Mehr als 50 Besucher haben am Donnerstagabend an einer Veranstaltung des BDA Vest Recklinghausen im Rahmen des Festmonats zum 750 jährigen Stadtjubiläum Dorstens teilgenommen. Eingeladen waren interessierte Bürger, Anwohner sowie Fachleute aus Architektur und Städtebau. Im Mittelpunkt stand die Frage, was die Neue Stadt Wulfen heute noch über Stadtplanung, Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit erzählen kann.
Organisiert wurde der Abend von Dipl. Ing. Stephanie Still, Architektin aus Recklinghausen und Vorsitzende des BDA Vest. Die Veranstaltung führte die Teilnehmenden zunächst durch Barkenberg und endete mit einem Vortrag in der BiBi am See.

Zeitreise durch die Neue Stadt Wulfen
Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Tobias Stockhoff begann ein Rundgang mit Christian Gruber, der die Gäste auf eine Zeitreise durch die Jahre 1967 bis 1987 mitnahm. Aus erster Hand erfuhren die Teilnehmenden, was es bedeutet, in Barkenberg zu leben und wie eng städtebauliche Idee und Alltagserfahrung hier miteinander verbunden sind.

Die Führung machte Station an markanten Orten des Stadtteils, darunter der Napoleons Weg, besondere Wegeführungen mit Brücken und Unterführungen, die Klimawiese sowie die sogenannte Finnstadt. Gerade diese Orte verdeutlichten, mit welchem planerischen Anspruch die Neue Stadt Wulfen einst entwickelt wurde.

Gruber vermittelte dabei nicht nur historische Hintergründe, sondern auch die Perspektive des gelebten Stadtteils. Zwischen den einzelnen Stationen entwickelte sich immer wieder ein lebhafter Austausch unter den Teilnehmenden. Fachleute diskutierten mit Anwohnern, Erinnerungen trafen auf aktuelle Fragen zur Stadtentwicklung.
Austausch zwischen Praxis und Erinnerung
Der Abend zeigte, wie stark Barkenberg bis heute Diskussionen über Stadtplanung anregen kann. Die Mischung aus Fachpublikum und interessierten Bürgern erwies sich dabei als Gewinn. Immer wieder wurde deutlich, dass die Neue Stadt Wulfen weit mehr ist als ein Kapitel lokaler Geschichte.
Vielmehr wurde sie an diesem Abend als Experimentierraum sichtbar, in dem Fragen von Mobilität, Freiraum, Ökologie und sozialem Miteinander früh mitgedacht wurden. Dass viele dieser Überlegungen heute aktueller denn je erscheinen, zog sich wie ein roter Faden durch die Gespräche.
Ausstellung in der BiBi am See
Zurück in der Bibliothek konnten sich die Gäste bei einem kleinen Imbiss und Getränken stärken. Gleichzeitig bot sich Gelegenheit, die Ausstellung „Neue Stadt Wulfen – Idee und Entwicklung“ zu besichtigen. Die Schau, die im März in der BiBi am See zu sehen ist, ergänzte den Rundgang um historische Dokumente und planerische Einblicke.

Gerade in der Verbindung von Ausstellung, geführtem Spaziergang und Fachvortrag gewann der Abend seine besondere Dichte. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Planstadt Wulfen wurden so in unterschiedlichen Perspektiven erfahrbar.

Vortrag von Yasemin Utku setzt den Schlusspunkt
Den Abschluss gestaltete Prof. Dipl. Ing. Yasemin Utku von der Universität zu Köln. Die Städtebau Professorin ist in Barkenberg keine Unbekannte, da sie den Stadtteil bereits durch verschiedene Projekte und Exkursionen kennt. Ihr Vortrag stand unter dem Titel: „Von der Utopie zur Realität: was die Neue Stadt Wulfen uns heute lehrt“.

Utku spannte den Bogen von den ambitionierten Planungen der 1960er Jahre bis zu den Herausforderungen heutiger Stadtentwicklung. Im Zentrum stand die Frage, „was an Wulfen innovativ und seiner Zeit voraus war“ und zugleich, „was man andererseits aus Fehlschlägen für heute lernen kann“.

Mehr als 50 Jahre nach den ersten Planungen, so wurde an diesem Abend deutlich, finden sich viele der damals entwickelten Ideen auch in anderen Planstädten wieder. Das unterstreicht, wie innovativ das Konzept der Neuen Stadt Wulfen zum damaligen Zeitpunkt war. Zugleich zeigt es, dass viele Ansätze bis heute nichts von ihrer Relevanz verloren haben.
Visionen der Neue Stadt Wulfen mit bleibender Aktualität
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll sichtbar, dass die Neue Stadt Wulfen noch immer als Referenz für Fragen moderner Stadtplanung dienen kann. Nicht alle Erwartungen der damaligen Planer erfüllten sich. Doch gerade im Spannungsfeld zwischen Anspruch, Realität und Weiterentwicklung liegt bis heute ihr besonderer Erkenntniswert.

So wurde der Abend in Barkenberg nicht nur zu einem Rückblick auf ein außergewöhnliches städtebauliches Projekt, sondern auch zu einer Debatte über die Zukunft unserer Städte. Oder, wie es der Vortragstitel treffend formulierte: „Von der Utopie zur Realität“.




























