Die Baustelle vor der Tür macht dem Café Anneliese in Dorsten-Hardt schwer zu schaffen. Parkplätze weg, Haltestellen verlegt, kaum Laufkundschaft. Inhaberin Pia Kötting sagt: „Das halte ich nicht durch.“ Trotzdem plant sie weiter Aktionen und hofft, dass Dorsten ihr Café nicht vergisst.
Wer das Café Anneliese an der Fährstraße kennt, weiß: Es ist kein anonymer Gastronomiebetrieb, sondern ein Ort mit viel Persönlichkeit. Inhaberin Pia Kötting hat ihr Café Stück für Stück aufgebaut, mit alten Möbeln, Erinnerungsstücken, regionalen Produkten und viel Liebe zum Detail. Schon beim Betreten soll das Gefühl entstehen, „gemütlich wie bei Oma und Opa“ zu sitzen. Genau dieses Konzept hatte Dorsten-Online bereits in einem früheren Porträt über Pia Kötting und ihr Café vorgestellt.
Doch derzeit ist von dieser warmen Café-Atmosphäre vor allem drinnen etwas zu spüren. Draußen bestimmen Baustellen den Eindruck. Durch die Arbeiten an der Klosterstraße und der Fährstraße ist das Umfeld des Cafés aktuell stark beeinträchtigt. Für Pia Kötting ist das längst mehr als nur eine vorübergehende Unannehmlichkeit.
„In den vergangenen Wochen ist mein Umsatz enorm eingebrochen“, sagt sie. Die Sorge ist ihr deutlich anzumerken. Denn viele Gäste, die sonst spontan vorbeikamen oder regelmäßig ihren festen Platz im Café hatten, bleiben derzeit aus.

Baustelle schneidet den gewohnten Weg ab
Hintergrund sind die Bauarbeiten im Bereich Klosterstraße/Fährstraße. Der Abschnitt ist gesperrt, Buslinien werden umgeleitet, nahe gelegene Haltestellen fallen vorübergehend weg. Für viele Menschen mag das ärgerlich sein. Für die Gäste des Café Anneliese ist es aber oft ein echtes Hindernis.
Besonders ältere Besucherinnen und Besucher sind betroffen. Viele von ihnen kamen bislang mit dem Bus oder legten nur kurze Wege zu Fuß zurück. Die Ersatzhaltestellen liegen nun weiter entfernt. Was für jüngere Menschen vielleicht nur ein kleiner Umweg ist, kann für Senioren zur Hürde werden. Wer nicht mehr gut zu Fuß ist, wer einen Rollator nutzt oder auf kurze Wege angewiesen ist, überlegt sich den Besuch zweimal oder schafft ihn schlicht nicht mehr.
Damit fehlt manchen älteren Gästen nicht nur Kaffee und Kuchen. Ihnen fehlt ein wichtiger Treffpunkt im Stadtteil. Das Café Anneliese ist für viele ein Ort der Begegnung, ein Platz für Gespräche, kleine Rituale und ein Stück Alltag. Wenn dieser Ort plötzlich schwer erreichbar wird, reißt das auch eine Lücke in den sozialen Austausch.


Parkplätze fehlen, Laufkundschaft bleibt aus
Auch mit dem Auto ist die Lage schwierig. Die Parkplätze direkt vor dem Café sind wegen der Baustelle derzeit nicht nutzbar. Damit fällt ein wichtiger Vorteil weg: kurz anhalten, aussteigen, Kaffee trinken, Kuchen mitnehmen oder sich mit Bekannten treffen.
Hinzu kommt: Als privater Betrieb darf das Café keine eigenen Hinweisschilder vor der Baustelle aufstellen, um auf den geöffneten Betrieb aufmerksam zu machen. Wer nicht genau weiß, dass das Café trotz Baustelle erreichbar ist, fährt oder läuft unter Umständen daran vorbei.
Für Pia Kötting bedeutet das: Die Laufkundschaft bleibt praktisch aus. Stammgäste kommen seltener. Neue Gäste finden den Weg kaum. Gerade ein kleines Café, das von persönlicher Nähe, wiederkehrenden Gästen und spontanen Besuchen lebt, spürt solche Einschränkungen sofort.
„Das halte ich nicht durch“
Pia Kötting hat nach eigenen Angaben bereits zahlreiche Gespräche geführt und bei verschiedenen Stellen angerufen. Eine praktikable Lösung habe sich bislang aber nicht ergeben. Auch Ideen wie ein Taxibus oder andere Hilfen für mobilitätseingeschränkte Gäste seien bisher ohne Ergebnis geblieben.

Für die Inhaberin ist die Situation existenzbedrohend. Denn die Baustelle könnte sich noch über Monate hinziehen. „Das halte ich nicht durch“, sagt Pia Kötting.
Dabei trifft es ausgerechnet einen Betrieb, der mit viel Herzblut aufgebaut wurde. Das Café Anneliese ist kein Ort, an dem Gäste einfach nur schnell etwas konsumieren. Viele kommen wegen der Atmosphäre, wegen der Gespräche, wegen der Kuchen und wegen des Gefühls, willkommen zu sein. Wenn diese Menschen plötzlich nicht mehr hinkommen, fehlt dem Café nicht nur Umsatz, sondern auch das, was den Ort ausmacht.
Pia Kötting plant weiter Aktionen
Trotz der schwierigen Lage gibt Pia Kötting nicht auf. Für die kommenden Wochen hat sie mehrere Aktionen geplant. Am 1. Mai soll es Hohe-Mark-Eis geben. Zum Muttertag ist eine Blumenaktion vorgesehen. An Vatertag möchte sie Bockwurst und Kartoffelsalat anbieten. Auch ein Rentner-Speed-Dating im Herbst ist bereits in Planung.
Gerade diese Ideen zeigen, wie sehr Pia Kötting ihr Café als Treffpunkt versteht. Es soll ein Ort sein, an dem Menschen zusammenkommen, nicht nur für Kaffee und Kuchen, sondern auch für Begegnung.

Café bleibt trotz Baustelle erreichbar
Pia Kötting hofft nun darauf, dass ihre Gäste ihr Café trotz Baustelle nicht vergessen. Wer helfen möchte, kann das ganz einfach tun: vorbeikommen, Kuchen mitnehmen, einen Kaffee trinken oder anderen erzählen, dass das Café Anneliese weiterhin geöffnet ist.
Denn am Ende geht es nicht nur um eine Baustelle. Es geht um einen kleinen Dorstener Betrieb, der mit viel Liebe aufgebaut wurde, und um einen Treffpunkt, der für viele Menschen im Stadtteil wichtig geworden ist.
Das Café Anneliese befindet sich an der Fährstraße 19 in Dorsten.




























