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Tag der offenen Tür in der Kläranlage Dorsten Holsterhausen

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Betriebsleiter Christian Wolf ganz links mit Mitarbeitern des Lippeverbands in der Kläranlage. Foto: Alexander Fichtner

Ein Ort, an dem sonst kaum jemand Zutritt hat, wurde am Sonntag zum Besuchermagneten: Der Lippeverband hatte anlässlich seines 100 jährigen Bestehens zum Tag der offenen Tür in die Kläranlage Dorsten Holsterhausen eingeladen. Zwischen 11 und 16 Uhr nutzten über 1000 Gäste die Gelegenheit, die Anlage an der Baldurstraße 75 aus nächster Nähe kennenzulernen.

Bei Führungen durch die Kläranlage, Einblicken in das Pumpwerk Hammbach, Kinderaktionen und gastronomischen Angeboten zeigte sich: Abwasserreinigung ist weit mehr als ein technischer Vorgang im Verborgenen. Sie ist ein zentraler Baustein moderner Daseinsvorsorge.

Ein sonst verschlossener Ort öffnet seine Tore

Besonders gefragt waren die rund 45 minütigen Führungen über das Gelände. Betriebsleiter Christian Wolf erklärte den Besuchern, was mit dem Abwasser geschieht, nachdem es aus Haushalten, Betrieben und Industrie in die Kanalisation gelangt.

Die Tore die sonst verschlossen sind öffneten sich für Besucher. Foto: Alexander Fichtner

„Viele Menschen wissen gar nicht, welche Technik und wie viel Verantwortung hinter einer modernen Kläranlage stecken“, sagte Wolf während einer Führung. „Heute können wir zeigen, wie sorgfältig jeder einzelne Reinigungsschritt funktioniert.“

Das Interesse war entsprechend groß. Immer wieder blieben Gruppen an Becken, Pumpen und Steueranlagen stehen, stellten Fragen und zeigten sich überrascht von der Dimension des Betriebs. Das Klärwerk Dorsten Holsterhausen stammt aus dem Jahr 1977 und wurde zuletzt 2001 ausgebaut. Es ist auf 137.000 Einwohnerwerte ausgelegt. Gemeint sind damit nicht nur Menschen, sondern auch gewerbliche und industrielle Einleiter.

Die Führungen waren beliebt. Foto: Alexander Fichtner

Jährlich werden hier mehr als zehn Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt. Im normalen Betrieb strömen abends etwa 100 Liter pro Sekunde, tagsüber rund 200 Liter pro Sekunde in die Anlage. Bei Regenereignissen kann die Menge deutlich steigen.

Vom Schmutzwasser zum gereinigten Wasser im Klärwerk

Eine moderne Kläranlage arbeitet in mehreren Stufen. Zunächst wird das ankommende Abwasser mechanisch gereinigt. Rechen halten grobe Stoffe wie Feuchttücher, Papier oder andere Fremdkörper zurück. Danach setzen sich im Sandfang schwerere Bestandteile wie Sand und Kies ab. In Vorklärbecken können weitere Schwebstoffe entfernt werden.

Foto: Alexander Fichtner

Anschließend beginnt der biologische Teil der Reinigung. In großen Belebungsbecken übernehmen Mikroorganismen die Hauptarbeit. Sie bauen organische Stoffe ab und helfen dabei, Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor zu reduzieren. Damit diese Prozesse funktionieren, wird Sauerstoff eingebracht und die Anlage genau gesteuert.

Beginn der Führung. Foto: Alexander Fichtner

Im Nachklärbecken trennt sich der belebte Schlamm vom gereinigten Wasser. Das klare Wasser kann danach in ein Gewässer abgegeben werden. Der entstehende Klärschlamm wird weiterbehandelt. In Dorsten Holsterhausen spielt dabei auch Energiegewinnung eine wichtige Rolle: Rund 75 Prozent des Energiebedarfs werden aus erneuerbaren Quellen gedeckt, unter anderem durch Solarenergie und selbst gewonnenes Biogas.

Pumpwerk, Parkour und Programm für Familien

Neben den Führungen durch die Kläranlage bot der Lippeverband auch einen Shuttle zum Pumpwerk Hammbach an. Dort erhielten Besucher bei rund 30 minütigen Führungen weitere Einblicke in die wasserwirtschaftliche Infrastruktur der Region.

Dank der Schnellzeichner konnte man ein Andenken mitnehmen. Foto: Alexander Fichtner

Auch Familien kamen auf ihre Kosten. Eine Parkour Runner Show sorgte für Bewegung und Staunen, während Schnellzeichner, Ballonkunst und Glitzertattoos besonders bei jüngeren Gästen gut ankamen. Dazu gab es verschiedene gastronomische Angebote, darunter auch vegane Optionen.

„Wir wollten eigentlich nur kurz vorbeischauen, sind dann aber viel länger geblieben“, sagte eine Besucherin. „Man sieht diesen Ort sonst nie von innen. Gerade das macht ihn so spannend.“

Gelungene Veranstaltung mit nachhaltigem Eindruck zur Kläranlage

Trotz begrenzter Parkplätze verlief der Besucherstrom geordnet. Der Lippeverband hatte im Vorfeld empfohlen, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen. Viele Gäste folgten diesem Hinweis.

Blick über die Becken. Foto: Alexander Fichtner

Am Ende stand eine gelungene Veranstaltung, die Technik, Umweltbildung und Familienprogramm miteinander verband. Der Tag der offenen Tür machte sichtbar, wie viel Arbeit nötig ist, bevor gereinigtes Wasser wieder in den natürlichen Kreislauf zurückkehren kann.

Ein Besucher brachte es auf den Punkt: „Man dreht zu Hause den Wasserhahn auf oder spült ab und denkt nicht weiter darüber nach. Nach so einer Führung sieht man das mit anderen Augen.“

Am Ende bleibt Klärschlamm der weiterverarbeitet wird. Foto: Alexander Fichtner

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