In der besinnlichen Weihnachtszeit begegnen uns oft Geschichten, die unser Herz berühren und zum Nachdenken anregen. Eine solche Geschichte, die ich, Anke Klapsing-Reich, selbst erlebt habe, hat mich besonders bewegt und passt wunderbar in die festliche Atmosphäre dieser Zeit.
Es ist eine authentische Begebenheit, die nicht nur die Magie von Weihnachten einfängt, sondern auch tiefe menschliche Emotionen und Werte spiegelt.
Aufwühlende Begegnung
Diese traurigen Augen, der leere Blick – das Bild habe sich auf ihrer Netzhaut eingebrannt, sagt die Kollegin, und dann erzählt sie die Geschichte von der jungen Frau, die sie im Parkhaus am Rande der Dorstener Fußgängerzone traf.
Es war ein bitterkalter Novembertag, als sie am frühen Morgen dort ihren Wagen abstellte, um zur Arbeit zu gehen. Beinahe hätte sie die reglos in einer Ecke kauernde Gestalt gar nicht bemerkt. Einige Stunden später nach Dienstschluss hockte die junge Frau immer noch am selben Platz; auf ihrer durchnässten Schmuddeldecke, ohne Jacke, im viel zu dünnen Kapuzen-Hoodie.
Blick ins Leere
„Ist Ihnen kalt?“, fragte meine Kollegin. Die Frau schüttelte wortlos den Kopf. Ob sie keinen anderen Ort habe, an den sie gehen könne. „Doch“, antwortete die Frau, „in den Vorraum der Bank.“ Auf die Anregung, dass sie sicherlich bei der Caritas, deren Haus ja nur wenige Meter entfernt liege, Hilfe finden könne, reagierte die junge Frau nicht. Sie starrte mit hoffnungslosem Blick ins Leere und verstummte.
Zu Hause angekommen, kochte meine Kollegin Nudelsuppe für ihre Kinder, die kurz darauf hungrig aus der Schule an den Mittagstisch zurückkehrten. Wie froh sie war, dass die Beiden wohlbehütet in einem liebevollen Elternhaus aufwachsen konnten. Wie mochte die Kindheit der verwahrlosten Frau wohl ausgesehen haben? Was hatte sie erlebt, wie und warum war sie aus der Bahn gekippt, an diesem trostlosen Ort gestrandet? Wie viele waren achtlos oder beschämt an ihr vorbeigeeilt? „Mama, lass uns hinfahren und der Frau auch einen Teller Suppe bringen“, schlug ihr Sohn vor.
Das taten sie. Mit einer trockenen warmen Decke im Gepäck und heißer Suppe im Einweggeschirr fuhren sie wieder zum Parkhaus. Teilnahmslos nahm die junge Frau die Decke und Suppe mit einem flüchtigen Danke entgegen.
Am nächsten Tag ist die junge Frau nicht mehr da. Nur der unberührte Teller mit der erkalteten Nudelsuppe steht an ihrem Platz. Die Decke liegt zusammengerollt auf der Sitzgelegenheit der überdachten Bushaltestelle vor dem Parkhaus.
„Vielleicht hat sie die Decke dort deponiert, damit sie etwas Warmes hat, wenn sie wiederkommt“, sagt meine Kollegin, und ein Hauch von Hoffnung weht über ihr Gesicht.
Ja, so wird es sein. Bestimmt.




























