hat uns Kraft gegeben.“
Nach dem Tod seiner Frau zog sich Kuhn für einige Zeit in ein Benediktinerkloster in Salzburg zurück. Dort nahm er sich Raum zum Trauern – und zum Nachdenken. „Ich habe gespürt, dass da noch mehr ist. Aber den Gedanken habe ich im Alltag wieder verdrängt“, sagt er offen. Doch immer wieder sei eine Frage aufgetaucht: „Was hat Gott mit mir vor?“
Ein langer Spaziergang brachte schließlich Klarheit. Der Gedanke, Priester zu werden, war nicht neu – doch nun fühlte er sich „reif“. Kuhn: „Ich habe es mit meinen Kindern und meiner Mutter besprochen. Ihre Reaktionen haben mich überrascht: Sie hatten es geahnt. Und sie standen hinter mir.“
Ausbildung im Spätberufenenalter
2021 trat er ins Priesterseminar Borromaeum in Münster ein. Es folgten ein Gemeindepraktikum in Damme, ein Studienjahr an der Universität, Unterricht an der Hildegardisschule und zahlreiche pastorale Kurse. „Ich bringe eine gewisse Gelassenheit und Routine mit“, sagt Kuhn. „Und ich sehe mich als modernen Konservativen – verwurzelt im Glauben, offen für die Menschen.“
Seine letzte Ausbildungsstation führte ihn nach Lüdinghausen. Dorthin wird er auch als Kaplan zurückkehren. „Ich freue mich, dort anzukommen. Eine Wohnung habe ich schon.“ Konkrete Schwerpunkte gebe es noch nicht, doch Kuhn hat klare Vorstellungen: „Ich finde es wichtig, nach vorn zu schauen und den Weg zu wagen.“ Er wolle nicht nur in Lüdinghausen und Seppenrade wirken, sondern auch den pastoralen Raum mit Nordkirchen, Olfen, Selm und Senden mitdenken. „Ich kann mir gut vorstellen, integrativ zu arbeiten.“
Die Primiz in Dorsten – ein Symbol der Hoffnung
Besonders freut sich Kuhn auf seine Primiz – die erste Messe als neu geweihter Priester – in seiner Heimatstadt Dorsten. Seine Töchter werden im Chor singen. „Ich bin gespannt, wer alles in der Kirche sein wird. Das wird eine bunte Mischung“, sagt er mit einem Lächeln.
Ein Satz aus der Regel des heiligen Benedikt steht auf seinem Primizzettel: „damit in allem Gott verherrlicht werde.“ Die Vorderseite ziert ein Motiv der Osterkerze der Pfarrei von 2012 – gestaltet von seiner Frau Jutta.
Ein Symbol für das, was ihn trägt: Glaube, Familie, Gemeinschaft – und die Hoffnung, dass jeder Weg, so ungewöhnlich er auch sein mag, seinen Sinn hat.




























