Der Herbst steht vor der Tür. An einem der verbleibenden schönen Tage in diesem Jahr haben wir die Biologische Station Lembeck besucht. Zusammen mit Georg Tenger und Jan Schrieverhoff besuchten wir den klassisch angelegten Bauerngarten. Dazu schauen wir uns auch an, wie wir den Garten ökologisch im Herbst fit für den Winter bekommen.
Die Biologische Station Lembeck befindet sich auf dem Hof Punsmann, der sich dazu mitten im Naturpark Hohe Mark befindet. Das ehemalige Bauerngut blickt auf eine 500 Jahre alte landwirtschaftliche Nutzung zurück. Ende 1994 wurde der Hof dann zur Heimat der heutigen Biologischen Station. Mittlerweile sind es zehn Beschäftigte, die sich um alle Belange kümmern. Im Haupthaus des Hofs treffen wir Georg Tenger in seinem Büro.

Hauptaufgaben der Biologischen Station
Georg Tenger ist dabei Geschäftsführer und verantwortlich für die Umweltbildung in der Biologische Station Lembeck. Im Gespräch verrät er die drei Hauptaufgaben der Station. „Datenerhebung, praktischer Naturschutz und Umweltbildung sind unsere Kernkompetenzen“ zählt Tenger auf und fügt hinzu, dass die Station für die gesamte Fläche des Kreises Recklinghausen zuständig ist. Doch der fachliche Blick geht über die Grenzen des Kreises hinaus. Bei wandernden Tierarten wie dem Fischotter arbeitet das Team mit benachbarten Biologischen Stationen und Naturschutzeinrichtungen eng zusammen.

Tenger gibt immer wieder Einblicke aus der Praxis in seine Arbeit. „Nicht immer ist es einfach“, gibt Tenger zu bedenken. So führt er etwa aus, wie wichtig es sei, die verschiedenen Akteure unter einen Hut zu bekommen. Ein aktuelles Problem sei der Wolf und Nutztierschäden, die durch ihn entstehen. Diese Problematik zeigt die Komplexität der Aufgaben der Biologischen Station.
Die sechs Hauptaufgabenbereiche
- Umweltbildung: Die Station strebt an, Menschen für die Natur zu begeistern und ihnen dann ein tiefes Verständnis für ökologische und kulturhistorische Zusammenhänge zu vermitteln. Sie bietet Umweltpädagogik, Veranstaltungen, Exkursionen und Fortbildungen an.
- Bestandserfassungen: Die Station führt Inventuren in der Natur durch, um den Zustand von Ökosystemen zu erfassen und zu bewerten. Dies dient der Grundlage für Maßnahmen zur Verbesserung und dem Monitoring zur Überwachung der Entwicklung.
- Artenschutzprojekte: Die Station engagiert sich aktiv für den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten in ihrer Region. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Fischotter, Uhu und Hirschkäfer sowie der Dokumentation von Wolfssichtungen und Nutztierschäden.
- Kulturlandschaftspflege: Die Station setzt sich für den Erhalt traditioneller Nutzungsformen wie Weiden und Streuobstwiesen ein, die wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen. Sie führt Bestandserhebungen durch und bietet Beratung an.
- Naturlandschaftsentwicklung: Die Station strebt die Entwicklung von naturnahen Landschaften an und betreut Naturentwicklungsgebiete. In diesen Gebieten werden die Prozesse wie Einflüsse von Pflanzen, Tieren und natürlichen Kräften ermöglicht und gefördert.
- Praktischer Naturschutz: Die Station führt praktische Naturschutzmaßnahmen durch, die oft Handarbeit erfordern, um die Natur zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies kann die Bekämpfung invasiver Pflanzen oder die Pflege von Biotopen einschließen.

Raus in den Garten der Station
Nach dem Gespräch im Büro geht es ins Freie. Nach einem kurzen Gang um das Haus betreten wir den Bauerngarten der Biologischen Station Lembeck. Direkt am Wanderweg „Hohe Mark Steig“ gelegen, lädt der Garten zur Rast ein. Um das Schmuckkästchen der Station kümmert sich Jan Schrieverhoff.

Schrieverhoff ist 1952 in Borken geboren und Lehrer im Ruhestand. Seit acht Jahren pflegt er den Garten im Ehrenamt. Beim Schlendern durch die Grünfläche spürt man seine Leidenschaft sofort. Eifrig erklärt er jede Pflanze und zupft währenddessen noch Unkraut, was im Weg ist.
Der Bauerngarten ist dabei umgeben von einem Staketenzaun und der Eingang führt, wie es sich gehört, durch einen Rosenbogen. „Ein Zaun mit Tor muss sein“, sagt Schrieverhoff lächelnd. Er erklärt, dass ihn sonst die Hasen tatsächlich das ganze Gemüse klauen.

