Wer das Café Anneliese in Dorsten betritt, merkt sofort, dass hier jemand mit sehr viel Gefühl am Werk war. Inhaberin Pia Kötting hat diesen Raum nicht eingerichtet. Sie hat ihn zusammengetragen. Stück für Stück, Fund für Fund, Begegnung für Begegnung. Drei Gegenstände stehen dabei stellvertretend für alles, was dieses Café ausmacht: Herzlichkeit, Erinnerung und ein gutes Gespür für das Besondere.
Der Schwarzwald-Schlitten
Der imposante Holzschlitten zieht die Blicke schon beim Ankommen auf sich. Er stammt aus dem Schwarzwald und hat jahrelang im Wintergarten ihrer Großeltern gestanden.

Pia sagt: „Es ist ein vorzeitiges Erbstück. Meine Großeltern Anneliese und Siegfried fanden es erst komisch, dass ich ausgerechnet den Schlitten wollte.“ Am Ende gab es ein Ja. Allerdings war der Transport eine kleine Aktion. „Sechs Leute haben geholfen, ihn auf den Anhänger zu heben und hier wieder herunter. Der wiegt richtig was.“
Der Schlitten ist nicht nur ein Möbel, sondern ein richtiger Treffpunkt. Die massiven Kufen, das grobe Holz, die sichtbaren Gebrauchsspuren. Die beiden Holzbänke mit Fellauflagen machen ihn zu einem Ort, an dem sich Gäste sofort niederlassen und ins Gespräch kommen.
„Gemütlich wie bei Oma und Opa – das ist das Gefühl, das ich hier schaffen möchte“, erzählt Pia. Ein Stück Kindheit auf Augenhöhe.

Das Tellerregal in Mauve
An einer anderen Wand hängt ein Regal, das auf leise Weise auffällt. Die geschwungenen Bögen verraten sein Alter, die Farbe Mauve lässt es gleichzeitig modern wirken.

Pia hat es aus einer Haushaltsauflösung. „Das Regal war lange in einer beheizbaren Garage eingelagert. Man hat gesehen, dass es eigentlich mal schön war. Ich wollte unbedingt, dass es wieder so aussieht.“
Eine Restauratorin aus Mülheim hat das Holz liebevoll aufgearbeitet. Die neue Farbe hat Pia bewusst ausgesucht. „Ich hatte den Ton lange im Kopf. Mauve ist warm, aber nicht kitschig. Und es verbindet die anderen Farben im Raum.“
Heute stehen auf dem Regal die Brotbackmischungen der Mühle Gladen aus Dorsten. Ein bewusst regionaler Partner. „Damit backt jeder kinderleicht Brot. Das passt für mich zur Idee des Cafés. Es soll einfach und gut sein.“

Das Regal wirkt, als würde es Geschichten bewahren. Ein Alltagsstück, das wieder wichtig werden durfte.
Die Lounge
Ein paar Schritte weiter beginnt Pias persönliche Wohlfühlecke. Sie nennt sie schlicht die Lounge. Es ist ein Ensemble aus Möbeln, das sich fast zufällig zu einer Atmosphäre verdichtet hat.

Das Cordsofa stammt aus der Nähstube einer älteren Dame aus Mülheim. Pia erinnert sich: „Sie wollte sich verkleinern und hat sich so gefreut, dass das Sofa einen Platz im Café bekommt. Das war ein schöner Moment.“
Der moosgrüne Sessel daneben kommt aus einer Familie aus Schermbeck. „Als sie hörten, dass er ins Café soll, waren sie sofort begeistert. Es sind oft solche Begegnungen, die mich motivieren.“

Die Ecke wirkt wie ein Wohnzimmer aus einer anderen Zeit. Warme Farben, eine vintage Hängelampe, Bücher, kleine Bilderrahmen und getrocknete Blumen. Ein Couchtisch mit dunkler Platte vervollständigt das Bild. Hier entsteht eine ruhige Insel mitten im Raum.
Pia sagt: „Viele setzen sich zuerst irgendwo hin und wechseln dann irgendwann hierher. Die Lounge zieht Menschen an. Vielleicht weil sie einfach gemütlich ist.“
Mehr als drei Möbelstücke
Das Café wächst weiter. Die Terrasse ist barrierefrei erreichbar, damit wirklich alle Menschen den Ort nutzen können. Im kommenden Jahr wird es Workshops und Infoabende geben, zum Beispiel über Imkerei oder Igelhilfe. „Ich möchte, dass hier Wissen geteilt wird. So entsteht Gemeinschaft.“

Hin und wieder gibt es Livemusik. Und bald lassen sich auch Dekoartikel erwerben, die ebenso liebevoll gewählt sind wie die Möbel.
Ganz modern und absolut unverzichtbar ist die große Kuchenvitrine. Pia lacht: „Die ist mein Bonusstück. Ohne die geht gar nichts.“ Jeden Tag stehen dort frische Kuchen und Torten, allen voran ihr berühmter Käsekuchen. „Vier Stück backe ich mindestens am Tag. Das ist mein Ausgleich und gleichzeitig das Herzstück für viele Gäste.“


Ein Ort, der ankommt
Vielleicht funktioniert das Café Anneliese deshalb so gut. Nicht wegen der Möbel selbst, sondern wegen der Geschichten, die an ihnen hängen. Sie schaffen Nähe, Wärme und viel Gesprächsstoff.
Pia fasst es in einem einfachen Satz zusammen. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man satt und glücklich rausgeht. Und das jeden Tag.“ Wer darauf Lust hat, findet das Café an der Fährstraße 19. Weitere Informationen gibt es online hier.


