Die Urbanus-Apotheke in Rhade schließt Ende Oktober, da der Besitzer keinen Nachfolger gefunden hat. Das ist kein seltener Fall – bereits seit Jahren sinkt die Zahl der Apotheken in NRW immer weiter ab.
Der jetzige Besitzer Hubertus Lauer, der die Urbanus-Apotheke vor über 35 Jahren übernommen hatte, geht in den Ruhestand. Ein Nachfolger war trotz dreijähriger Suche nicht zu finden. Landapotheken haben beim potentiellen Nachwuchs keinen besonders guten Ruf. Zu wenige Kunden, dafür ungünstige Arbeitszeiten – das Problem teilen sie mit den Landärzten.
Viele Gemeinden in NRW haben nur noch eine einzige Apotheke
In NRW kennt man diese Schwierigkeiten. Im letzten Jahr hatte jede zehnte Kommune in Nordrhein-Westfalen nur noch eine Apotheke. In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl solcher Gemeinden mit nur einer Pharmazie um 52 Prozent gestiegen. Das geht auch aus einer aktuellen Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) hervor, die im Auftrag der beiden Apothekerkammern in NRW durchgeführt wurde.
Im Jahr 2022 gab es in NRW 41 Kommunen mit lediglich einer Apotheke, im Jahr 2012 waren es noch 27.
Apothekensterben in NRW setzt sich fort
Seit 2000 ist die Anzahl der Apotheken in NRW um 21 Prozent oder etwa 1.000 gesunken, insbesondere seit 2012. Die Schließungen betrafen in 52 Prozent der Fälle Großstädte und in nur 10 Prozent Kleinstädte. In ländlichen Gebieten waren Apothekenschließungen weniger auf Wettbewerb zurückzuführen, sondern eher auf Nachfolgeprobleme und geringere Kaufkraft oder Nachfrage.
Die meisten Apothekenverluste zwischen 2012 und 2022 wurden in Essen (-37), Köln (-34), Recklinghausen (-29), Dortmund und dem Rhein-Erft-Kreis (jeweils -27) verzeichnet. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Apotheken war der Verlust in Hagen am höchsten, wo die Stadt ein Drittel ihrer Apotheken verlor (-16). Im Durchschnitt versorgt jede der 3.819 Apotheken in NRW 4.694 Einwohner.
Die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Regina Overwiening, stellte fest, dass das Apothekennetz in NRW derzeit noch stabil sei. „Es zeigen sich aber zunehmend einzelne schwächer versorgte Gebiete gerade in ländlichen beziehungsweise strukturschwachen Regionen“, betont Overwiening. Mit den Herausforderungen von Apotheken in ländlichen Gebieten kennt sich die gebürtige Rekenerin übrigens auch aus eigener Erfahrung aus. Neben ihrer Tätigkeit als Präsidentin ist sie Inhaberin der Apotheke am Bahnhof in Reken.
Apotheken sind wichtige Grundpfeiler der örtlichen Versorgung
Die Studie ergab, dass die Bevölkerung von Apotheken vielfältige Dienstleistungen erwartet, darunter Rezepte, Rezepturen, Akutversorgung, Beratung, Nacht- und Notdienste sowie Liefer- und Botendienste. Besonders in Gebieten mit Ärztemangel steigt die Bedeutung von Apotheken für die Grundversorgung im Gesundheitswesen, einschließlich Impfangeboten und Gesundheitstests.
91 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Apotheken weiterhin als leicht erreichbare Ansprechpartner und Wegweiser im Gesundheitswesen erhalten bleiben. Ebenso viele betonen die Bedeutung eines dichten Apothekennetzes. Die Forscher empfehlen, das Image der Apotheken als regionale Grundversorger zu stärken und zu überlegen, ob sie zusätzliche Aufgaben gegen angemessene Vergütung übernehmen könnten.




























