StartServiceVerbraucherzentrale Dorsten: Energieverträge und digitale Fallen bestimmen das Jahr

Verbraucherzentrale Dorsten: Energieverträge und digitale Fallen bestimmen das Jahr

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Die Verbraucherzentrale Dorsten hat 2025 erneut mehr als 3.000 Anliegen bearbeitet. Bei der Vorstellung des Jahresberichtes machte Beratungsstellenleiterin Ruth Pettenpohl deutlich, wie stark sich die Arbeit verändert hat. Energiefragen bleiben der mit Abstand größte Themenbereich, doch digitale Verträge, Fakeshops und kostenpflichtige Formularhilfen beschäftigen immer mehr Menschen.

Insgesamt wandten sich im vergangenen Jahr 3.253 Verbraucher mit ihren Anliegen an die Beratungsstelle Dorsten. In 1.161 Fällen ging es um Rechtsberatungen oder Rechtsvertretungen. Hinzu kamen 27 Veranstaltungen mit 1.237 Kontakten. „Gut die Hälfte“ der Anfragen, so Pettenpohl, betraf Energiethemen. Im Jahresbericht werden sie mit 48 Prozent als stärkster Beratungsbereich ausgewiesen. Dahinter folgen Alltagsverträge und Reklamationen mit 30 Prozent, die digitale Welt mit neun Prozent, Mietrecht mit sieben Prozent sowie Geld und Versicherungen mit vier Prozent.

Westnetz bleibt ein großes Thema

Ein Schwerpunkt der Beratung liegt weiterhin bei Problemen rund um Energie, Messstellen und Netzbetreiber. Besonders häufig geht es dabei um Westnetz. Wer etwa für eine Wärmepumpe einen speziellen Tarif nutzen, ein E-Auto an einer Wallbox laden oder ein intelligentes Messsystem für dynamische Stromtarife verwenden möchte, ist auf funktionierende Abläufe beim Messstellenbetreiber angewiesen.

In der Praxis erleben Betroffene nach Angaben der Verbraucherzentrale aber immer wieder lange Wartezeiten, schleppende Bearbeitung und schwer erreichbare Ansprechpartner. Die Beratungsstelle Dorsten hat in diesem Bereich inzwischen viel Erfahrung gesammelt. Dadurch sei sie für viele Betroffene zu einem wichtigen Ansprechpartner geworden, sagte Pettenpohl.

Auch beim Blick nach vorn dürfte der Energiebereich weiter wichtig bleiben. Als absehbare Themen nannte Pettenpohl unter anderem die Solarpflicht bei Dachsanierungen und weiterhin Fragen rund um Glasfaseranschlüsse.

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Ruth Pettenpohl, Verbraucherzentrale Dorsten. Foto: Borgwardt

Wenn Formulare plötzlich teuer werden

Ein wachsendes Problem sind kostenpflichtige Ausfüllhilfen im Internet. Viele Menschen suchen über Google nach Formularen für Behörden oder öffentliche Dienstleistungen. Statt direkt auf den Seiten der zuständigen Stellen landen sie dabei auf gewerblichen Angeboten. Dort werden Leistungen verkauft, die häufig auch kostenlos oder deutlich günstiger direkt beim Anbieter möglich wären.

Typische Beispiele sind Nachsendeaufträge, Schufa-Auskünfte, Anträge auf Kinderzuschlag, Wohngeld oder Änderungen beim Rundfunkbeitrag. Die Seiten wirken oft professionell und stehen als bezahlte Anzeigen weit oben in den Suchergebnissen. Die Kosten sind für Nutzer nicht immer sofort erkennbar, sondern verstecken sich mitunter in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

So kann ein Nachsendeauftrag, der bei der Post rund 30 Euro kostet, über einen solchen Dienstleister schnell etwa 130 Euro kosten. Kommen Mahngebühren hinzu, können daraus noch höhere Summen werden. Pettenpohl betonte, dass nicht nur besonders leichtgläubige Menschen betroffen seien. „Es sind ganz normale Menschen, die darauf reinfallen. Sie sind einfach ins falsche Geschäft gegangen“, sagte sie. Für viele sei anschließend schon der Gedanke an einen Rechtsstreit eine große Hürde.

