In Erinnerung an den verstorbenen Vater und für ALS ist Robbe aus Marl aktiv
Von Denise Müller
Dorsten. Robert Kik, im Ruhrgebiet eher bekannt unter „Robbe pilgert“, hat schon tausende Kilometer auf seinen zwei Füßen hinter sich gebracht. Heute befindet er sich auf dem Weg Richtung Marl und möchte so nah wie möglich die Stadtgrenze umrunden.

Als ich Robert im Dorf Hervest bei Dauerregen begegne, treffe ich auf einen gutgelaunten Wandervogel, der mich mit den Worten „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ begrüßt. „Ich laufe wirklich bei jedem Wetter gerne und weder hohe Temperaturen noch ein komplett verregneter Tag halten mich vom Weiterlaufen ab.“
Die Geschichte eines Wanderes
Wir suchen uns ein trockenes Plätzchen und der Marler beginnt mir seine Geschichte und die Leidenschaft des Wanderns zu erzählen. Noch bis vor gut zehn Jahren habe er sich nicht vorstellen können, welche Distanzen er zu Fuß hinter sich bringen und als absolute Entspannung empfinden kann.
Diagnose ALS
Im Mai 2008 bekam sein Vater Helmut Kik nach langer Ursachensuche für seine Symptome die Diagnose ALS, eine Krankheit, die immer noch kaum erforscht ist und damals noch überhaupt keine Lobby hatte.
Der Verlauf geht mit Muskelschwäche und –schwund einher und so war klar, dass er seinen langgehegten Wunsch, den Jakobsweg zu laufen, nicht mehr würde verwirklichen können. Hierdurch angespornt nahm sich Robbe vor, genau diesen Weg für seinen Vater zu laufen und ihn durch Fotos und Erzählungen daran teilhaben zu lassen.

Vor der Pilgerreise verstarb Vater Helmut
Noch während der Vorbereitungen zu dieser Pilgerreise schloss Helmut für immer die Augen. Noch zum Schluss versprach ihm sein Sohn, er würde auf ALS aufmerksam machen, würde für diese unbekannte Krankheit sensibilisieren.
So schnürte er seine Schuhe und den Rucksack und machte sich von Irun aus auf den 835 km langen Camino del norte und trug gleich zwei Muscheln an seinem Gepäck, da Robert diesen Weg auch für und mit seinem Vater ging.
Großes Interesse
Auf einer solchen Pilgerreise trifft man auf die unterschiedlichsten Mitstreiter und sobald sie ins Gespräch kamen und Robbe von seinem Vater und der Krankheit, der er erlegen war, erzählte, war das Interesse seiner Gegenüber groß.
So reifte auf dem Jakobsweg die Idee, durch Wandern, durch Begegnungen und Gespräche auf ALS aufmerksam zu machen und so das Versprechen an seinen Vater zu erfüllen. Kik ging in die Vorbereitung seiner nächsten Wandertour und machte sich im Juli 2012 auf den Franziskusweg nach Rom.

Nicht in Florenz, sondern in vor der Haustür gestartet
Anstatt jedoch von Florenz aus zu starten (wie es fast alle tun), begann er seine Pilgerreise vor der Haustür direkt in Marl. Während seines über 1800 im langen Marsches nächtigte er in Kirchen und Klöstern, schlug des öfteren sein Zelt auf oder bekam Obdach bei den verschiedensten Menschen, die er während seiner Wanderung zufällig traf, und wurde überall herzlich aufgenommen und verpflegt.
Große Unterstüzung
„Da ich vollgepackt zu Fuß unterwegs war, kam ich mit den Leuten ganz leicht ins Gespräch. Sobald ich über den Grund meiner Reise erzählte, erfuhr ich überall Unterstützung. Ich habe wirklich phantastische Menschen kennen lernen dürfen“, berichtet Robert Kik mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
Facebook-Seite „Robbe pilgert“
Und die gewollte Aufmerksamkeit bekam er auch. Über seine Facebook-Seite „Robbe pilgert“ war der gewillte Leser zu jeder Zeit im Bilde über den Reiseverlauf und viele seiner Zufallsbekanntschaften posteten auch oft bebildert über ihre Treffen mit dem Wandervogel.
Sein Versprechen hatte er mehr als eingelöst. Nicht nur durch die persönlichen Gespräche auf der Reise und Berichte in den sozialen Medien hatte er ALS ins Bewusstsein gerückt, er war zu Gast im Sat 1 Frühstücksfernsehen und viele lokale Printmedien berichteten über Robbe und sein Anliegen.

Tausend Kilometer durch Deutschland gewandert
Dies sollte jedoch nicht seine letzte Reise zu Fuß sein und so lief er schon viele tausend Kilometer durch Deutschland und plant auch zukünftig Wanderungen in Gedenken an seinen Vater und für die noch immer sehr wenig erforschte Krankheit ALS. Über seine derzeitigen Projekte und Vorhaben informiert er regelmäßig und ausführlich auf der Facebook Seite „Robbe pilgert“.
Doch ist momentan weniger Robbe als eher Robert auf Wanderschaft. „Ich habe jetzt eine Woche Urlaub und kann beim Laufen am besten abschalten und den Kopf frei kriegen.
Zu Fuß von Marl nach Norddeich
Vor mir hat noch niemand Marl an seiner Außengrenze umrundet und so steh ich jetzt hier mit Dir in Hervest und bringe morgen meine etwa 60 km lange Tour zu Ende. Dies ist für mich Entspannung pur.“ Auch den nächsten Urlaub hat er schon verplant: zu Fuß von Marl nach Norddeich.
Aber auch für ALS ist er weiterhin aktiv
Am 02. August startet der Hip Hopper Kevin Maeck Meyer als Opener eines Festivals der besonderen Art am Bikertreff Vogel in Marl.
Am 03. und 04. August spielen dann zehn Bands auf großer Bühne, trifft das Mittelalter auf Star Wars Truppen, ist für das leibliche Wohl gesorgt und Kinder können sich auf dem gesamten Areal und Hüpfburgen austoben.
„Chance zum Leben – ALS e.V.“
Sämtliche Beteiligte verzichten auf Gage und die Spendendose soll auch dieses Jahr wieder prall gefüllt an den Verein „Chance zum Leben – ALS e.V.“ gehen, der Erkrankte und Angehörige unterstützt, indem Therapien und Hilfsmittel mitfinanziert werden und zum Erhalt der Lebensqualität beiträgt und die Chance ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Robert Kik, ein spannender, sehr engagierter Mann, den es sich lohnt im Auge zu behalten.
Kevin mc meyer
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