Die Luft flimmerte bei 34 Grad, als am vergangenen Sonntag Hunderte Liebhaber amerikanischer Fahrzeuge das Gelände rund um die ehemalige Zeche Fürst Leopold bevölkerten. Wo einst Kumpel unter Tage schufteten, knatterten beim US Car Treffen V8-Motoren und blitzten Chromstoßstangen in der Sonne.
Das US-Car-Treffen im heutigen CreativQuartier Fürst Leopold hat sich längst zu einem festen Termin für Autofans entwickelt. Ob Hot Rods aus den 1930er Jahren oder moderne Muscle Cars – vertreten war alles, was das Herz von Americana-Fans höherschlagen lässt.

Geschichten auf vier Rädern
Zwei Freunde aus Essen hatten ihre Schätze mitgebracht: Beide besitzen Chevrolets aus den 1970er Jahren – echte Klassiker. Der eine holte seinen ’71er Chevrolet Nova persönlich in Rotterdam vom Hafen ab, nachdem er ihn aus den USA importiert hatte. „Das war erst der Anfang“, sagt er. Über Jahre hinweg hat er das Auto mit viel Hingabe restauriert – eine Arbeit, die sich gelohnt hat.

Sein Kumpel zeigt stolz seine aufgemotzte Chevelle, bei der ein massiver Roots-Kompressor – ein klassischer Supercharger – aus der Motorhaube ragt. „So ein Auto ist wie der Kölner Dom“, sagt er lachend, „es ist eigentlich nie fertig gebaut.“

Stil und Leidenschaft beim US Car Treffen
Auch der Stil kam beim US Car Treffen nicht zu kurz. Drei Freundinnen mit Fahrzeugen aus den 60er Jahren waren stilecht in Petticoats, Sonnenbrillen und Haarbändern unterwegs. Eine von ihnen erzählte begeistert von ihrem rosanen Mercury Comet. Der Wagen sei einmal ein Geschenk eines Vaters gewesen, der ihn einst in einer Speziallackierung für seine Tochter anfertigen ließ. „Mein Baby“, nennt sie ihn liebevoll. Ein absoluter Traumwagen – und ein echter Blickfang auf dem Platz.

Vielfalt aus Detroit und darüber hinaus
Neben Klassikern von Chevrolet, Ford, Buick, Cadillac und Jeep waren auch außergewöhnlichere Fahrzeuge zu sehen: Umgebaute Polizeiautos, ausrangierte Militärfahrzeuge, alte US-Postwagen und sogar ein Leichenwagen zogen die Blicke auf sich.

Ein Besucher aus Haltern kam mit einem bulligen Chevrolet-Pickup aus den 80ern. Er liebt den Sound seines V8-Motors – „das ist kein Auto, das ist ein Lebensgefühl“ – und sieht seinen Oldtimer als Hobby, das Kraft gibt und entschleunigt.

Besonderes Aufsehen erregten zwei historische Armeefahrzeuge: Ein M925A2-Truck mit „German Rednecks“-Aufkleber und ein Humvee, beide in klassischer Woodland-Tarnung. Der M925A2, ursprünglich für den militärischen Einsatz gebaut, ist ein schwerer 5-Tonnen-Truck aus der M939-Serie – robust, laut und imposant. Auch er fand viele neugierige Blicke und fachkundige Fragen.

Auf Leopold ist ein Treffpunkt, der verbindet
Das US-Car-Treffen ist kein offizielles Event, sondern ein offenes Kommen und Gehen. Es lebt von der Leidenschaft der Fahrer, dem Austausch unter Gleichgesinnten – und der besonderen Kulisse des ehemaligen Zechengeländes. Die Atmosphäre war entspannt, die Gespräche herzlich, das Benzin-Gespräch allgegenwärtig.

Ob als Besucher oder Teilnehmer: Wer einmal da war, merkt schnell – hier geht es nicht nur um Autos, sondern um Geschichten, Gemeinschaft und ein bisschen American Dream mitten im Ruhrgebiet.



































