Wo bald neue Häuser entstehen, wurde in den vergangenen Wochen tief in die Geschichte geblickt. Auf dem Gelände an der Klever Straße in Rhade legten Archäologinnen und Archäologen Spuren einer frühen Siedlung frei.
Die archäologischen Untersuchungen im Neubaugebiet Klever Straße / Lembecker Straße (Bebauungsplan 265) sind nach rund 40 Tagen erfolgreich abgeschlossen. Die Ergebnisse liefern spannende Einblicke in die Vergangenheit des Dorstener Stadtteils und zeigen, dass der Boden unter Rhade viel Geschichte birgt.
Experten graben tief in Rhades Geschichte
Den Auftrag für die Untersuchung erteilte die Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH (WINDOR). Die Fachfirma Eggenstein Exca GmbH aus Dortmund führte die Arbeiten unter Aufsicht der LWL-Archäologie für Westfalen aus. Wie die Stadt Dorsten mitteilt, waren Anlass der Grabung Hinweise auf vorgeschichtliche Funde, die bereits bei einer Voruntersuchung entdeckt worden waren. Da in der Umgebung ähnliche Entdeckungen gemacht wurden, lag der Verdacht nahe, dass auch hier Überreste früher Besiedlung zu finden sein könnten, und genau das bestätigte sich eindrucksvoll.

Ein Haus aus der Eisenzeit taucht auf
Das Grabungsfeld teilten die Fachleute in drei Abschnitte, die nacheinander geöffnet wurden. Gleich zu Beginn entdeckte das Team unter einer etwa 40 Zentimeter dicken Erdschicht den Grundriss eines großen Wohnstallhauses aus der Eisenzeit. Das rund 25 Meter lange Gebäude bestand aus über hundert Holzpfosten. Selbst die ehemalige Eingangsstelle mit festgestampftem Lehmboden war noch deutlich erkennbar.
In den dazugehörigen Gruben fanden sich zahlreiche Keramikstücke, die auf eine Nutzung in der jüngeren vorrömischen Eisenzeit oder frühen römischen Kaiserzeit hindeuten – also in einem Zeitraum zwischen etwa 500 vor Christus und 150 nach Christus.

Der Boden erzählt Geschichten
Im nördlichen Bereich stießen die Fachleute auf eine auffällige Bodenverfärbung. Schnell zeigte sich, dass es sich um eine besonders mächtige Kulturschicht handelt. Darin fanden sich Siedlungsreste wie Scherben, Holzkohle und Tierknochen – Spuren menschlichen Lebens über viele Generationen hinweg.
Die Funde deuten darauf hin, dass sich hier über längere Zeit Menschen niedergelassen haben. Die hohe Dichte des Materials lässt vermuten, dass es sich um ein kleines Dorf mit mehreren Häusern handelte.
Kühlschrank aus Ton begeistert Forscher
Ein besonders interessanter Fund ist eine etwa 1,5 Meter tiefe Grube, in deren Boden eine große Tonschale eingelassen war. Vermutlich diente sie einst als natürlicher Kühlschrank, in dem Lebensmittel frisch gehalten wurden. Das Gefäß konnte vollständig geborgen werden. Das Füllmaterial wird derzeit im Labor untersucht, um mehr über die Nutzung zu erfahren.
Wer sich über die Funde oder die Arbeit der Archäologie informieren möchte, kann sich an die LWL-Archäologie für Westfalen wenden. Ansprechpartnerin ist Sandra Görtz, E-Mail: [email protected], Telefon: 0251-591-8946.
Blick in die Vergangenheit, Platz für die Zukunft
Insgesamt wurden rund 200 Fundstellen dokumentiert. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Fläche wieder verfüllt und für die Erschließung des Neubaugebiets vorbereitet.




























