Locker beginnt dieser Drehtag am Mittwoch, doch das Thema ist ernst. In der Sporthalle des Petrinum in Dorsten entsteht ein Film, der hinschaut, wo andere oft wegsehen. Beim Projekt „Mut gegen Mobbing“ stehen Kinder gemeinsam vor der Kamera und lernen dabei mehr als nur Schauspiel.
Dreharbeiten mit klarer Botschaft
In der Sporthalle des Petrinum herrscht konzentrierte Stimmung. Kinder laufen ihre Szenen durch, wiederholen Texte, probieren sich aus. Nicht alles klappt auf Anhieb. Mehrere Anläufe sind nötig, bis die Szenen im Kasten sind. „Und Aktion“, ruft die Regisseurin immer wieder.

Gedreht wird eine Klassenszene im Sportunterricht. Die Handlung orientiert sich am Alltag vieler Kinder. Einzelne werden ausgegrenzt, weil sie vermeintlich schlechter sind. Ein Sportlehrer greift ein, erkennt die Situation und spricht das Problem offen an.
„Wir drehen heute eine Klassenszene in der Sporthalle. Die Kinder haben Sportunterricht, und in der Szene wird gezeigt, wie einzelne Kinder ausgegrenzt werden, weil sie zum Beispiel den Ball nicht so weit werfen können wie andere“, erklärt Regisseurin Cirsten Piduhn. „Der Sportlehrer greift ein, erkennt die Situation und spricht das Thema offen an.“
Der Wendepunkt folgt im Spiel: Das zuvor ausgegrenzte Mädchen trifft den Korb. Ein Moment, der alles verändert. „Die ist ja eigentlich richtig gut“, sagen die anderen Kinder und erkennen ihren Fehler.

Prominenter Besuch mit klarer Haltung
Für besondere Aufregung sorgt ein Überraschungsgast: Schalke-Torwart Kevin Müller steht gemeinsam mit den Kindern vor der Kamera und übernimmt die Rolle eines Sportlers.
„Die Kinder haben davon erst kurz vorher erfahren und sich riesig gefreut, dass sie mit einem prominenten Sportler gemeinsam vor der Kamera stehen dürfen“, sagt Babette Montemurri von der VHS Dorsten. Mitten im Dreh nimmt sich Müller Zeit für Gespräche über das Thema Mobbing.

„Persönlich habe ich Mobbing nicht am eigenen Leib erlebt. Aber ich habe in Mannschaften gespielt, wo das definitiv ein Thema war. Für die betroffenen Kinder ist das natürlich sehr schlimm“, sagt Müller.
„Deshalb ist es wichtig, dass wir Kinder darüber informieren und sie im Idealfall schützen.“ Das vollständige Interview mit dem Sportler folgt in einem gesonderten Beitrag.

Gemeinschaft statt Konkurrenz
Rund 32 Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren nehmen an dem Projekt teil, die meisten kommen aus Dorsten. Ein Kind ist sogar aus Düsseldorf angereist. Neben den Schauspielrollen gibt es viele weitere Aufgaben. Einige Kinder arbeiten hinter der Kamera, kümmern sich um Technik, Licht oder Ton. So entsteht ein echtes Filmteam.
„Was für mich sehr wichtig war“, sagt Babette Montemurri, freie Mitarbeiterin bei der VHS Dorsten, , „war diese besondere Dynamik innerhalb der Gruppe. Nachdem wir intensiv mit den Kindern gesprochen haben, wurde deutlich, dass wir hier wie eine große Familie zusammenarbeiten.“ Sie habe vor allem beobachtet, wie respektvoll die Kinder beim Dreh miteinander umgingen. „Das fand ich unheimlich bemerkenswert. Alle sind sehr wertschätzend miteinander umgegangen.“

Gerade zu Beginn habe es noch unterschiedliche Erwartungen gegeben. „Natürlich war der eine vielleicht ein bisschen traurig, nur eine Nebenrolle zu bekommen, während jemand anderes eine Hauptrolle hatte. Und man hat auch gemerkt, dass Fragen im Raum standen wie: Warum hat sie die Rolle bekommen und ich nicht?“
Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema habe sich die Stimmung jedoch deutlich verändert. „Nachdem wir das wirklich ausführlich besprochen haben, entstand eine sehr positive Grundhaltung. Am Ende war für alle entscheidend, überhaupt Teil des Projekts zu sein und gemeinsam an diesem wichtigen Thema zu arbeiten.“

Kulturprojekt mit Perspektive
Das Filmprojekt ist eine Zusammenarbeit der VHS Dorsten, des Kulturrucksack NRW und der Dorstener Filmfirma Quest Media. Die Teilnahme ist für die Kinder kostenlos. „Ja, also wir freuen uns total, dass dieses Projekt im Rahmen des Kulturrucksacks NRW stattfinden kann“, sagt Anke Klapsing-Reich, Leiterin Kinder- und Jugendkultur
Gedreht wird vom 30. März bis zum 2. April, jeweils von 10 bis 16 Uhr. Geplant ist, den fertigen Film im Dorstener Kino zu zeigen. Mehrere Vorstellungen sind vorgesehen, ein genauer Termin steht noch nicht fest. Angepeilt wird derzeit der Juni.

Ein weiterer Termin steht jedoch schon fest: Am 21. November präsentieren die Kinder ihre Ergebnisse bei der Abschlussveranstaltung des Kulturrucksack-Jahres 2026 im Treffpunkt Altstadt und moderieren dort sogar selbst, verrät Klapsing-Reich.
Mehr als ein Film
Unter der Leitung von Filmemacher Wayne Graves und Regisseurin Cirsten Piduhn entsteht mehr als nur ein Kurzfilm. Das Projekt gibt Kindern Raum, sich mit Mobbing auseinanderzusetzen und eigene Erfahrungen zu reflektieren.
Am Ende geht es nicht nur um eine gelungene Szene. Es geht darum, Haltung zu zeigen. Und darum, den Mut zu finden, nicht wegzuschauen.




























