Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Fürst-Leopold bereitet sich die Tisa von der Schulenburg-Stiftung auf einen besonderen Besuch vor: Vom 15. November 2025 bis zum 8. Februar 2026 ist hier die aktuelle Ausgabe der Ausstellungsreihe „MALEREI“ der Kunstakademie Münster zu sehen. Unter dem Titel „MALEREI 25“ zeigen fünf Studierende, wie vielfältig und widerspenstig das Medium Malerei heute auftreten kann.
Eine Ausstellungsreihe mit langer Atem
Die Reihe „MALEREI“ existiert seit 2004 und wird seitdem kontinuierlich fortgeführt. Jedes Jahr werden Positionen aus der Malerei der Kunstakademie Münster präsentiert allerdings ganz bewusst nicht in Münster selbst. Stattdessen wandert das Projekt durch Westfalen und ist in wechselnden Ausstellungshäusern zu Gast.
Möglich wird dies durch die Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der die Reihe gemeinsam mit der LWL-Kulturstiftung fördert. So verbindet das Projekt künstlerische Nachwuchsförderung mit regionaler Kulturpolitik.

Malerei zwischen Tradition und Gegenwart
„Wir sind jedes Jahr aufs Neue überrascht, welche Möglichkeiten dieses traditionelle Medium noch bietet“, sagt Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, einer der künstlerischen Leiter des Projekts und Berater der Tisa-Stiftung. „Das Progressive und das Traditionelle kommen hier zusammen junge Positionen im alten Medium Malerei. Die totgesagte Malerei ist längst wieder lebendig.“
Die Ausstellung will Malerei als ein Medium zeigen, das sich ständig selbst hinterfragt und erneuert, ohne seine Relevanz einzubüßen. Angesichts rasant wachsender Möglichkeiten in digitalen und medialen Künsten behauptet die Malerei ihren eigenen Raum, öffnet sich aber zugleich dem Dialog mit der Gegenwart. Aus dieser Reibung entstehen neue Perspektiven: Malerei bleibt Malerei – und sucht doch unablässig nach neuen Bildern von Welt.
Kunst in die Fläche – Praxis statt geschütztem Raum
Dass die jungen Künstler:innen nicht im gewohnten Rahmen der Akademie, sondern in regionalen Institutionen ausstellen, ist Programm. „Es geht darum, aus dem geschützten Raum der Akademie in die Realität zu gehen“, betont Ullrich. „Und zwar nicht in beliebige Räume, sondern in Häuser, die sich mit Kunst- und Kulturvermittlung auskennen – wie die Tisa-Stiftung in Dorsten.“

So wird das Projekt zugleich zu einem Ausbildungsfeld für echte Ausstellungspraxis und zu einem Beitrag zur kulturellen Versorgung der Region. Kunst soll nicht nur in Düsseldorf und in den großen Zentren stattfinden, sondern auch in Städten wie Dorsten sichtbar sein.
Fünf künstlerische Positionen statt vier
In diesem Jahr fiel die Entscheidung der Jury auf fünf Positionen statt der üblichen vier. Ausgewählt wurden:
- Felix Abbe
- Merle Biesel
- Pauline Diercks
- Leona Egelkamp
- Ronja Eiselt
Die Jury bestand aus Prof. Dr. Erich Franz und Prof. Dr. Ferdinand Ullrich (Kunstakademie Münster), der Geschäftsführerin der LWL-Kulturstiftung, Dr. Friederike Maßling, sowie der Geschäftsführerin der Tisa-Stiftung, Josefine Jordan. Ausschlaggebend war, wie es heißt, das außergewöhnlich hohe künstlerische Niveau der Bewerbungen.

