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Tanzstudio Reece: Kinder müssen trainieren dürfen

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Tanzen ist Berufung

Dorsten. „Viele denken, Tanzen sei ein bisschen Gehopse.“, meint Barrie Reece vom Tanzstudio Reece. Aber Tanzen ist viel mehr als das.

Tanzen ist Leidenschaft. Dahinter steckt eine musikalische Vorausbildung: Disziplin, Kameradschaft, Teamarbeit. Eine korrekte Haltung, Hand-Augen-Koordination und Spatial Awareness. Zu Deutsch: In der musikalischen Vorausbildung lernen die jungen Tänzer und Talente, den vorhandenen Raum richtig auszunutzen.

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All das schenke den Kindern, die im Reece-Tanzstudio tanzen und schwitzen, „extrem viel“ Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, schließt Barrie Reece. Sie ist Mitglied der Royal Academy of Dance, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Doch von Feiern kann wohl keine Rede sein. Durch Corona sind die Zeiten der Kulturschaffenden und in der Kulturlandschaft weltweit schwierig. „Da ist so viel ausgefallen“, bestätigt Barrie Reece. Auch in Dorsten.

Spitzensport hat gleiche Regeln

Ob Fußball oder Tanz – im Spitzensport gelten überall die gleichen Regeln: So wusste Profi-Jugendfußballer Youssoufa Moukoko vom BVB mit 4 Jahren, dass er Fußballer werden möchte. Das gilt auch für den künstlerischen Tanz: „Tanz ist eine Berufung“, erklärt die international anerkannte Tanz-Pädagogin Barrie Reece aus Dorsten.

Barrie Reece begann ihre Ausbildung mit zwei Jahren, legte ihre erste Prüfung mit sechs ab. Sie weiß, wie entscheidend die tänzerische Ausbildung für Kinder und Jugendliche ist.

Regelmäßiges Training ist unerlässlich

Vor allem in den frühen Jahren sei regelmäßiges Training unerlässlich. Jeder Sportler weiß, wie schnell die Muskulatur abbaut, wenn er einen Monat nicht trainiert. Dies gilt besonders für Balletttänzerinnen: „Sie müssen die Bewegungen lernen und ihre Muskeln gezielt aufbauen. Wir bringen ihnen bei, ihre Muskulatur zu manipulieren, um dem Körper nicht zu schaden.“, erklärt Barrie Reece. Von jetzt auf gleich lerne keiner den Spagat-Sprung oder aber, auf Spitze zu tanzen. Hierfür brauche es zuvor viel Übung im Aufbautraining.  

1992: Barrie Reece im Alter von elf Jahren bei ihrer ersten RAD Vocational Prüfung „Pre Elementary“. Foto: privat

„Manche Kinder kommen mit Tränen zu mir in den Laden, sie gehen kaputt.“, bedauert Barrie Reece. „Vieles können sie gar nicht machen.“ Doch sie brauchen den Ausgleich. Wie andere den Fußball oder das Klavierspiel.

„Wir haben echt tolle Eltern, die hinter uns stehen“, betont Barrie Reece. Und doch ist alles vor Ort Tabu. „Eine Tanzstunde über Zoom braucht so viel Vorbereitung wie normalerweise drei Stunden in der Ballettschule“, meint Reece.

Schwere Zeiten auch für Bühnendarsteller

Saskia Heming kommt in Barries Geschäft Balance and Pointe. Eine der wenigen Kunden in diesen Tagen. Sie war langjährige Schülerin der Expertin und begann ihre Ausbildung im Reece-Studio im Alter von drei Jahren. Mit 19 Jahren ging Heming an die Freiburger Akademie für Tanz „Dance Emotion“. Für Tänzerinnen schon recht spät, aber die heute 29-Jährige wollte vor der Ausbildung ihr Abitur abschließen. Heute ist sie Bühnendarstellerin.

Die Mutter von Barrie Reece – Helen Kate Reece – bei einem Tanz der LRAD/ARAD in den 70-er Jahren. Foto: privat

Für alle, die wirklich eines Tages Tänzerin werden wollen, ist die Ausbildung ohne Pausen von großer Bedeutung. „Ich merkte immer schon nach den Sommerferien, wie das Training fehlte“, erinnert sich Heming. „Für mich bedeutet Tanzen Leben. Ich genieße den Moment. Das ist pure Erfüllung“, erzählt sie. Ihre Ausbildung war für sie mehr als nur ein Hobby. Für sie war jeder Schritt eine Investition für ihr Leben. Schon ohne Corona sei das Leben der Künstler hart, aber Corona macht es noch schwerer.

Tanzstudio Reece wünscht sich einheitliche Regelungen für Tanzschulen

Die Dorstenerin ist dankbar für alles, was sie machen darf. Sie versteht die Regelung für Tanzschulen nicht: „Für manche ist es wichtig, ein T-Shirt zu kaufen. Für andere ist es wichtig, eine Tanzschule zu besuchen“, meint sie. Und spricht damit wohl vielen Tänzern und Tänzerinnen aus der Seele. Zudem kritisiert sie die bundesweiten Unterschiede in dem, was erlaubt und was verboten ist. „Die Unterschiede sind schon innerhalb NRWs groß“, erklärt sie. „Uns geht es darum, dass wir gleichbehandelt werden möchten. Wenn es doch gesundheitstechnisch möglich ist, sollten Tanzschulen öffnen dürfen“. Eine Tanz-AG in der Schule zwei Stunden zuvor sei doch auch erlaubt.

185 Kinder kommen wöchentlich in das Tanzstudio Reece. Sie entdecken hier den Tanz als Element für ihr Leben, schnuppern erste Bühnenluft. Der Tanz trägt zur Gesunderhaltung bei – und wer krank ist, komme ohnehin nicht zum Training. Eine der Grundregeln unter Leistungssportlern. „Wir hoffen, bald wieder vor Ort trainieren zu dürfen“, sagt Barrie Reece. „Als wir das noch durften, haben sich alle an die Quadrat-, Hygiene- und Abstandsregeln gehalten“, lobt sie ihre Schülerinnen.

Üben im Quadrat: Die Schülerinnen im Tanzstudio Reece in Dorsten.

„Es ist mittlerweile wissenschaftlich bewiesen, dass ein
möglichst früher Ausbildungsbeginn unerlässlich ist, um diesen speziellen Berufsweg erfolgreich zu beschreiten“, erklärt Dr. Jaš Otrin, Geschäftsführer vom Deutschen Bundesverband für Tanzpädagogik, kurz DBfT, und selbst ehemaliger Balletttänzer.

„Vor allem im Blick auf die notwendige, früh startende und methodisch kontinuierliche Arbeit, sind die Nachteile durch die Schließungen der Schulen für die Kinder und Jugendlichen erheblich. Sie werden aktuell vielfach daran gehindert, anstehende Prüfungen ausreichend vorzubereiten oder gar zu absolvieren, wodurch sich im schlimmsten Fall die Ausbildung und der gesamte berufliche Werdegang verzögern,“ unterstreicht Dr. Jaš Otrin.

Weitere Infos zur Dorstener Tanzschule unter http://reece-studio-dorsten.de

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