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#89 Glosse von Anke

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Der Alltag ist schon ernst genug. Deswegen serviert die Dorstenerin Anke Klapsing-Reich zum Wochenende eine Portion Heiterkeit. Diesmal jedoch etwas Besinnliches!

Vergnügliche Episoden aus dem Berufs- und Familienleben. Denn mit einem Lächeln geht gleich alles leichter.

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Erst Rosen, dann Hosen

Ich gehöre zu den Lila-Latzhosen-Studentinnen, die sich Anfang der 1980er Jahre für die Frauenbewegung stark gemacht haben – nicht in der ersten Reihe im Berliner Straßenkampf oder bei rebellischen Hausbesetzungen, auch habe ich niemals meinen BH oder Reizwäsche als Symbole patriarchalischer Unterdrückung öffentlich verbrannt. Das alles aber hat Susanne Matthiessen getan und in ihrem jüngst erschienenen Buch „Lass uns noch mal los“ Revue passieren lassen. Ihr ernüchterndes

Fazit: Fast 50 Jahre später sei das Ziel der Emanzipation und Gleichstellung immer noch nicht erreicht. Es habe sich einiges, aber längst noch nicht genug geändert. Doch anstelle Frust zu schieben, empfiehlt die Autorin und Journalistin, angesichts der vielfältigen Krisen in dieser Welt diesen alten Kampfgeist wieder aufleben zu lassen, daher auch der Titel: „Lass uns wieder los!“

Poesiealbumsprüche

Mit großer Begeisterung habe ich dieses Buch gelesen, das ich wärmsten empfehlen kann. Schmunzeln musste ich über die alten Poesiealbumsprüche, die Susanne Matthiessen in ihr Buch gestreut hat. „Mensch, so ein Poesiealbum habe ich doch auch noch“, fiel mir da ein und ich begann, in meiner Erinnerungskiste zu kramen, aus der ich schnell das quadratische Album mit dem textilen, rot-grün-karierten Einband fischte.

Zeitgeist der 1970-er

Und da schlug mir auch schon der Zeitgeist der 1970-er mit der damals verbreiteten Erwartungshaltung an die weibliche Rolle krass entgegen: „Suche das Glück nicht zu weit, denn es liegt in der Häuslichkeit“, hatte mir beispielsweise Andrea B. ins Buch geschrieben. „Sei brav wie ein Engel, dann hat man Dich lieb, und denk an den Bengel, der Dir das schrieb“, verewigte sich meine Klassenkameradin Sabine T. Eine andere empfahl: „Sei Deiner Eltern Freude, beglücke sie durch Fleiß, dann erntest Du im Alter, dafür den höchsten Preis“.

Nur eine einzige Mitschülerin schien schon damals der Zeit weit voraus zu sein, schrieb sie mir doch die Zeilen: „Sei so schlau, werde niemals Ehefrau. Vor der Ehe pflückst Du Rosen, nach der Ehe stopfst Du Hosen!“ – Würde zu gerne wissen, was aus ihr geworden ist …

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