StartStadtteileAltstadtDorsten diskutiert: Strategien gegen Rechtspopulismus

Dorsten diskutiert: Strategien gegen Rechtspopulismus

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Mitglieder des Bündnis "Dorsten gegen Rechts" mit Dr. Frank Hiddemann. Foto: Alexander Fichtner

Am vergangenen Samstagvormittag füllte sich der Treffpunkt Altstadt in Dorsten mit Stimmen, die sonst selten im gleichen Raum zu hören sind. Das Bündnis Dorsten gegen Rechts hatte zum Workshop mit dem Politikwissenschaftler Dr. Hiddemann geladen. Thema: „Mit Rechtspopulisten streiten – Strategien gegen Demokratiefeindlichkeit“.

Die Atmosphäre war konzentriert, aber offen. In der Vorstellungsrunde teilten die Teilnehmenden persönliche Erfahrungen – von hitzigen Debatten am Gartenzaun bis zu frostigen Begegnungen im Familienkreis. Es wurde schnell deutlich: Die Bruchlinien ziehen sich nicht nur durch Politik und Medien, sondern mitten durch Freundeskreise, Nachbarschaften und sogar Familien.

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Der Referent

Pfarrer Dr. Frank Hiddemann gilt als Kenner der politischen Gesprächskultur – und als jemand, der weder Schärfe noch Humor scheut, wenn es darum geht, demokratische Werte zu verteidigen. Der Politikwissenschaftler hat in den letzten Jahren zahlreiche Formate entwickelt, die Menschen befähigen, rechtspopulistische Argumentationsmuster zu erkennen und ihnen wirksam zu begegnen. Seine Stärke liegt in der Verbindung von wissenschaftlicher Präzision und praktischer Alltagstauglichkeit: Er erklärt, wie populistische Rhetorik funktioniert, und zeigt zugleich, wie man mit klarer, ruhiger Sprache den Dialog zurückerobern kann. In Dorsten gelang es ihm, Theorie und Praxis so zu verknüpfen, dass selbst komplexe Analysen greifbar wurden – und manchmal ein Lächeln im Raum aufblitzte.

Workshop in Dorsten

Dr. Hiddemann eröffnete den Workshop in Dorsten mit einem Impulsvortrag, der zwischen Analyse und praxisnahen Hinweisen pendelte. Er zeichnete nach, wie Rechtspopulisten gezielt gesellschaftliche Spaltungen ausnutzen und welche rhetorischen Kniffe dabei besonders wirksam sind. Dazu gab es Literaturempfehlungen – vom Soziologen Antonio Gramsci bis zu aktuellen Studien über digitale Echokammern.

Im dritten Teil wurde es praktisch: In Kleingruppen entwarfen die Teilnehmenden Kommunikationskonzepte für ihr persönliches Umfeld oder für Veranstaltungen. Wie reagiert man, wenn am Stammtisch die Stimmung kippt? Was tun, wenn im Verein plötzlich rassistische Sprüche fallen? Die Ideen reichten von gezielten Nachfragen, um Parolen ins Leere laufen zu lassen, bis hin zu klaren, kurzen Gegenargumenten, die im Gedächtnis bleiben. Zum Abschluss wurden die Gruppenarbeiten in Dorsten vorgestellt.

Abschlussplädoyer:

„Demokratie lebt vom Streit – aber einem Streit, der Regeln kennt. Rechtspopulismus gedeiht dort, wo wir schweigen. Wer widerspricht, hält die Türen der offenen Gesellschaft auf. Das erfordert Mut, manchmal auch Geduld, und oft schlicht die Bereitschaft, das Gespräch nicht den Lautesten zu überlassen. Die kulturelle Hegemonie wird nicht in Talkshows zurückgewonnen, sondern im Alltag – am Gartenzaun, im Vereinsheim, auf der Familienfeier. Heute haben wir dafür Werkzeuge bekommen. Jetzt liegt es an uns, sie zu benutzen.“

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