Nach rund 16 Stunden Busfahrt, vielen Pausen und einer großen Portion Vorfreude sind die Band des Gymnasiums Petrinum, das Schulorchester des Gymnasiums St. Ursula und Mitglieder des Freundeskreises Rybnik in Polen angekommen. Ziel der Reise war Dorstens Partnerstadt Rybnik, mit der Dorsten seit 1994 offiziell verbunden ist.
Diese Partnerschaft ist weit mehr als ein Eintrag in städtischen Chroniken. Seit vielen Jahren pflegen Bürgerinnen und Bürger beider Städte enge Kontakte. Der Freundeskreis Rybnik trägt wesentlich dazu bei, diese Verbindung lebendig zu halten. Er fördert Begegnungen zwischen Vereinen, Schulen, Wirtschaft und Bürgerschaft und organisiert regelmäßig Fahrten nach Rybnik, an denen Interessierte teilnehmen können.
Ankommen mit Pizza, Pierogi und Musik
Schon der erste Tag zeigte, worum es bei dieser Reise ging: um Begegnung, Neugier und gemeinsames Erleben. Nach der langen Fahrt wartete zunächst eine Stärkung mit Pizza in der beeindruckenden Musikschule von Rybnik. Danach blieb Zeit für einen ersten Stadtbummel, der einige der Teilnehmenden auch in die Basilika St. Antonius führte.
Am Abend standen Pierogi auf dem Tisch, die wohl bekannteste polnische Nationalspeise. Die geplante Probe des Orchesters musste wegen länger andauernder Abschlussprüfungen zwar ausfallen, doch die Petrinum Band fand kurzerhand eine Alternative. In einem Pub wurde gejammt. Aus der Planänderung wurde ein musikalischer Moment, wie er besser kaum zu einer solchen Reise passen könnte.
Ausflug von Rybnik nach Wisła
Der zweite Tag führte die Gruppe in das Bergstädtchen Wisła, einen bekannten Ort in der schlesischen Bergwelt. Wisła ist in Polen unter anderem für seine lutherischen Kirchen und den Wintersport bekannt. Auch der frühere Skispringer Adam Małysz stammt von dort. Eine Schokoladenstatue erinnert an den Sportler.
Mit einer auffällig grünen Bahn ging es von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Auf dem Programm standen unter anderem die Skisprungschanze, die auch im Sommer genutzt werden kann, ein kleiner Wasserfall mit dem Spitznamen Wisłagara sowie ein schlossartiges Anwesen, in dem der polnische Präsident regelmäßig Urlaub macht. Von einem Café aus bot sich ein weiter Blick in die Landschaft.

Nach freier Zeit zum Bummeln ging es für die bunt gemischte Dorstener Gruppe weiter zum Schnitzelessen. Zurück in Rybnik konnten die Teilnehmenden ihre Złoty in einem der Shoppingcenter ausgeben oder auf dem Marktplatz professionellen Blasorchestern und Big Bands beim Internationalen Brass Festival zuhören.
Der Marktplatz wird zur Bühne
Der Samstag, 13. Juni 2026, stand ganz im Zeichen von Musik und Völkerverständigung. Am Vormittag konnte das Schulorchester des Gymnasiums St. Ursula endlich im schönen Saal der Musikschule proben. Parallel bereitete sich die Band des Gymnasiums Petrinum in einem anderen Raum auf den Auftritt vor. Bei mehreren Stücken wirkten Schülerinnen und Schüler beider Schulen gemeinsam mit.

Erst einSoundcheck auf dem Marktplatz danach wurde es ernst. Die Spannung stieg, die Konzertkleidung saß, die Instrumente waren bereit. Um 17 Uhr begann dann der große Auftritt vor gut gefüllten Sitzplätzen.

Das Schulorchester des Gymnasiums St. Ursula eröffnete unter der Leitung von Frau Schürmann mit „We are the Champions“. Danach erklangen die deutsche und die polnische Nationalhymne. Die Band des Gymnasiums Petrinum unter der Leitung von Musiklehrer Herrn Koriath begeisterte das Publikum mit „Englishman in New York“, „Feel“ und „La vie en rose“. Die Arrangements stammten von Abiturient Jonas Overbeck.
Anschließend spielte das Rybniker Blasorchester unter der Leitung von Frau Kania unter anderem Filmmusiken von John Williams. Adam Juzek, der erste Vorsitzende des Freundeskreises Rybnik, übergab den Verantwortlichen des Austauschs einen Wimpel als Erinnerung an diese besondere Begegnung.

Gänsehaut bei der polnischen Hymne
Einer der bewegendsten Momente des Nachmittags entstand ganz plötzlich. Als die Menschen auf dem Marktplatz die Melodie der polnischen Nationalhymne erkannten, erhoben sie sich und sangen gemeinsam mit. Aus einem Konzert wurde für einen Augenblick ein starkes Bild europäischer Verbundenheit.
Genau solche Augenblicke zeigen, warum Städtepartnerschaften wichtig sind. Sie entstehen nicht nur durch Urkunden, Empfänge und offizielle Besuche. Sie wachsen durch gemeinsame Musik, durch Gespräche, durch Reisen, durch Jugendliche, die miteinander auftreten, und durch Menschen, die bereit sind, sich aufeinander einzulassen.
Erinnerung an einen gemeinsamen Apfelbaum in Rybnik
Auch ein stilles Symbol der Partnerschaft rückte während der Reise noch einmal in den Blick. Adam Juzek besichtigte den Apfelbaum, den er am 14. August 2019 gemeinsam mit den Bürgermeistern der Städte Dorsten und Rybnik gepflanzt hatte. Der Baum steht sinnbildlich für eine Freundschaft, die gepflegt werden muss, damit sie wachsen kann.

Freundschaft als gelebte Demokratie
Nach dem Konzert und einer bewegenden Verabschiedung von der polnischen Organisatorin Magda, liebevoll „the pink lady“ genannt, trat die Dorstener Gruppe am Sonntagmorgen zufrieden die fast 15 stündige Rückreise an.

Der Freundeskreis Rybnik leistet eine großartige Arbeit für die Städtepartnerschaft zwischen Dorsten und Rybnik. Er bringt Menschen zusammen, schafft Begegnungen und hält eine Verbindung lebendig, die gerade in unserer Zeit von großer Bedeutung ist. Denn länderübergreifende Freundschaft ist mehr als ein schönes Zeichen. Sie ist gelebte Demokratie und ein Beitrag dazu, Europa im Alltag erfahrbar zu machen.




























