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Akku in der falschen Tonne: Nach Brand bei Humbert warnen Stadt und KSD vor gefährlichem Müll

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Es beginnt mit einem kleinen Flämmchen im Altpapier. Kaum sichtbar, fast harmlos. Wenige Sekunden später lodert es an mehreren Stellen. Dann breitet sich das Feuer so schnell aus, dass klar wird: Das ist kein Brand, den man mal eben mit eigenen Mitteln in den Griff bekommt.

Genau diesen Moment zeigte die Firma Humbert Entsorgung am Dienstag bei einem Pressegespräch auf ihrem Gelände an der Wienbecke in Dorsten-Hervest. Der Brand vom 7. Juli war glimpflich ausgegangen. Doch er hätte auch ganz anders enden können. Deshalb wollten Unternehmen, Stadt Dorsten und Kommunaler Servicebetrieb Dorsten nicht nur über den Einsatz sprechen, sondern vor allem über eine wachsende Gefahr: Lithium-Ionen-Akkus und Batterien im Müll.

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Erster Brand nach zwölf Jahren am Standort

„Der Brand, der am letzten Dienstag hier entstanden ist, ist zum ersten Mal passiert“, sagte Johannes Humbert, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Seit zwölf Jahren ist die Firma an diesem Standort tätig, zuvor habe es dort keinen vergleichbaren Brand gegeben. Umso deutlicher fiel sein Dank an die Feuerwehr aus: „Die waren tatsächlich innerhalb von fünf Minuten hier am Standort und haben verhindert, dass größere Schäden an der Umschlaghalle passieren.“

Brand bei Humbert Entsorger in Dorsten-Hervest
Foto: Oliver Borgwardt

Gebrannt hatte eine größere Menge Altpapier, das bei Humbert im Auftrag des KSD gelagert wurde. Vermutet wird, dass Batterien oder Lithium-Ionen-Akkus in der blauen Tonne gelandet waren und so mit dem Papier angeliefert wurden. Für Humbert ist das kaum zu verhindern: „Wir selbst können nichts machen, wenn mit der blauen Papiertonne Material geliefert wird, was da nicht hineingehört.“ Solche Stoffe seien „Brandbeschleuniger“, die enorme Schäden anrichten könnten.

Video zeigt rasante Ausbreitung

Wie schnell aus einem kleinen Entstehungsbrand eine ernste Lage werden kann, erklärte Betriebsleiter Michael Lievertz anhand eines Überwachungsvideos aus der Halle. Es zeigt zunächst einen normalen Betriebsablauf: Altpapier wird verladen, ein Container steht bereit, ein Mitarbeiter ist mit Routinearbeiten beschäftigt. Dann ist am Rand des Papierhaufens ein erstes kleines Flämmchen zu sehen.

Beim Laden des Videos werden Daten an YouTube/Google übermittelt.

„Wenn man natürlich nicht direkt hinguckt, sondern mit anderen Tätigkeiten beschäftigt ist, sieht man das in dem Moment eigentlich noch gar nicht“, schilderte Lievertz. Kurz darauf treten bereits weitere Flammen auf. Für ihn ist ein entscheidender Punkt: Die eigentliche Brandentstehung lag offenbar nicht an der Oberfläche, sondern darunter. „Das heißt, die eigentliche Brandentstehung war quasi unterhalb der Oberfläche.“

Nach etwa 40 Sekunden habe die Branddetektion angeschlagen. Wenig später sei klar gewesen, dass der Brand nicht mehr mit eigenen Mitteln zu beherrschen war. „Da brauchen wir Hilfe und Unterstützung“, sagte Lievertz rückblickend über den Moment, in dem die Feuerwehr alarmiert wurde.

Mitarbeiter versuchten, den Brandherd zu isolieren

Zunächst versuchten die Mitarbeiter, den Brandherd aus dem Material herauszuziehen und zu isolieren. Mit einem Umschlagbagger wurde das Papier auseinandergezogen, um die brennenden Bereiche zu erreichen. Doch das Feuer flammte immer wieder auf. „Was wir jetzt immer wieder sehen werden, ist, dass das sofort wieder aufwacht“, erklärte Lievertz beim Blick auf die Aufnahmen.

