Was war 2018 wichtig, was wird 2019 wichtig? Bürgermeister Tobias Stockhoff zieht Bilanz und blickt auf das neue Jahr
„Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs neue. Und war es schlecht – ja dann erst recht”, soll der Physiker Albert Einstein gereimt haben.

Zum Jahreswechsel ziehen viele Menschen Bilanz. Was haben die letzten zwölf Monate gebracht? Was wird in den kommenden zwölf Monaten wichtig?
Bürgermeister Tobias Stockhoff blickt zurück auf prägende Themen des letzten Jahres und gibt einen Ausblick auf Fragen, die die Stadt 2019 beschäftigen werden.
2018 . . .
Kommunale Ordnungsdienst
. . . ist der Kommunale Ordnungsdienst – kurz KOD – an den Start gegangen. Statt Politessen, Radarwagenfahrern und anderen Spezialisten gibt es nun ein Team, das sich um Ordnungsfragen kümmert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen bewusst Uniform, die Fahrzeuge erinnern an Polizeiautos.
Wir wollen damit signalisieren: Es gibt verbindliche Regeln, die für alle in Dorsten gelten. Diese Regeln einzuhalten und ihre Einhaltung auch zu kontrollieren, ist ein Fundament unserer Gesellschaft. Wir wissen dabei: Wir können das Stadtgebiet nicht rund um die Uhr bzw. lückenlos kontrollieren. Aber wir zeigen natürlich auch dort Präsenz, wo man sie nicht erwartet.
Sanierung Rathaus
. . . hat der Rat der Stadt Dorsten einstimmig den Grundsatzbeschluss gefasst, unser Rathaus zu sanieren und anstelle der bisher angemieteten Büros einen Anbau zu errichten.
An der Sanierung des Rathauses geht kein Weg vorbei. Der Bau aus den 1950ern ist den Sicherheitsstandards der 2000er Jahre längst nicht mehr gewachsen.

Die Baufinanzierung für den Anbau ist nach allen vorliegenden Berechnungen und Begleitung durch die Finanzverwaltung NRW günstiger als jetzt die Miete.
Insofern war der Ratsbeschluss erstens notwendig und zweitens vernünftig. Abgesehen davon: Wir wollen keinen Palast für unsere Verwaltung. Wir brauchen ein Rathaus, dass den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen wie Digitalisierung, Beratung, Bürgerbeteiligung sowie Wettbewerb um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerecht werden kann.
Schullandschaft
. . . ist der Umbau unserer Schullandschaft fortgeschritten: Die Neue Schule ist mit den ersten Fünftklässlern gestartet, die Dietrich-Bonhoeffer- und die Geschwister-Scholl-Hauptschule sind zum neuen Hauptschulzentrum an der Marler Straße gezogen und der Umbau der ehemaligen Geschwister-Scholl-Schule am Nonnenkamp zum neuen Standort der Agatha-Grundschule hat begonnen.
Wo unsere Kinder zur Schule gehen, unter welchen Bedingungen sie lernen: Das sind sensible Fragen. Alle Eltern wollen für ihre Kinder das Beste. Eine Stadt muss dabei aber auch berücksichtigen, dass sich Gesellschaft wandelt.
Weniger Kinder
Die Zahl der Kinder pro Jahrgang hat sich in anderthalb Jahrzehnten von fast 1200 auf rund 600 nahezu halbiert. Die Hauptschule als Schulform – völlig unabhängig von der hervorragenden Arbeit vor Ort! – war zuletzt kaum noch gefragt.
Bei „alten” Standorten wie der Agatha-Schule stellte sich die Frage: Sanierung, Neubau oder Umzug? Dank Förderprogrammen von Bund und Land werden wir in den nächsten drei Jahren rund 20 Millionen Euro in unsere Schulen investieren.
Abschied von der Steinkohle
. . . hat Deutschland sich mit Schließung der letzten Bergwerke in Bottrop und Ibbenbüren endgültig von der Steinkohle-Förderung verabschiedet. Dorsten ist Kohle-Stadt.
Ohne Fürst Leopold und Baldur wären Hervest und Holsterhausen heute noch Dörfer. Ohne die Schächte Wulfen 1/2 gäbe es Barkenberg heute nicht.
Ohne die Schließung von Fürst Leopold hätten wir in den 2000er Jahren nicht das Tal des Strukturwandels durchschritten (und durchlitten), von dem sich Dorsten inzwischen mit einem vitalen Mittelstand gut erholt hat. In dieser hundertjährigen Geschichte liegen Glück und Elend nahe beieinander.

Mit einem Großen Zapfenstreich haben wir im November würdig daran erinnert. Die wunderbare Kolonie in Hervest, das Maschinenhaus des Bergbauvereins und das Creativquartier Fürst Leopold sind bleibende Zeugen dieser großen Geschichte.
Wir machen MITte
. . . haben wir weiter “MITte” gemacht. Das große Förderprogramm zur Erneuerung der Altstadt und von Teilen der Hardt und der Feldmark schreitet voran.