Die Bilder „vertragen sich“, wie es im Gespräch vor Ort formuliert wurde, ohne eine gemeinsame Richtung zu behaupten. Genau diese Spannweite unterschiedlicher Ansätze macht den Charakter der Ausstellung aus.
Eigenständige Wege statt vorgegebener Aufgaben
Die Arbeitsweise an der Kunstakademie Münster begünstigt eigenständige künstlerische Positionen. „Es gibt keine Aufgaben“, sagt Prof. Dr. Erich Franz. „Die Studierenden bekommen nicht den Auftrag, eine bestimmte Komposition zu malen. Sie müssen sich selbst überlegen, was sie tun.“

Das macht das Studium anspruchsvoll, gerade heute, da künstlerische Vorbilder allgegenwärtig und historische Positionen jederzeit abrufbar sind. „Es ist sehr schwierig, nicht nur nachzuahmen, sondern einen eigenen Weg zu finden“, so Franz. In der aktuellen Ausstellung sei das gelungen: „Das ist keine Kunst wie Gerhard Richter oder wie Günther Uecker es sind tatsächlich eigene Wege.“
Bei der Auswahl der Werke achtet die Jury darauf, dass Originalität nicht mit bloßer Effekthascherei verwechselt wird. „Uns interessiert, wo eine wirklich originäre, eigene Geschichte sichtbar wird“, betont Ullrich. Handwerkliche Brillanz allein sei nicht entscheidend: „Das ist der Unterschied zwischen Kunstfertigkeit und Kunst.“
Zwischen Figur und Abstraktion
In der Ausstellung zeigt sich, wie offen Malerei heute gedacht werden kann. Sie ist hier weder reine Abbildung der Wirklichkeit noch reine Abstraktion. Figuren tauchen auf, ohne sich eindeutig zuordnen zu lassen; Räume wirken zunächst vertraut und kippen doch in Linien, Flächen und Bewegungen.

Ein Bild scheint etwa eine Straße zu zeigen und zugleich ein Geflecht aus kurvigen Linien, die eher von Bewegungen im Raum erzählen als von einem konkreten Ort. Kategorien wie „gegenständlich“ und „abstrakt“ geraten ins Rutschen.
„Es gibt an jedem Werk ein Auf und Ab zwischen Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit“, beschreibt Franz. „Das sind Bilder, die nicht nur täuschend etwas nachahmen wollen, sondern uns zum Denken zwingen.“ Für die Lehrenden liegt darin auch ein persönlicher Gewinn: „Wir lernen hier selbst viel dazu.“
Eröffnung, Artisttalk und Katalog
Die Ausstellung „MALEREI 25“ wird am
Samstag, 15. November 2025, um 17:00 Uhr
in der Tisa von der Schulenburg-Stiftung
Fürst-Leopold-Allee 65, 46284 Dorsten
eröffnet.
Begrüßungsworte sprechen:
- Josefine Jordan, Geschäftsführerin der Tisa-Stiftung
- Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des LWL und Vorstandsmitglied der LWL-Kulturstiftung
Eine Einführung in die Ausstellung geben:
- Prof. Dr. Erich Franz, Kunstakademie Münster
- Prof. Dr. Ferdinand Ullrich, Kunstakademie Münster, künstlerischer Berater der Tisa-Stiftung
Ein weiterer Höhepunkt ist der Artisttalk mit Katalogvorstellung am
07. Dezember 2025, um 15:00 Uhr.
Dort haben Besucher:innen Gelegenheit, die Künstler:innen persönlich zu treffen, Fragen zu stellen und im Gespräch weitere Einblicke in die ausgestellten Werke zu erhalten.
Öffnungszeiten und Anmeldung
Die Ausstellung ist vom 15. November 2025 bis einschließlich 08. Februar 2026 geöffnet:
Donnerstag, Samstag, Sonntag: 11:00–17:00 Uhr
Darüber hinaus sind individuelle Besuche, Führungen und Termine nach Absprache möglich.
Zur Eröffnung und zum Artisttalk wird um vorherige Anmeldung per E-Mail gebeten:
[email protected]




