Die Hitze war enorm. Eine Kamera in rund acht Metern Höhe wurde durch die thermische Einwirkung zerstört. Lievertz schätzte, dass dort Temperaturen von 150 bis 180 Grad erreicht wurden. Dass der Brand nicht auf weitere Lagerbereiche übergriff, lag offenbar auch an den massiven Betonwänden zwischen den einzelnen Boxen. Neben dem Altpapier lagerten unter anderem Holz und Baumischabfall. „Da können wir von Glück reden“, sagte Lievertz.

Michael Lievertz zeigt die von der Hitze zerstörte Überwachungskamera. Foto: Borgwardt

„Abfall hat sich verändert“

Für Karsten Meyer, den zuständigen Beigeordneten der Stadt Dorsten für den KSD, ist der Brand ein Warnsignal. Es gehe nicht nur um Sachschäden, sondern um den Schutz von Menschenleben. Man habe gesehen, „in welcher Geschwindigkeit sich Feuer ausbreitet“. Wenn so etwas in einer Sortieranlage passiere, in der Menschen arbeiten, sei das eine „absolute Gefahr“.

Meyer machte deutlich, dass die Müllentsorgung heute mit anderen Risiken zu tun hat als früher. „Abfall hat sich geändert“, sagte er. Früher habe man klassisch Papier, Metall oder Glas entsorgt. Heute stecke in vielen weggeworfenen Gegenständen Energie. „Weil Abfall sich verändert hat, müssen wir auch unseren Umgang mit Abfall natürlich ein bisschen verändern.“

Die Anwesenden betrachten ernst, wie schnell sich der Brand ausbreiten konnte. Foto: Borgwardt

Dabei gehe es nicht nur um den einzelnen Brand, sondern auch um das Bewusstsein im Alltag. „Allzu sorglos wird an der einen oder anderen Stelle einfach noch mit einer E-Zigarette oder anderen Dingen umgegangen, die möglicherweise solche Akkus enthalten“, sagte Meyer. Wenn solche Produkte im Papiermüll landen, gehörten sie genau dort hin, wo sie nicht sein dürften.

Schon 2025 brannte ein Sperrmüllfahrzeug

Dass Dorsten mit dieser Gefahr nicht zum ersten Mal konfrontiert ist, zeigte bereits ein Vorfall im September 2025. Damals quoll während einer Sperrmülltour im Stadtsfeld plötzlich Rauch aus der Müllpresse eines KSD-Fahrzeugs. Die Mitarbeiter reagierten schnell, steuerten den Lkw aus dem Wohngebiet und kippten die Ladung auf einer freien Fläche ab. Die Feuerwehr konnte den brennenden Sperrmüll löschen, Personen kamen nicht zu Schaden.

Der Sperrmüll konnte noch rechtzeitig gelöscht werden. Foto: Stadt Dorsten

Ronny Langenbusch, Teamleiter Logistik beim KSD, erinnerte bei der Pressekonferenz daran, wie knapp auch dieser Vorfall ausging. Die Fahrer hätten „geistesgegenwärtig“ gehandelt und die Ladung an einer Stelle abgekippt, an der weder Fahrzeug noch Bürger oder Häuser gefährdet wurden. „Auch da haben wir enormes Glück gehabt, dass es rechtzeitig erkannt wurde“, sagte Langenbusch.

Später habe der KSD den abgebrannten Haufen noch einmal durchsucht. Das Ergebnis war erschreckend: „Wir haben in diesem Haufen ungefähr um die 15 Batterien und Lithium-Ionen-Akkus herausgefischt“, berichtete Langenbusch. Für ihn zeigt das vor allem eines: „Das zeigt uns ein bisschen die Sorglosigkeit der Leute, die die Sachen dann auch einfach wegwerfen.“

Im Sperrmüll gefundene Akkus. Foto: Stadt Dorsten

Vapes als unterschätztes Problem

KSD-Geschäftsführer Antonius von Hebel sieht die Entwicklung seit Jahren mit Sorge. Die Problematik sei „eigentlich schon länger bekannt“. Kommunale und private Entsorger hätten gemeinsam mit dem Deutschen Feuerwehrverband bereits auf die besonderen Gefahren hingewiesen.

