Ich bin ein Musterbeispiel gelebter Ökumene. Warum ich das im Weiteren noch erläutere: Weil ich hier schon einmal dem möglicherweise gleich aufkeimenden Protest, ich sei parteiisch, im Keim ersticken möchte.
Mein Vater war katholisch, meine Mutter evangelisch. Wir Kinder wurden evangelisch getauft. Ich habe das Gymnasium der Ursulinen besucht, verbrachte dort zu Ostern mit den Schwestern die Einkehrtage im Konvent. Ich kann das Glaubensbekenntnis und das Vater unser auswendig in allen Versionen beten, vertrage den Geruch des Weihrauchs und weiß, wann man sich bei den unterschiedlichen Konfessionen zu welcher Formel hinkniet, setzt oder stellt.
„Parteiisch“ bin ich also keinesfalls. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass in der evangelischen Kirche einfach servicefreundlicher kommuniziert wird. Aufgefallen ist mir das kürzlich wieder bei einem gefühlsintensiven Wochenende, als ich an einem Samstag an einer Beerdigung in einer katholischen, und am darauffolgenden Sonntag an einer Konfirmation in einer evangelischen Kirche teilgenommen habe.
Kirchen-Karaoke
Die beide Pastöre in der evangelischen Kirche informierten die Kirchenbesucher bei der Begrüßung über den Ablauf des Gottesdienstes. Sie stellten die wichtigsten Personen vor und wiesen freundlich auf organisatorische und technische Regeln hin: „Bitte nicht während der Konfirmation fotografieren und vergessen Sie nicht, die Handys nach dem Gottesdienst wieder einzuschalten!“ Auch zwischendurch gab es dankbar angenommene Hilfestellungen zum angemessenen Verhalten: Zum Gebet bitte erheben, zum Singen wieder setzen! Apropos Mitsingen: Wer den Text nicht kannte oder zur Hand hatte – kein Problem: Jeder Liedtext wurde per Beamter für jeden sichtbar auf die Leinwand am Altar eingespielt – so eine Art Kirchen-Karaoke.
Navi im Kirchenraum
Ganz anders in der katholischen Kirche: Selten-Kirchgänger und unkundige Ortsfremde haben da schon ihre liebe Not, den Gepflogenheiten zu genügen. Was wird von mir erwartet, was muss ich jetzt tun? An dieser Unsicherheit litt auch die angespannte Dame, die auf der Kirchenbank hinter mir festgewurzelt war. Sie schien paralysiert, zur vollkommenen Reaktionslosigkeit verbannt. Sie war selbst nicht in der Lage, das Handy stummzuschalten, das automatisch im 10-Minuten-Turnus immer wieder mit der Stimme des Navigationssystems aus ihrer Handtasche zu ihr sprach.
„Mensch, jetzt schalte endlich dieses dämliche Handy stumm“, versuchte ich nonverbal, mit eindringlichem Blickkontakt über die Schulter mit ihr zu kommunizieren – ohne Erfolg. Wie hätte ich mir in diesem Moment gewünscht, dass der Pfarrer zu Beginn des Auferstehungsamtes in protestantischer Manier auf das Stummschalten des Handys hingewiesen hätte.
Aber nein – so saß auch ich angespannt und verkrampft in meiner Bank und betete zu Gott, dass sich nicht bei der Prozession zur Austeilung des Abendmahles wieder die Navi-Stimme aus der Tasche mit dem immergleichen Satz meldete: „Bitte nach 50 Metern rechts abbiegen!“




























