In Dorsten arbeiten seit Beginn des Jahres rund 30 Menschen aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam an einem Ziel: der Entwicklung einer Leitlinie für die Bürgerkommune Dorsten. Dieses Dokument soll künftig verbindlich regeln, wie Bürgerinnen und Bürger in städtische Entscheidungen einbezogen werden. Es soll allen Beteiligten Orientierung geben und für mehr Transparenz sorgen.
Den Anstoß gab ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2019. Bürgermeister Tobias Stockhoff betont, dass der Prozess kein Selbstzweck sei. „Wir wollen Bürgerbeteiligung nicht dem Zufall überlassen. Die Leitlinie schafft Verlässlichkeit, Klarheit und ein gemeinsames Verständnis darüber, wie wir das Engagement unserer Bürgerinnen und Bürger am besten einbinden“, sagt er.
Dorsten geht bei Bürgerbeteiligung einen eigenen Weg
Dorsten geht dabei einen besonderen Weg. Während viele Städte zunächst eine Leitlinie schreiben und diese dann vorstellen, sammelte Dorsten bereits im Vorfeld praktische Erfahrungen. So gab es schon Stadtteilkonferenzen, Spielplatzplanungen und Ehrenamtsprojekte mit Bürgerbeteiligung. Nun sollen diese Erfahrungen gebündelt und dauerhaft verankert werden.
Die Arbeitsgruppe besteht aus jeweils zehn Vertreterinnen und Vertretern aus Bürgerschaft, Politik und Verwaltung. Sie wurden in einem transparenten Verfahren ausgewählt, das auf Vielfalt und Fachkenntnis achtet.
Der Moderator Joachim Thiehoff lobt die Zusammenarbeit. „Die Gruppe arbeitet sehr konstruktiv zusammen. Alle sind bereit, sich für diese Leitlinie einzusetzen.“ Auch Barbara Simon aus der Politik hebt die wertschätzende Atmosphäre hervor.
Bürgerinnen und Bürger bringen eigene Perspektiven ein. So möchte die Ehrenamtspreisträgerin Alina Haarnagell dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche stärker berücksichtigt werden. Frank Hesse aus der Altstadtkonferenz berichtet von einer positiven Entwicklung innerhalb der Gruppe. „Am Anfang war es für viele ungewohnt. Inzwischen ist ein richtiges Team entstanden.“
Von der Theorie in den Alltag
Rieke Kolocek aus der Stadtverwaltung betont, dass das Ergebnis alltagstauglich sein muss. Geplant sind unter anderem eine stets aktuelle Vorhabenliste, eine übersichtliche Projektkarte, klar definierte Beteiligungsformate und verbindliche Verfahren, mit denen Bürger Beteiligung anregen können.
Bürgermeister Stockhoff weist zugleich darauf hin, dass Beteiligung nicht in allen Fällen uneingeschränkt möglich ist. Rechtliche, finanzielle und organisatorische Grenzen müssten beachtet werden. Transparenz sei daher besonders wichtig, ebenso wie die klare Unterscheidung zwischen echter Beteiligung und bloßer Information.
Der Prozess pausiert derzeit, um eine Einflussnahme durch den Kommunalwahlkampf zu vermeiden. Im Herbst soll die Arbeit fortgesetzt werden. Die Verabschiedung der Leitlinie durch den Stadtrat ist für Anfang 2026 geplant.




