Die Stadtkrone auf Maria Lindenhof – initiiert von Marion Taube – der Bürgerbahnhof, die Neugestaltung der Fußgängerzone sind nur drei von rund 30 Projekten.
Insgesamt werden mit diesem Programm fast 40 Millionen Euro in unsere Stadt investiert, werden über 30 kleine und große Projekte umgesetzt.
Aktuell sind 17 Millionen Euro weiterer Fördermittel bewilligt, davon 10 Millionen allein für die Erneuerung des Bahnhofsgebäudes und seines Umfeldes.
2019 . . .
. . . wird in Dorsten geprägt werden von der Diskussion um Demokratie, Menschenwürde und Respekt.
Wir müssen Populisten die Stirn bieten, die unsere Gesellschaftsform und Grundsätze unserer Verfassung in Frage stellen, die kritisieren, aber keine konstruktiven Beiträge leisten, die keine Probleme lösen, sondern Nichtigkeiten zu Problemen aufblasen.

Ausbau zur Bürgerkommune
Ich freue mich auf viele Veranstaltungen, Diskussionen und Beiträge zu diesem Thema. Wir wollen gemeinsam erarbeiten, was uns wirklich wichtig ist. Auch der Ausbau zur Bürgerkommune geht weiter: Anfang Januar wird sich auf der Hardt eine weitere Stadtteilkonferenz gründen, die anderen Bürgergremien werden ihre exzellente Arbeit fortsetzen.

Wo sich Menschen unentgeltlich und uneigennützig für ihr Umfeld engagieren, verdienen sie auch die Unterstützung der gesamten Stadt. Ich glaube, dass dieser Weg richtig ist. Den Menschen in vielen Dingen Mitverantwortung zu übertragen, löst nicht nur viele Probleme, sondern schafft auch Bindung und ein gutes Wir-Gefühl in Dorsten.
Umsetzung von Förderprogramme
. . . werden wir intensiv daran weiterarbeiten, die vielen Förderprogramme umzusetzen und das Geld zu verbauen, das uns Land, Bund und Europäische Union zur Verfügung stellen. Geld, das wir in Quartiere, Schulen, Infrastruktur investieren können.
Die Digitalisierung unserer Schulen bildet in 2019 und 2020 dabei einen Schwerpunkt. Diese Investitionen weisen den Weg in die Zukunft, sind für die Verwaltung aber ein großer Kraftakt.
Alle Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung sind entschlossen, diesen zu meistern, um unsere Stadt an vielen Stellen positiv weiter zu entwickeln.
Thema Geld
. . . bleibt das Thema Geld erneut Thema. Die Finanzplanung für das neue Jahr ist ausgeglichen und schließt in der Kalkulation sogar mit einem kleinen Überschuss ab.
Allerdings verdanken wir dies auch der guten Konjunktur, die Gewerbe- und Anteile an der Einkommensteuer in die Stadtkasse spült. Zugleich zahlt die Stadt für ihre Verbindlichkeiten praktisch keine Zinsen. Auch wenn wir so Handlungsspielräume gewonnen haben, werden wir doch weiterhin dem Sparkurs der letzten Jahre verpflichtet bleiben.
Insbesondere, um weiterhin Schulden abbauen zu können, die sonst zu einer großen Last für nachfolgende Generationen werden. Genauso wichtig ist dabei, dass wir die Bauunterhaltungsansätze für Gebäude, Straßen oder Brücken konsequent erhöhen werden.
In 2019 wird allein mehr als eine halbe Millionen Euro mehr investiert.
Kinderbetreuung
. . . verbessern wir die Kinderbetreuung in unserer Stadt. In Holsterhausen wird aktuell ein neuer viergruppiger Kindergarten geplant und gebaut.
Für den Bereich Altstadt/Feldmark/Hardt, Hervest und Wulfen sollen in den nächsten Jahren ebenfalls weitere Einrichtungen folgen.

Neben der Stadt investieren auch die kirchlichen Träger in KiTa-Landschaft und damit in die frühkindliche Bildung und Erziehung. Auch der Rechtsanspruch ab dem Jahr 2025 auf OGS-Plätze stellt uns vor Herausforderungen, der wir uns in 2019 mit der Entwicklung eines einheitlichen Konzeptes für die Grundschulen stellen werden.
Breitband-Ausbau
. . . schreitet der Breitband-Ausbau voran. Rhade, Lembeck, Östrich, Wulfen und Deuten werden durch ein privat wirtschaftendes Unternehmen mit Glasfaseranschlüssen bis ans Haus versorgt.

Mit Fördermitteln des Bundes und des Landes werden auch in Außenbereichen gute Anbindungen ermöglicht. In den Ortsteilen, die von Glasfaseranschlüssen bis ans Haus profitieren, war (und ist) die Bauphase sicherlich manchmal holprig und für die Anwohner mit Belastungen verbunden.
Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass hier in kürzester Zeit eine komplett neue Infrastruktur installiert wird, die letztlich der ganzen Stadt zugutekommt.





























