Wetterextreme, sei es in Form von Starkregen oder Hitzewellen, nehmen aufgrund des Klimawandels zu. Innerhalb der Städte spielt Regenwasser eine entscheidende Rolle bei der Anpassung an diese veränderten Bedingungen. Die Zukunftsinitiative Klima.Werk will die Städte dafür vorbereiten. Sie freut sich nun über die Stadt Dorsten als neues Mitglied.
Die Bewohner der Städte in der Region erleben es deutlich. Sommer werden heißer, es regnet entweder wenig bis gar nicht über einen längeren Zeitraum, oder es fällt sehr intensiver Niederschlag in kurzer Zeit. Starkregen, Trockenheit und Hitzewellen sind direkte Auswirkungen des Klimawandels. Professor Uli Paetzel betont: „Selbst wenn es uns als globale Gemeinschaft gelingen sollte, die Klimaschutzziele zu erreichen – was sehr unsicher ist –, müssen wir unsere Infrastrukturen auf jeden Fall anpassen.“ Häufigeres Extremwetter sei „eine unumkehrbare Konsequenz“, so der Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband.

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk setzt sich gemeinsam mit Kommunen und Wasserwirtschaftsverbänden für den Umbau der Region ein. Dabei nimmt sie öffentliche und private Flächen in den Blick. Dieser Umbau berücksichtigt Stadtplanung und Wasserwirtschaft gleichermaßen. So will man nicht nur den Schutz vor Überflutungen gewährleisten, sondern auch die Auswirkungen des Klimawandels mildern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die bewusste Nutzung von Regenwasser.
Stadt Dorsten ist nun offizielles Mitglied
Die Stadt Dorsten ist bereits länger im Netzwerk aktiv und wurde nun offiziell als Mitglied aufgenommen. Bürgermeister Tobias Stockhoff betont, dass die Mitgliedschaft in der Klima.Werk-Familie bedeutet, Teil eines starken Verbunds für eine bedeutende Aufgabe zu sein. Die Stadt Dorsten bringt nicht nur ihr eigenes Wissen, sondern auch aktive Beteiligung an gemeinsamen Lösungsansätzen und Projekten in das Netzwerk ein.
Umbau zur Schwammstadt
Im Fokus der Maßnahmen von Klima.Werk steht der wasserbewusste Umbau der Stadt, auch bekannt als Umbau zur Schwammstadt. Hierbei spielt Regenwasser eine zentrale Rolle. Es wird nicht mehr sofort in die Kanalisation und Kläranlage abgeleitet, sondern vor Ort gespeichert, aufgefangen oder versickert. Diese naturnahe Regenwasserbewirtschaftung stärkt den natürlichen Wasserkreislauf. Zudem fördert sie Grundwasser und Gewässer und trägt zur Kühlung der Lufttemperatur sowie zur Bewässerung von Pflanzen bei.
Die Schaffung von mehr Speicherkapazitäten und Ablaufflächen für Niederschlag reduziert das Gefährdungspotenzial von Starkregen. Zusätzlich sorgen mehr Grünflächen für eine verbesserte Kühlung und Frischluftzufuhr. Verschiedene bauliche Maßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünungen, Abkopplung der Niederschlagsentwässerung von der Kanalisation, Entsiegelung von Flächen und der Bau unterirdischer Speicher werden dafür benötigt.
In Wulfen ist die Schwammstadt schon Realität
Die Stadt Dorsten präsentiert bereits Beispiele für diese Maßnahmen. So etwa die Wohnsiedlung Bückelsberg in Wulfen. Hier leitet ein Trennsystem des Regenwasser ab. Dabei führt man das Wasser entweder ins Gewässer oder versickert es in zentralen Mulden.

Beim Betreten des Wohngebiets könnte einem die großflächige, sanft abfallende Wiese im südlichen Teil des Geländes auffallen. Doch dieses Gebiet ist mehr als nur eine Wiese – es handelt sich um eine Versickerungsmulde. Ähnlich wie die offenen Rinnen ist sie ein deutliches Anzeichen dafür, dass hier das wertvolle Regenwasser nicht mit Schmutzwasser in die Kanalisation gelangt und unnötigerweise behandelt wird.
Die Stadt Dorsten hat hier eine Planung mit einem Trennsystem für das Wohngebiet umgesetzt und konsequent das Prinzip der Schwammstadt verfolgt. Das bedeutet, dass die Entwässerung des Niederschlags durch Versickerung, Verdunstung und ein separates Rohrsystem für Regenwasser erfolgt, während das Schmutzwasser zur Kläranlage Wulfen geleitet wird.

Zukunftsinitiative Klima.Werk
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk, bestehend aus Emschergenossenschaft und Lippeverband, arbeitet gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung. Ihr Ziel ist es, die Folgen des Klimawandels zu mildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu erhöhen. Ursprünglich startete sie als Zukunftsvereinbarung Regenwasser im Jahr 2005, entwickelte sie sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter und trägt heute den Namen Klima.Werk.
Unter diesem Dach wird ein Projekt des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Bis 2030 sollen etwa 250 Millionen Euro in den klimafesten Wandel investiert werden. 25 Prozent der befestigten Flächen werden dabei in ausgewiesenen Gebieten abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden sollen.
Weitere Informationen, auch zur Förderung von Projekten, finden Sie unter www.klima-werk.de.




