Die Verbraucherzentrale hilft in solchen Fällen mit Einschätzungen, Musterbriefen und rechtlicher Unterstützung. Vor Gericht vertreten kann sie einzelne Betroffene allerdings nicht. In bestimmten Fällen verweist sie aber auf Sammelklagen, denen sich Verbraucher anschließen können.

Digitale Verträge und Reklamationen werden wichtiger

Auch digitale Verträge und Reklamationen nehmen in der Beratung weiter an Bedeutung zu. Das Konsumverhalten verlagert sich immer stärker ins Internet. Damit steigen auch die Probleme: ausbleibende Lieferungen, schlechte Produktqualität, versteckte Kosten, undurchsichtige Vertragsmodelle oder Schwierigkeiten mit Zahlungsdienstleistern.

Ein Beispiel sind Fakeshops. Sie bieten Waren an, die gar nicht geliefert werden, täuschen teilweise Versandvorgänge vor und setzen häufig auf Vorkasse. Weil Produktbilder und Texte seriöser Anbieter kopiert werden, wirken solche Seiten auf den ersten Blick oft glaubwürdig. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Internetadresse, Impressum, Geschäftsbedingungen, Gütesiegel und Bewertungen genau zu prüfen. Zusätzlich bietet sie einen kostenlosen Fakeshop-Finder an.

Auch der Käuferschutz großer Zahlungsdienstleister war 2025 ein Thema. Viele Verbraucher verlassen sich beim Einkauf mit PayPal, Klarna oder Amazon Pay darauf, im Streitfall abgesichert zu sein. In der Beratung zeigt sich jedoch immer wieder, dass dieser Schutz nicht in jedem Fall greift. Dann müssen Betroffene ihre Rechte auf anderem Weg geltend machen, etwa über die gesetzliche Gewährleistung.

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Sonja Lichtenberg, Verbraucherzentrale Dorsten. Foto: Borgwardt

Ärger um private Parkplätze

Ein weiteres Thema, das auch in Dorsten immer wieder auftaucht, ist die private Parkraumbewirtschaftung vor Geschäften. Viele Kunden fühlen sich ungerecht behandelt, wenn sie nach dem Einkauf eine Zahlungsaufforderung erhalten, weil sie gegen Parkregeln auf privaten Flächen verstoßen haben sollen.

Die Verbraucherzentrale kann solche Fälle rechtlich einordnen und Betroffenen erklären, welche Möglichkeiten sie haben. Zugleich zeigt das Thema, wie schnell Alltagsverträge und scheinbar kleine Regelverstöße zu spürbarem Ärger führen können.

Patientenakte, Glasfaser und neue Verbraucherfragen

Neben Energie, Verträgen und Internetfallen beschäftigte sich die Beratungsstelle auch mit der elektronischen Patientenakte. Viele Versicherte wollten wissen, welche Daten dort gespeichert werden, wer Zugriff darauf hat, welche Funktionen es gibt und wie ein Widerspruch möglich ist.

Der Jahresbericht zeigt insgesamt, dass die Arbeit der Verbraucherzentrale komplexer wird. Neue Gesetze, digitale Geschäftsmodelle und verschachtelte Verträge machen viele Fälle schwieriger. Zugleich wächst der Bedarf an verständlicher Orientierung. Die Beratungsstelle versteht sich dabei nicht nur als Hilfe im Einzelfall, sondern auch als Sensor für Entwicklungen im Markt.

Für Ruth Pettenpohl bleibt deshalb entscheidend, Verbraucher frühzeitig zu informieren und ihnen realistische Handlungswege aufzuzeigen. Denn viele Probleme beginnen nicht erst mit der Rechnung oder Mahnung, sondern schon dort, wo Menschen im Internet auf ein professionell wirkendes Angebot klicken und glauben, an der richtigen Stelle zu sein.

Details in Kürze

Die Verbraucherzentrale Dorsten bearbeitete 2025 insgesamt 3.253 Verbraucheranliegen. Davon entfielen 1.161 auf Rechtsberatungen und Rechtsvertretungen. Die Beratungsstelle organisierte 27 Veranstaltungen und erreichte dabei 1.237 Kontakte. Größter Beratungsbereich war Energie mit 48 Prozent der Anfragen. Danach folgten Alltagsverträge und Reklamationen mit 30 Prozent, digitale Themen mit neun Prozent, Mietrecht mit sieben Prozent sowie Geld und Versicherungen mit vier Prozent.

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