Ich hatte schon meine rechte Hand zur Klopf-Faust geballt, als ich die Stimme meiner Kollegin durch ihre geschlossene Bürotür vernahm. „Oh“, zögerte ich, „vielleicht hat sie ja Besuch oder telefoniert.“ Aber ich war mal wieder in Eile, und so klopfte ich doch, steckte meinen Kopf kurz durch den Türspalt und fragte: „Störe ich?“
Sie saß an ihrem Platz, kein Telefon in der Hand, kein „Knopf“ im Ohr, keinen Besucher auf dem Stuhl. „Mit wem hast Du denn gerade gesprochen?“, schaute ich mich suchend in dem Raum um. „Mit mir selbst“, grinste sie, „ich bin mir immer wieder eine angenehme Gesprächspartnerin. „Und – worüber hast Du Dich mit Dir unterhalten?“ – „Über das, was ich jetzt noch alles tun muss und in welcher Reihenfolge ich das am besten mache. Lautes Sprechen hilft mir, Gedanken zu strukturieren und Klarheit im Kopf zu bekommen.“
Ich bin erleichtert, denn offensichtlich bin ich nicht die einzige, die Selbstgespräche führt. Erst kürzlich habe ich mich von meinem Sohn ertappen lassen. Der reagierte – offensichtlich aus Angst vor galoppierender Altersdemenz – besorgt: „Ey, Mutter – ist es schon so weit, dass Du jetzt anfängst, mit Dir selbst zu reden?“ Zuerst habe ich schuldbewusst mit den Schultern gezuckt: „Ich bin eben viel allein, da redet man schon mal so vor sich hin.“ Aber jetzt treffe ich immer mehr „Mit-sich-selbst-Redner“ und weiß, dass dieses Phänomen sehr verbreitet und völlig normal ist.
Sprache ist ein Werkzeug
Das Gehirn nutzt nämlich Sprache wie ein Werkzeug. Manche sagen laut Dinge, um sich zu konzentrieren: „Schlüssel, Handy und Geld – prima, alles parat, kann losgehen!“ Sich selbst anzusprechen, kann aber auch beruhigen oder motivieren: „Jetzt komm mal runter“ oder „Das schaffst Du“, oder „Ach, ist doch gar nicht so schlimm!“ Das wirkt ähnlich wie ein innerer Coach oder ein guter Freund. Auch bei Stressabbau und Selbstreflexion können Selbstgespräche sehr hilfreich sein.
Verrückt wird’s erst, wenn unverständliche Stimmen aus einem hervorsprudeln, die nicht den eigenen Gedanken, sondern eher denen eines Marsmännchens entspringen. Solange das nicht der Fall ist, halte ich mich an die Erkenntnis des englischen Schriftstellers und Science-Fiction-Pioniers H.G. Wells: „Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Partner voraus.




