Besonders problematisch seien elektrische Einweg-Zigaretten, sogenannte Vapes. Sie enthalten kleine Lithium-Ionen-Akkus und landen trotzdem häufig im normalen Müll. Werden sie gepresst oder beschädigt, können sie Feuer auslösen. „Die sind in der Regel im Hausmüll“, sagte von Hebel. Wenn sie dort gepresst oder beschädigt würden, „fangen die an zu brennen“.

Seit dem 1. Juli müssen Verkaufsstellen, die solche Produkte anbieten, gebrauchte Vapes auch wieder zurücknehmen und getrennt entsorgen. Dazu gehören etwa Kioske, Tankstellen, Supermärkte oder andere Händler. „Alle Verkaufsstellen, die diese Zigaretten verkaufen, sind auch verpflichtet, die eingeführten Zigaretten wieder zurückzunehmen“, erklärte von Hebel.

Falsche Entsorgung kann teuer werden

Der falsche Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus gefährdet nicht nur Einsatzkräfte, Mitarbeiter und Fahrzeuge. Er kann am Ende auch alle Bürger teuer zu stehen kommen. Meyer machte deutlich: Wenn Entsorger ihre Arbeitsweise ändern, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen treffen oder mehr Aufwand betreiben müssen, entstehen Kosten. „Das würde dann wiederum steigende Müllgebühren bedeuten, was wir, glaube ich, alle irgendwie auch vermeiden wollen“, sagte Meyer.

Von Hebel sprach zudem von wachsenden Anforderungen an Brandschutz, Brandmeldeanlagen, Löschtechnik und Versicherungen. In der Entsorgungsbranche werde der Versicherungsschutz für solche Risiken zunehmend schwieriger und teurer. „Die Prämien sind so hoch, dass es sich wirtschaftlich einfach überholt“, sagte er über Fälle aus der Branche. Zusätzliche Anforderungen an Brandschutz und Technik könnten Investitionen im siebenstelligen Bereich nötig machen.

Foto: Oliver Borgwardt

Akkus gehören nicht in Restmüll, Papier oder Sperrmüll

Der Appell von Stadt, KSD und Humbert ist deshalb eindeutig: Akkus, Batterien und Elektrogeräte mit fest verbauten Energiespeichern gehören nicht in den Restmüll, nicht in die Papiertonne und nicht in den Sperrmüll. Sie müssen getrennt gesammelt und abgegeben werden.

„Bitte bewahren Sie diese Lithium-Ionen-Batterien. Gehen Sie sehr sorgsam, sehr sorgfältig mit diesen Batterien um“, appellierte von Hebel. Sie dürften nicht mit Restmüll, Papier oder Sperrmüll vermischt werden. Im Idealfall sollten sie beim Wertstoffhof abgegeben werden.

Möglich ist die Abgabe außerdem beim Schadstoffmobil und überall dort, wo Batterien und Akkus verkauft werden. Händler sind verpflichtet, alte Batterien und Akkus zurückzunehmen und einer sachgerechten Entsorgung zuzuführen.

Am Wertstoffhof hat der KSD die Abläufe bereits verschärft. Bürger legen Lithium-Ionen-Batterien dort nicht mehr selbst in Sammelbehälter. Stattdessen werden sie auf einen Tisch gelegt, damit Fachpersonal die richtige Zuordnung übernimmt.

Kleine Batterie, große Gefahr

Der Brand bei Humbert ist glimpflich ausgegangen. Die Feuerwehr war schnell vor Ort, die bauliche Trennung der Lagerbereiche half, und die Mitarbeiter reagierten richtig. Doch das Video aus der Halle macht deutlich, wie wenig Zeit im Ernstfall bleibt.

Ein falsch entsorgter Akku kann im privaten Haushalt unscheinbar wirken. In einem Müllfahrzeug, in einer Papierhalle oder in einer Sortieranlage kann er zur Zündquelle werden. Oder wie es Langenbusch mit Blick auf die Entsorgung im Freien und die aktuellen Temperaturen deutlich machte: Wenn so ein Feuer auf die Umgebung übergreift, könne es sehr schnell sehr gefährlich werden.

Wer Akkus richtig entsorgt, schützt deshalb nicht nur die Umwelt. Er schützt auch Mitarbeiter, Einsatzkräfte, Fahrzeuge, Betriebe und am Ende den eigenen Geldbeutel.

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