Wenn Dudelsack, Portativ, Harmonium und Concertina gemeinsam erklingen, entsteht kein gewöhnlicher Konzertabend, sondern ein musikalisches Erlebnis abseits des Vertrauten. Mit ihrem Programm „Pipes & Reeds“ haben Ulrike von Weiß und Claus von Weiß das Publikum in Wulfen auf eine eindrucksvolle Reise durch Mittelalter, Renaissance und Gegenwart mitgenommen.
Das Duo verband Instrumente, deren Klangprinzip man aus der Kirchenorgel kennt: Pfeifen und Zungen. So entstand ein ungewöhnliches, bisweilen archaisch anmutendes Klangbild, das alte Musik neu erfahrbar machte. Ergänzt wurde das Instrumentarium durch zweistimmigen Gesang und eigene Kompositionen, die sich stimmig in das historische Repertoire einfügten.

Musik aus alter Zeit, lebendig und offen vermittelt
Für Sabine Bornemann lag genau darin der besondere Reiz des Abends. Viele Stücke seien eigens geschrieben und arrangiert, sagte sie im Vorfeld. Viele der verwendeten Instrumente stammten „zum großen Teil aus dem Mittelalter“. Musikalische Einflüsse kämen dabei aus unterschiedlichen Regionen Europas, aus England, Irland und Schweden.
Der Konzertabend war dabei mehr als eine reine Aufführung. Bornemann hatte betont, dass sich Besucher die Instrumente auch aus der Nähe anschauen könnten und diese gern erklärt würden. Gerade diese Mischung aus Konzert, Klangreise und Begegnung machte den Reiz des Abends aus.
Zwischen Dudelsack, Orgelklang und Concertina
Besonders faszinierend war die ungewöhnliche Besetzung. Bornemann hatte sie im Vorfeld mit hörbarer Begeisterung beschrieben: „So eine Art Dudelsack ist aber kein richtiger, aber auch zum Beispiel eine Orgel, die mit einem Blasebalg.“ Auch die Concertina, ein eher selten zu hörendes Instrument, gehörte dazu.

Hinzu kam der zweistimmige Gesang des Duos. Bornemann hatte hervorgehoben, wie schön die beiden zusammen sängen. Während Claus von Weiß oft die prägnantere Gesangslinie übernahm, setzte Ulrike von Weiß feine begleitende Stimmen dazu. So entstand ein sensibles Wechselspiel aus Melodie, Bordun und mehrstimmigem Gesang.
Rückkehr nach Wulfen mit einem besonderen Programm
Ganz unbekannt waren Ulrike und Claus von Weiß dem Publikum in Wulfen nicht. Bereits vor rund zwei Jahren waren sie mit einem irisch geprägten Programm zu Gast gewesen. Diesmal fiel der Abend jedoch noch spezieller aus.

„Alte Instrumente, alte Musik. Und dann aber auch neue Musik geschrieben für alte Instrumente“, hatte Bornemann gesagt. Gerade diese Verbindung aus historischer Klangwelt und zeitgenössischer Kreativität verlieh „Pipes & Reeds“ seine besondere Handschrift.
Pipes & Reeds setzte auf Spannung zwischen Pfeifen und Zungen
Auch Ulrike von Weiß und Claus von Weiß selbst beschrieben ihr Konzert als bewusst ungewöhnliches Projekt. Schon der Titel „Pipes & Reeds“ erklärte das musikalische Konzept. Claus von Weiß sagte dazu: „Grund für diesen exotischen Namen ist einfach: Alle unsere Instrumente stehen entweder in der Tonerzeugung aus Pfeifen oder eben aus durchschlagenden Zungen.“

Gerade diese Kombinationen machten für das Duo den besonderen Reiz aus. Claus von Weiß sprach von „manchmal skurrilen Mischungen“ und verwies auf Stücke, in denen scheinbar weit voneinander entfernte Klangwelten zusammengeführt würden. Für ihn liege genau darin die künstlerische Kraft des Programms: in der Spannung zwischen dem Alten und dem Neuen.
Eine Idee, die aus Neugier und Experiment entstand
Ulrike von Weiß schilderte den Ursprung des gemeinsamen Musizierens als Ergebnis von Neugier und Ausprobieren. Als Organistin habe sie irgendwann die Idee entwickelt, mit Dudelsack, Harmonium, Portativ und Concertina neue Kombinationen zu erproben. Dass daraus ein tragfähiges Konzertformat wurde, sei aus dem Versuch selbst heraus entstanden.
Auch die Geschichte des Portativs verlieh dem Projekt eine besondere Note. Ein Orgelbauer aus dem Freundeskreis hatte das Instrument einst als Gesellenstück gebaut und dem Duo zur Verfügung gestellt. So wurde aus einer musikalischen Idee nach und nach ein eigenständiges Programm.
Neuer Rahmen für Konzerte in besonderer Atmosphäre
Zum besonderen Eindruck des Konzerts trug auch der Veranstaltungsort bei. In den Osterferien war die Beleuchtung nachgerüstet worden. Eine neue Traverse und zusätzliche Scheinwerfer ermöglichten nun eine deutlich flexiblere Ausleuchtung des Bühnenraums.

Davon profitierte auch „Pipes & Reeds“. Die auf zwei Musiker konzentrierte Besetzung gewann durch das warme Licht und die gezielte Inszenierung im Altarraum zusätzlich an Intensität. Der Ort erwies sich einmal mehr als stimmungsvoller Rahmen für Konzerte, die Nähe und Konzentration verlangen.
Ein Abend für Liebhaber besonderer Klangwelten
Mit „Pipes & Reeds“ erlebte Wulfen kein Konzert von der Stange, sondern einen Abend für Menschen, die sich auf alte Instrumente, seltene Klangfarben und musikalische Überraschungen einlassen wollten. Zwischen Mittelalter und Gegenwart, zwischen Experiment und Tradition, zwischen archaischer Tiefe und feiner Mehrstimmigkeit entfaltete sich dabei ein Programm, das eigensinnig und zugänglich zugleich wirkte.




























