StartDorstenMenschenNachgefragt! Tobias Stockhoff und seine "Feldapotheke"

Nachgefragt! Tobias Stockhoff und seine „Feldapotheke“

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Es gibt Traditionen, die das Herz einer Stadt prägen und ihren Bürgermeister in einem besonderen Licht erscheinen lassen.

Die Schützenfeste in der Stadt Dorsten sind nicht nur eine traditionsreiche Veranstaltung, sondern auch ein fester Bestandteil im Terminkalender des Bürgermeisters Tobias Stockhoff. Es ist längst zur Gewohnheit geworden, dass Tobias Stockhoff als Generalapotheker mit seiner „Feldapotheke“ die Paraden besucht und den Schützen sowie den Besuchern eine besondere Stärkung für den Tag bietet.

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Schnäpschen und Wassereis für die Kinder

Mit einem humorvollen Augenzwinkern schenkt er den Teilnehmern gerne ein Schnäpschen aus, um ihre Energiereserven aufzufüllen. Auch die Kinder werden nicht vergessen und dürfen sich über köstliches Wassereis freuen.

Dieses liebenswerte Ritual hat stets Begeisterung bei den Schützen und den Paradebesuchern ausgelöst. Allerdings hat es in einer kürzlichen Ratssitzung Kritik hervorgerufen. Um Klarheit und Aufklärung zu schaffen, hat das Team von Dorsten-Online dem Bürgermeister einige Fragen zu diesem Thema gestellt, um herzauszufinden, wie Tobias Stockhoff die Kritik wahrnimmt und ob er Änderungen in Betracht zieht.

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Generalapotheker Tobias Stockhoff. Foto: Petra Bosse

Wie kam es dazu, dass die Feldapotheke überhaupt Thema der Ratssitzung war?

Die Fraktion feat Die Linke hatte einen in Teilen satirischen Antrag gestellt, dass Dorsten beim Thema „Cannabis“ doch Modellstadt werden solle. Die Grünen wollen auf der einen Seite Zucker- und Fleischkonsum verbieten oder zumindest einschränken, den Cannabis-Konsum unter bestimmten Bedingungen jedoch legalisieren, wie ein Ratskollege die Absurdität der Debatte ausdrückte. Als Verwaltung haben wir das aufgrund ganz aktueller Warnungen und Empfehlungen von Kinder- und Jugendärzten abgelehnt. In dieser Fragestellung scheint sich Herr Hagemann eher im linken Spektrum seiner Partei wiederzufinden und wollte wahrscheinlich mit seiner Aussage politisch einfach nur mal zuspitzen.

Wie sehr trifft Sie ein solcher Vorwurf eines Ratsmitglieds?

Zunächst einmal glaube ich, dass der Ratskollege es nicht so kritisch gemeint hat, wie es rüberkam. Nicht immer gelingt jedoch Ironie. Wer als Ratsmitglied und Sozialrichter als Privatperson bei einer Rockband auf der Bühne steht – ich bin mir sicher, auf den Konzerten wird auch nicht nur Lindenblütentee und Wasser getrunken – der wird kaum etwas gegen einen Apothekerkittel und einen Schützenhut sagen können. Außerdem habe ich den Kollegen Hagemann schon auf ein Wassereis beim nächsten Schützenfest eingeladen, sofern er in der Öffentlichkeit lieber auf Alkohol verzichten will.

Bei Schützenfesten gibt es die Tradition auf die Menschen ungezwungenen zuzugehen. Eine Seltenheit in der heutigen Zeit?

Ich glaube nicht, dass dieser ungezwungene Austausch in Dorsten eine Seltenheit ist. Aber grundsätzlich nimmt er sicherlich in der Gesellschaft ab. Umso wichtiger ist der Austausch zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und dabei auch mal einfach mit dem Bürgermeister ein paar Worte wechseln oder ein Anliegen loswerden zu können. Jeder Besuch eines Schützenfestes, einer Sportveranstaltung oder eines Jubiläums ist gleichzeitig auch immer eine kleine Bürgersprechstunde.

