Wenn am 9. November in der Dorstener Altstadt unzählige Lichter erstrahlen, leuchtet nicht nur die Innenstadt sichtbar wird auch all das Engagement, das sonst oft im Verborgenen bleibt. Das Lichterfest ist längst mehr als ein stimmungsvolles Herbstereignis: Es ist ein Dankeschön-Fest für die Ehrenamtlichen und ein Schaufenster des Zusammenhalts in der Stadt.
„Sich für das Wohl anderer einzusetzen, das ist die größte Stärke unserer Gesellschaft“, betonen die Organisatoren. Jeder, der sich einbringt, strahle „Licht und Wärme“ aus und dieses Licht könne andere ermutigen, selbst aktiv zu werden. Genau dieses Prinzip zieht sich durch den ganzen Tag:

Über 70 Vereine, Gruppen und Institutionen waren in diesem Jahr beim Lichterfest dabei. Beim Lichtermarkt der Vereine von 12 bis 19 Uhr stellten sie ihre Arbeit vor, verkauften Selbstgemachtes, Dekorationen und kulinarische Spezialitäten immer mit der Hoffnung, neue Mitstreiter zu gewinnen. Auf der Bühne sorgte ein buntes Programm (12 bis 18.30 Uhr) für Unterhaltung, während die Geschäfte der Innenstadt beim verkaufsoffenen Sonntag von 13 bis 18 Uhr zum Bummeln einluden.

Angesichts der Fülle an Angeboten ist es unmöglich, alle Akteure zu besuchen, geschweige denn vorzustellen. Vier Beispiele zeigen jedoch, wie vielfältig das Ehrenamt in Dorsten ist.
Segelfliegen mit Tradition: Der Luftsportverein Dorsten
Wer beim Stichwort Ehrenamt zuerst an Soziales oder Kultur denkt, übersieht leicht jene, die Freizeit- und Bildungsangebote schaffen. Der Luftsportverein Dorsten gehört dazu. Seit 1931 wird auf dem Flugplatz in Dorsten geflogen, und noch heute trifft sich der Traditionsverein fast jedes Wochenende zum Segelflug. Rund 50 Aktive zählt der Verein, fast die Hälfte davon ist Jugend.

Der Einstieg ist früh möglich: Mit 14 Jahren beginnen Jugendliche ihre Ausbildung, nach etwa 40 bis 60 Starts steht der erste Alleinflug an, mit 16 kann die Lizenz erworben werden. Danach ist vieles denkbar vom entspannten Segelfliegen über Gastflüge bis hin zu Wettbewerben oder zusätzlichen Berechtigungen wie der TMG-Lizenz für motorgetriebene Segelflugzeuge, die mit vergleichsweise geringem Mehraufwand zu erreichen ist.
Neben dem Fliegen spielt das Miteinander eine große Rolle: Grillabende am Platz, Feuerstelle, Pool und ein zweiwöchiges Fluglager im Sommer meist auf einem Flugplatz in der Schwäbischen Alb – prägen das Vereinsleben. Größere Flugtage wie früher, zu denen einmal sogar ein Harrier-Jet nach Dorsten kam, seien heute aus organisatorischen und finanziellen Gründen kaum noch zu stemmen, berichtet Pilot Hendrik Sitter. Stattdessen setzt der Verein auf den jährlichen „Tag des Luftsports“ und denkt darüber nach, künftig ein Fly-In zu etablieren, bei dem viele Gastflugzeuge nach Dorsten kommen könnten.
Zwischen Kameradschaft und Verantwortung: Der Verband der Reservisten
Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr. Etwa 130 Bürgerinnen und Bürger aus Dorsten sind im Kreisverband Recklinghausen/Gelsenkirchen organisiert. Am Stand beim Lichterfest verkaufen sie Stutenkerle – der Erlös geht an die Jugendfeuerwehr Dorsten.
Doch hinter dem Gebäck steckt ein breites Spektrum an Aktivitäten. Der Verband der Reservisten ist ein gemeinnütziger, bundesweit gegliederter Verein, in dem sich ehemalige Bundeswehrangehörige – und mittlerweile auch Ungediente engagieren. In regionalen Reservistenkameradschaften pflegen sie Kameradschaft, halten militärische Fähigkeiten wach und bilden sich weiter: bei Leistungsmärschen, Schießübungen, Erste-Hilfe-Trainings oder Seminaren in enger Zusammenarbeit mit der Bundeswehr.

