Das Jüdische Museum Westfalen setzt gegen steigenden Antisemitismus mit einem Workshop für Polizeibeamte ein Zeichen gegen diese Entwicklung. Eine aktuelle Evaluation bestätigt die Wirksamkeit des Projekts: Die Teilnehmer zeigten sich sensibilisiert und gut informiert über jüdisches Leben und Antisemitismus.
Gewalt gegen Jüdinnen und Juden in NRW nimmt weiter zu
Die Zahl antisemitischer Angriffe in Nordrhein-Westfalen steigt weiter an. 2024 wurden laut RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus) insgesamt 940 Vorfälle dokumentiert – darunter 18 Fälle körperlicher Gewalt, 61 gezielte Sachbeschädigungen und 549 Fälle diskriminierenden Verhaltens. Besonders häufig geschehen die Taten in der Öffentlichkeit, etwa auf der Straße, in Bussen oder an Gedenkorten. Alexander Sperling vom Landesverband der jüdischen Gemeinden in Westfalen-Lippe findet deutliche Worte: „Unbeschwertes jüdisches Leben ist fast nur noch in geschützten Räumen möglich.“

Präventionsprojekt im Jüdischen Museum Westfalen
Um dem entgegenzuwirken, bietet das Jüdische Museum Westfalen seit mehreren Jahren Workshops für Polizeibeamte an. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für jüdisches Leben zu schaffen und das Bewusstsein für Antisemitismus zu schärfen.
Am Freitag wurde in den Räumen des Museums die Evaluation des Projekts vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen unter anderem Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff, die Recklinghausener Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen sowie Einsatzkräfte aus Recklinghausen, Coesfeld und Dortmund teil.
RIAS-Daten zeigen Handlungsbedarf
Museumleiterin Dr. Kathrin Pieren betonte in ihrer Einführung: „101 Gedenkorte wurden gezielt angegriffen. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig Antisemitismusprävention ist.“ Die Zahlen seien ein deutlicher Hinweis auf die Zunahme antisemitischer Gewalt – allein im Vergleich zum Vorjahr sei ein Anstieg von über 40 Prozent verzeichnet worden.

Projektidee: Polizisten wollten verstehen, was sie schützen
Die Idee für das Projekt entstand vor zwei Jahren, als verstärkt Polizeikräfte das Museum besuchten. “Wir haben viele Anfragen von Polizisten bekommen, die das Museum besuchen wollten. Sie wollten wissen, was sie eigentlich hier beschützen. Das war der Ausgang für die Projektidee. Das Projekt soll Jüdisches Leben vermitteln und zeigen, wie man Antisemitismus erkennt”, erklärt die Projektleiterin Anja Mausbach.
Workshop mit fünf Modulen – Theorie, Reflexion und Praxis
Der eintägige Workshop dauerte rund vier Stunden und bestand aus fünf Modulen:
- Reflexion: Eigene Vorstellungen vom Judentum und persönliche Assoziationen.
- Kurzfilm „Hast du keine Angst?“: Betroffene berichten über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus.
- Führung durch die Dauerausstellung: Einblick in jüdisches Leben und Traditionen.
- Vortrag zur Geschichte des Antisemitismus.
- Bewertung von Fallbeispielen: Die Teilnehmer sollten antisemitische Aussagen erkennen und deren strafrechtliche Relevanz einschätzen.

Positive Rückmeldungen – mehr Sicherheit im Umgang mit Antisemitismus
Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus. Die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Funk, die das Projekt evaluierte, sagte: „58 Prozent aller Teilnehmer stimmen zu, dass Judenfeindschaft in Deutschland ein besorgniserregendes Problem ist. Der Workshop konnte nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch demokratische Resilienz stärken.“
Insgesamt bewerteten 61 Prozent der Teilnehmenden den Workshop mit der Schulnote „2“, weitere 28 Prozent vergaben eine „1“. Besonders positiv wurde der hohe Praxisbezug und der gezeigte Kurzfilm hervorgehoben.




