Ihre Zeit als erster Bürger der Stadt Dorsten ist sehr stark beansprucht. Warum machen Sie das überhaupt? Oder auch Landrat Bodo Klimpel?

Zunächst einmal ist hier ganz einfach Dialog mit den Menschen möglich. Darüber hinaus bin ich mit dem Thema „Schützenfest“ aufgewachsen. Ein Schützenfest bringt Menschen aller Generationen und „Schichten“ zusammen und ist eine wichtige Klammer für einen Stadtteil und insbesondere für ein Dorf.

Kann es sein, dass Sie unter Langeweile leiden?

Das kann ich definitiv ausschließen (lacht). Gerade vor den Sommerferien ist mein Terminkalender besonders gut gefüllt. Neben den rund 40 bis 60 Stunden in der Woche als Verwaltungschef ist mir diese Zeit am Wochenende jedoch wichtig, um ansprechbar für die Bürgerschaft zu sein.

Wie gehen die Menschen auf Sie zu, wenn Sie als Generalapotheker unterwegs sind?  

Auch ohne „Medizin“ sorgen das Fahrrad und sicherlich auch der weiße Apothekerkittel für eine lockere Gesprächsatmosphäre. Die Leute scherzen und man kommt schnell ins Gespräch. Darüber hinaus wird so manch lustiger Spruch von beiden Seiten ausgetauscht.

Wie wichtig ist es, in unserer hektischen Zeit, mit Fake-News, Hass im Netz, Beleidigungen usw., die Menschen dort abzuholen, wo ihre Heimat, ihr zuhause, ihre Tradition ist?

Ich halte das für unerlässlich. Eine solche Gelegenheit bietet Kontaktaufnahme auf Augenhöhe. Außerdem kann man manche Dinge schnell und unkompliziert erklären. Und manchmal gibt es Menschen, für die ist ein Brief oder eine E-Mail eine große Hürde. Ich glaube, unsere Bürgernähe als Politikerinnen und Politiker in der Kommunalpolitik macht den positiven Unterschied zu so manchen Bundes- und Landespolitikern.

Fördern Sie damit den Alkoholismus oder animieren Sie Menschen zum Trinken?

Ich persönlich trinke sehr, sehr wenig Alkohol, da ich u. a. meistens selbst mit dem Auto unterwegs bin. Somit habe ich großes Verständnis dafür, wenn jemand einen Schnaps ablehnt. Darüber hinaus achten wir natürlich darauf, dass wir diejenigen, die schon das eine oder andere Bierchen zu viel hatten, bei unserer Ansprache aussparen. Für Kinder und Menschen wie die Musikerinnen und Musiker, die sehr oft aufgrund der großen körperlichen Anstrengungen auf Alkohol verzichten, haben wir auch Wassereis dabei.

Lassen Sie sich von dieser Aussage eines grünen Ratsherren davon abhalten, zukünftig mit der Feldapotheke unterwegs zu sein?

Nein, ganz sicher nicht (lacht). Ich glaube auch nicht, dass das Mauritz Hagemann erreichen wollte. Die Feldapotheke ist inzwischen ein Markenzeichen in Dorsten geworden und wurde schon bis Münster ausgeliehen. Ich bin mir sicher, die Menschen können in Dorsten sehr fein zwischen dem Bürgermeister unterscheiden, der beim Schützengottesdienst, der Gedenkfeier für alle Opfer von Krieg, Terror, Hass und Gewalt und beim Großen Zapfenstreich mit einem schwarzen Anzug teilnimmt und dem Bürgermeister, der in der Regel bei einem Schützenfestumzug als Feldapotheker dabei ist oder beim Kinderkarnevalsumzug in Holsterhausen in der Kleidung unserer Müllwerker mit dem Besenwagen. Ich würde einigen in der Politik raten, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Dann klappt es auch mit dem Dialog mit der Bürgerschaft besser und man bleibt geerdet.

Die Fragen stellte Petra Bosse

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