Hinzu kommen Informationsveranstaltungen zur sicherheitspolitischen Lage sowie Bildungs- und Gedenkreisen zu historischen Orten wie dem Hürtgenwald, um aktuelle Entwicklungen besser einordnen zu können. Ziel ist es, Verantwortungsbewusstsein, Disziplin und das Bewusstsein für die Bedeutung von Freiheit und Verteidigungsbereitschaft zu stärken Werte, die auch im zivilen Alltag eine Rolle spielen. Aktionen wie der Stutenkerl-Verkauf zugunsten der Jugendfeuerwehr zeigen, dass dieses Engagement ganz konkret vor Ort ankommt.
Hilfe in den schwersten Stunden: Die Notfallseelsorge
Weniger sichtbar, aber von unschätzbarem Wert ist das ehrenamtliche Engagement der Notfallseelsorge in Gladbeck, Bottrop und Dorsten. Ihr Stand auf dem Lichtermarkt verweist auf eine Aufgabe, die viele nur aus der Ferne kennen: Seelsorge in akuten Krisensituationen.
Die Notfallseelsorge wird über die Kreisleitstelle für Feuerwehr und Polizei alarmiert, wenn Menschen in Ausnahmesituationen seelische Unterstützung brauchen etwa bei der Überbringung einer Todesnachricht, nach einem plötzlichen Kindstod oder in Amoklagen. Die ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger sorgen dafür, dass Betroffene in den ersten Stunden nicht alleine bleiben, leisten Beistand und Orientierung, bis Familie, Freunde oder Nachbarn eintreffen, und helfen, mögliche spätere psychische Folgen abzumildern.

Darüber hinaus begleiten sie sogenannte Crash-Kurse an Schulen, bei denen Notärzte, Polizei und Feuerwehr Jugendlichen mit drastischen Unfallvideos die Risiken im Straßenverkehr vor Augen führen. Die Notfallseelsorger sind dann da für diejenigen, die besonders stark emotional reagieren und sich um die Betreuung kümmern. Alle Engagierten absolvieren eine mehrmonatige, fundierte Ausbildung und treffen sich regelmäßig zur Reflexion. Über einen Dienstplan wird sichergestellt, dass ganzjährig jemand erreichbar ist und niemand allein zu einem Einsatz fahren muss.
Partnerstadt zum Anfassen: Der Freundeskreis Rybnik
Wie gelebte Städtepartnerschaft aussehen kann, zeigt der Freundeskreis Rybnik. Seit Beginn des Lichterfests ist der Verein mit einem eigenen Stand vertreten. Und sorgt dort traditionsgemäß für das leibliche Wohl der Besucher. Neben Kaffee und Kuchen gibt es jetzt auch herzhafte Speisen. In diesem Jahr erstmals polnisches Bigos, das nach Einschätzung der Helferinnen und Helfer „sehr gut läuft“.

Die Einnahmen fließen vollständig in die Vereinskasse und werden für die Pflege und Unterstützung der Partnerschaften eingesetzt. Für den Vorsitzenden Adam Juzek und sein Team zählt dabei nicht nur der finanzielle Erfolg. Mindestens ebenso wichtig ist das sichtbare Engagement der Menschen vor Ort. Die Bürger die, die Veranstaltung Jahr für Jahr mittragen. Dadurch zeigen, dass internationale Freundschaft in Dorsten nicht nur auf dem Papier besteht, sondern im Alltag gelebt wird.
Ein Fest, viele Facetten – und ein gemeinsamer Nenner
Ob auf dem Flugplatz, in Uniform, im Einsatzwagen der Notfallseelsorge oder am Partnerschaftsstand: Das Lichterfest macht sichtbar, wie breit das ehrenamtliche Engagement in Dorsten aufgestellt ist.
Bei über 70 beteiligten Vereinen und Institutionen ist es schier unmöglich, alle zu besuchen und vorzustellen. So vielfältig leuchtet die Ehrenamtslandschaft in der Stadt. Doch eines haben alle gemeinsam. Sie tragen dazu bei, dass Dorsten im wahrsten Sinne des Wortes heller wird. Und das nicht nur an diesem einen Abend im November, sondern das ganze Jahr über.





























