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Absturzforscher geben Einblicke in Luftkriegsgeschichte der Region

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Die Absturzforscher: Sascha Weltgen, Hans-Josef Lehrich, Simon Terhardt und Matthias Hundt. Fosto: Alexander Fichtner

Der Luftkrieg über Dorsten, Kirchhellen, Dinslaken und Sterkrade wirkt bis in die Gegenwart nach. Wie intensiv ehrenamtliche Forschung dazu heute noch betrieben wird, zeigte ein Vortragsabend in Dorsten, zu dem der Verein für Orts und Heimatkunde Dorsten eingeladen hatte. Zu Gast war die Interessengemeinschaft historische Militärluftfahrt Kirchhellen Dorsten, die seit Jahren zu Flugzeugabstürzen, militärischen Flugbewegungen und Vermisstenfällen aus dem Zweiten Weltkrieg recherchiert.

Dr. Josef Ulfkotte begrüßte die Besucher und stellte den Abend in einen größeren Zusammenhang. Der Vortrag könne auch als Verlängerung der Gedenkfeier zur Bombardierung der Dorstener Altstadt und Wulfens vor 81 Jahren verstanden werden, sagte er. Damit war der Ton gesetzt. Es ging nicht nur um historische Daten und Flugzeugtypen, sondern auch um die Frage, wie lokale Erinnerung lebendig gehalten werden kann.

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Dr. Ulfkotte bei der Begrüßung. Foto: Alexander Fichtner

Forschung zwischen Archiv, Luftbild und Fundstück

Seit Jahren arbeitet die Interessengemeinschaft ehrenamtlich an der Rekonstruktion militärischer Luftfahrtgeschichte in der Region. Die Mitglieder werten Archivmaterial aus, vergleichen Luftbilder, sprechen mit Zeitzeugen und untersuchen Fundstücke, deren historische Bedeutung sich oft erst nach aufwendiger Recherche erschließt.

Vortragsstimmung. Foto: Alexander Fichtner

Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um Technikgeschichte. Im Mittelpunkt stehen ebenso die Schicksale der beteiligten Menschen. Wer saß in den Maschinen, wo stürzten sie ab, was geschah mit den Besatzungen, und welche Spuren haben die Ereignisse bis heute hinterlassen? Genau diese Verbindung von historischer Kleinarbeit und menschlicher Dimension prägt die Arbeit der Gruppe.

Vier Experten, vier angrenzende Forschungsräume

Als Experten des Abends waren Hans-Josef Lehrich für Kirchhellen, Matthias Hundt für Dorsten, Sascha Weltgen für Dinslaken und Simon Terhardt für Oberhausen Sterkrade beteiligt. Ihre jeweiligen Forschungsgebiete grenzen allesamt an den ehemaligen Flughafen in Dinslaken an.

Hans-Josef Lehrich beim Vortrag über den Flugplatz „Schwarze Heide“. Foto: Alexander Fichtner

Schon vor dem Vortrag machten die Beteiligten deutlich, wie eng die Themen miteinander verwoben sind. Einer der Sprecher sagte: „Unser gemeinsamer Start vor zig Jahren war, dass wir alle vier in der Recherche involviert waren.“ Aus dieser gemeinsamen Arbeit hätten sich dann mehrere Schwerpunkte entwickelt.

Flakthema zugunsten des Regionalbezugs gestrichen

Ursprünglich war der Abend breiter angelegt. Neben dem Flugplatz Kirchhellen und den Abstürzen im Raum Dorsten sollte auch der alliierte Luftangriff auf Dorsten am 22. März 1945 ausführlich beleuchtet werden. Zudem spielte in der Arbeit der Gruppe auch das Thema Flak lange eine wichtige Rolle.

Geborgene Wrackteile. Foto: Alexander Fichtner

Für den aktuellen Abend mussten die Organisatoren jedoch straffen. Aus Zeitgründen wurde der dritte Themenblock Flak kurzfristig gestrichen. So blieb mehr Raum für die beiden verbliebenen Schwerpunkte und deren direkten Bezug zur Region.