Tipps für den Garten im Herbst
Schrieverhoff, der leidenschaftliche Gärtner und Pfleger des Bauerngartens in der Biologischen Station Lembeck, teilt gerne sein Wissen über ökologische Gartenarbeit im Herbst. Er betont, dass der Herbst eine entscheidende Zeit ist, um den Garten auf die Wintermonate vorzubereiten und gleichzeitig die ökologische Vielfalt zu fördern.

Hier sind einige seiner wertvollen Tipps:
1. Laub nicht entfernen, sondern nutzen: Im Herbst fällt eine Menge Laub von den Bäumen. Anstatt es einfach zu entsorgen, kann man es als wertvolle Ressource nutzen. Laubhaufen bieten Verstecke für nützliche Insekten und Kleintiere. Sie schaffen auch eine isolierende Schicht, die Pflanzen vor Kälte schützt. Über die Wintermonate verrottet das Laub und liefert wertvollen Kompost für den Frühling.
2. Herbstschnitt mit Bedacht: Ein leichter Rückschnitt von Stauden und Sträuchern kann im Herbst vorgenommen werden. Um damit das Wachstum anzuregen und die Pflanzen gesund zu halten. Dabei unbedingt drauf achten das Nistplätze für Vögel und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten erhalten bleiben. Einige Pflanzen sollten erst im Frühjahr geschnitten werden, um so Schutz für Insekten und Nützlinge zu bieten.
3. Nahrung für Vögel und Insekten: Viele Pflanzen tragen im Herbst Früchte, die Vögel anziehen. Diese sollten stehen gelassen werden bis die Vögel sie gefressen haben. Blühende Pflanzen wie Astern und Herbstzeitlose können als Nahrungsquelle für Insekten dienen und sollten nicht zu früh zurückgeschnitten werden.
4. Frühjahrsblüher pflanzen: Den Herbst können Gartenbesitzer nutzen, um Frühjahrsblüher wie Tulpen, Narzissen und Krokusse zu pflanzen. Diese Pflanzen sorgen im nächsten Jahr für einen bunten und bienenfreundlichen Garten.
5. Mulchen und Kompostieren: Im Herbst kann man dünnen organischen Mulch um Pflanzen herum verteilen. Der Boden wird dadurch geschützt und die Feuchtigkeit bleibt besser im Boden. Im Herbst sollte man Komposthaufen anlegen oder bestehende Haufen umsetzen. Der nützliche Kompost wird dann im nächsten Jahr eine wertvolle Bereicherung für den Garten sein.

Harmonisch und nachhaltig
Schrieverhoff betont, dass ökologisches Gärtnern im Herbst nicht nur dazu beiträgt, die Natur zu schützen, sondern auch einen gesunden und blühenden Garten im Frühling ermöglicht. Indem wir die Bedürfnisse von Tieren und Pflanzen berücksichtigen, können wir eine harmonische und nachhaltige Gartenumgebung schaffen.
Tomatenzüchtung BVB-Rakete
Etwas ganz Spezielles ist für Schrieverhoff seine eigene Tomatenzüchtung, die eher zufällig entstanden ist. „Die Kreuzung war plötzlich da“, erklärt er. Die gelbe und schwarze Farbgebung veranlasste den Borussiafan dazu, seine Tomatenzüchtung „BVB-Rakete“ zu taufen.
Und diese schlägt schon erste Wellen: Koch Björn Freitag besuchte Schrieverhoff wegen seinen Tomaten, um diese seinem Kollegen Frank Buchholz in der WDR Sendung „Lecker an Bord“ zu präsentieren. So könnte es schließlich passieren, dass die Tomaten in Zukunft am Stadion in Dortmund wachsen und so richtig gewürdigt werden. Informationen zur Sendung findet ihr hier: Lecker an Bord

Die Biologische Station Lembeck hat sich in über 20 Jahren richtigerweise als Vorreiter im Umweltschutz bewährt. Mit großem Engagement und erfolgreichen Projekten hat sie die heimische Natur geschützt und das Umweltbewusstsein in der Gemeinschaft gestärkt. Sie ist eine wichtige Institution im Kreis Recklinghausen. Ein Besuch in diesem grünen Paradies lohnt sich, um einen Einblick in die wertvolle Arbeit der Station zu erhalten und vielleicht auch den ein oder anderen Garten-Tipp zu erhaschen.
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