Wenn es ostert, dann schweifen meine Gedanken immer wieder in die 1970er Jahre zurück, als ich Schülerin des St. Ursula Gymnasiums war. Damals lebten mehr Ordensfrauen im Konvent als heute. Regelmäßig luden die Nonnen in der Osterzeit ihre Schülerinnen zu Einkehrtagen ins Kloster ein, um gemeinsam den Höhepunkt des Kirchenjahres zu feiern – von Gründonnerstag bis Ostersonntag.
Ich durfte auch einige Male daran teilnehmen, obwohl ich evangelisch war. Ein Umstand, der wieder einmal beweist, wie sehr die Dorstener Ursulinen den durch das Zweite Vatikanische Konzil angestoßenen Wandel begrüßten und mit Überzeugung die Ökumene lebten.
Wir waren in den Internatsräumen untergebracht und nahmen am Leben im Konvent teil. Ein Blick hinter die Klostermauern – wie sieht wohl so ein Nonnenleben aus? Eine spannende Frage, die uns alle neugierig und aufgeregt auf die kommenden Tage machte.
Da waren erst einmal die vielen Gottesdienste: Ich erinnere mich noch sehr lebendig an die Stunden, die wir schon am frühen Morgen in der Klosterkirche verbrachten. Ohne Frühstück zum Gebet – eine ungewohnte Herausforderung, die den Magen knurren und den Kreislauf in den Keller sacken ließ. Wie dankbar waren wir, als wir am nächsten Morgen einige Keksteller entdeckten, die mitfühlende Schwestern für uns in die Teeküche gestellt hatten – als Vorsorge für unerwünschte Notfälle von Unterzuckerung!
Monotomer Gesang und Schlummer auf der Matte
Der monotone Psalmengesang der Schwestern klingt noch heute in meinen Ohren. Ebenso die ruhige Stimme Schwester Magdalenas, die uns bei Meditation und Stilleübungen begleitete. Ausgestreckt auf Gymnastikmatten lagen wir in der alten Schulaula und versuchten uns zu entspannen. Carmen neben mir schien es gelungen zu sein: Sie schnurbelte leise auf der Nachbarmatte, während ich hellwach verstohlen in die Runde blinzelte.
Abends trafen wir uns im Paradies – so der schöne Name des Klosterkirchen-Vorraums – zum Gesprächskreis mit den Schwestern. Die intensive Atmosphäre der klösterlichen Gemeinschaft war bei diesem Austausch besonders spürbar. Spannend waren auch die gemeinsamen Mahlzeiten im Re-fektorium. Nie wieder habe ich so eine leckere Milchsuppe gegessen wie am Karfreitag im Ursuli-nenkloster. Danke, Schwester Monika! Gründonnerstag gab es in Erinnerung an das letzte Abendmahl ein festliches Essen, zu dem uns sogar ein kleines Schlückchen Wein erlaubt war.
Doch der Höhepunkt war die Osternacht: Der Gottesdienst in der Klosterkirche, das Entzünden der Osterkerze und die Weitergabe des Lichtes von Kerze zu Kerze, das wir dann alle gemeinsam in einem wogenden Lichter-Umzug durch das alte ehrwürdige Gebäude trugen.
Das alles werde ich nie vergessen. Und immer, wenn es wieder ostert, werden die Erinnerungen neu geweckt: Dann sehe ich das wogende Lichtermeer, höre den Psalmengesang, rieche die brennenden Kerzen, fühle diese intensive Gemeinschaft und schmecke die Milchsuppe von Karfreitag.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes Osterfest!




