Flugplatz Kirchhellen als Ausgangspunkt

Zum Auftakt stand der Flugplatz Kirchhellen im Mittelpunkt. Dieses zentrale Feld wurde bewusst kompakt vorgestellt. Gerade weil der Flugplatz für viele militärische Bewegungen in der Region ein entscheidender Bezugspunkt war, bildet er bis heute einen Schlüssel zum Verständnis der damaligen Ereignisse.

Begleitet wurde der Vortragsabend von einer kleineren Ausstellung. Anders als bei früheren Gelegenheiten fiel sie schlanker aus, weil vor Ort weniger Platz zur Verfügung stand. Dennoch konnten Besucher Fundstücke und Dokumente in Augenschein nehmen und sich so auch jenseits der Vorträge ein Bild von der Forschungsarbeit machen.

Noch immer gelten Maschinen und Besatzungen als vermisst

Besonders eindrücklich war der Themenblock zu Flugzeugabstürzen im Raum Dorsten. Hier wurde deutlich, dass die Forschung keineswegs abgeschlossen ist. Noch heute beschäftigen die Gruppe mehrere Fälle, bei denen Maschinen oder Besatzungsmitglieder als vermisst gelten.

Blick auf alte Akten. Foto: Alexander Fichtner

In einem der Vorgespräche hieß es, aktuell arbeite man noch an zwei Jagdflugzeugen, die im Grenzbereich zu Dorsten abgestürzt seien. Sascha Weltgen sprach von mehreren offenen Fällen. Besonders nannte er einen Piloten namens Eriksen, dessen Maschine im März 1945 abgeschossen worden sei. Er gelte bis heute als vermisst. Auch ein kanadischer Flieger gehöre zu den ungeklärten Schicksalen, mit denen sich die Forscher weiter beschäftigen.

Warum Jagdflugzeuge oft spurlos verschwinden

Die Suche nach Absturzstellen ist nach acht Jahrzehnten schwierig. Besonders bei Jagdflugzeugen stoßen die Forscher immer wieder an Grenzen. „Wenn die abstürzen, gehen die meistens senkrecht runter und sind im Boden verschwunden“, schilderte einer der Beteiligten. Was auf alten Aufnahmen oder in Akten spektakulär erscheint, sei vor Ort oft nur noch als kleine Bodenveränderung erkennbar.

Bei Bombern sieht das anders aus. Sie hinterließen meist größere Trümmerfelder, wodurch Absturzstellen eher lokalisierbar sind. Doch auch dort fehlt häufig Gewissheit, weil frühere Zeugenangaben ungenau blieben oder sich Landschaften über Jahrzehnte stark verändert haben.

Forschung als Dienst an Erinnerung und Familiengeschichte

Die Arbeit der Gruppe zielt deshalb nicht nur auf historische Vollständigkeit. Sie will auch Klarheit schaffen für Orte, Gemeinden und manchmal sogar für Familien. Das Ziel sei, Absturzstellen zu lokalisieren, Maschinen zu identifizieren und das Schicksal der Besatzungen nachvollziehbar zu machen.

Einblicke in die Ausstellung. Foto: Alexander Fichtner

Dass solche Recherchen konkrete Folgen haben können, zeigt die Erinnerung an frühere Projekte in der Region. Erwähnt wurde unter anderem eine Gedenksteinlegung in Reken im vergangenen Jahr. Solche Momente markieren für die Forscher den Punkt, an dem aus Archivarbeit sichtbare Erinnerungskultur wird.

Luftkriegsgeschichte aus Dorsten, die bis heute nachwirkt

Auch wenn der neu konzipierte Vortrag zum Luftangriff auf Dorsten am 22. März 1945 am Ende nicht gehalten wurde, blieb dessen historische Bedeutung im Raum präsent. Matthias Hundt arbeitet dazu seit Langem und wertet immer wieder neue Dokumente aus, darunter auch Berichte von Bomberbesatzungen über ihre Einsätze und Beobachtungen.

So zeigte der Abend insgesamt, dass die Luftkriegsgeschichte der Region noch längst nicht abgeschlossen erzählt ist. Zwischen Dorsten, Kirchhellen, Dinslaken und Sterkrade stoßen die Forscher immer wieder auf Spuren, die neue Fragen aufwerfen. Gerade darin liegt die besondere Kraft solcher Vorträge. Sie holen ein fern scheinendes Kapitel der Geschichte zurück in die Gegenwart der Region.

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