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Pimp my Body – ein nicht ganz so ernst zu nehmender Selbstversuch

Veröffentlicht am

Bild von mohamed Hassan auf Pixabay

Endlich! Endlich können wir Frauen uns (wieder) schön fühlen: Friseur- und Kosmetiksalons haben wieder geöffnet und auch Fuß- und Nagelpflege darf zum Glück wieder angeboten werden. Nur diejenigen, die wie ich mit Klammern und Spangen versucht haben, den Rest von Frisur noch zu bändigen, wissen, warum ich mich so darüber freue. Also auf geht´s zu „Pimp my Body“!

Friseur, Kosmetik und Nägel / Pimp my Body – das ganze Programm

Nachdem ich glücklicherweise sofort am Wieder-Eröffnungstag eine Fachfrau an den Rest einer ehemaligen Frisur lassen durfte, habe ich nun einen Termin im Kosmetiksalon meines Vertrauens ergattern können. Ich nenne meine Kosmetikerin jetzt einfach mal Lisa, damit sie mir nicht von anderen Frauen weggeschnappt wird. Lisa sieht immer top und sehr gepflegt aus, ohne aufgedonnert zu wirken. Das gefällt mir. Also hätte ich heute gerne eine Rundumerneuerung. Stundenlang werde ich jetzt die Arbeit einer Kosmetikerin hautnah, im wahrsten Sinne des Wortes, kennenlernen. Das komplette Programm von Kopf bis Fuß, auch das im wahrsten Sinne des Wortes.

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Die Qual der Farbwahl

„Dann lass uns mal mit den Füßen anfangen“, schlägt Lisa vor, während der Schnelltest, den sie im Salon für ihre Kunden bereithält, so vor sich hin testet. „Ich weiß ja, dass du an den Füßen kitzelig bist, daher arbeiten wir uns am besten von dem, was dir unangenehm ist, hin zum Angenehmen.“ „Okay, wenn Füße das Unangenehmste sind, dann habe ich ja nicht viel zu befürchten“, denke ich noch frohen Mutes.

Bild von Hans Linde auf Pixabay

Ich nehme mit meiner Maske im Gesicht, die mich aber in keiner Weise stört, Platz in dem Kosmetikstuhl, in der rechten Hand die Farbpalette der dunklen Nagellacke, in der anderen Hand halte ich die Pastelltöne. Gleichzeitig versuche ich mich auf die Farben zu konzentrieren, denn es kostet mich schon Überwindung, meine Füße nicht ständig wegzuziehen.

Es kribbelt und meine Nerven melden sich, aber Lisa macht unbeeindruckt lächelnd weiter. Ich kann mich nicht für eine Farbe entscheiden, dazu ist die Auswahl einfach zu riesig, also nenne ich im Geiste eine zweistellige Ziffer und lasse somit mein Unterbewusstsein entscheiden. Ganz schön wagemutig, es hätte ja schließlich auch Tussipink oder Hippie-Giftgrün sein können. Aber mein Unterbewusstsein hat Geschmack und wählt die Luxusvariante „Magic Midnight Purple“. Sieht übrigens besser aus, als es klingt.

Entspannung pur bei „Yin-Yang-Kugel-Klängen“

Bei den Fingernägeln entscheide ich mich der Einfachheit halber auch für die lilafarbene Luxusvariante, passend zu den Zehennägeln. Nie wieder abgebrochene Fingernägel. Nie wieder abblätternden Nagellack, den ich mir nachlässig, mit nicht ganz ruhigen Händen selbst aufgepinselt habe. 

Nach zwei Stunden lockerer Unterhaltung und top gepflegten Fuß- und Fingernägeln bittet mich Lisa in das Zimmer nebenan. „Yin-Yang-Kugel-Klänge“, weiße Liege, weiße Flauschdecke. Hier lässt es sich aushalten. Ich weiß, dass Lisa jetzt meine Beine enthaaren wird, aber das wird schon nicht so schlimm werden. Wie sagte sie doch anfangs: „Wir arbeiten uns von dem dir Unangenehmen hin zum Angenehmen.“ 

Ich sehe also absolut entspannt zu, wie sie mir warmes Wachs auf meine Beine streicht, einen Leinenstreifen darüberlegt und mich anlächelt. Ich lächele locker zurück, ich bin ja kein Mann, der bei einer harmlosen Enthaarung sofort losheult. Mitten im Lächeln zieht meine ehemals beste Kosmetikerin den Streifen mit all den Haaren blitzschnell herunter und mein Lächeln friert ein. Ich schnappe nach Luft, aber ich heule nicht los, ich bin ja, wie gesagt, kein Mann. Keine zwei Sekunden später ist der Schmerz vorbei, nachdem die nun wieder beste Kosmetikerin ever ihre Finger auf die haarlose Stelle gelegt hat. Sie hat wohl heilende Hände. Zum Glück.

Pimp my Body – Ein unschlagbares Argument

Der Blick auf mein Bein zeigt mir, dass ich wohl drei Behandlungen pro Bein benötige, also noch fünfmal die Zähne zusammenbeißen. Ich denke ganz kurz an einen Fluchtversuch. Aber sechs Wochen lang haarfreie Beine sind das Gegenargument, das mich zum Bleiben ermuntert. Schemenhaft, leicht in anderen Sphären dank jahrelangem Autogenem Training, sehe ich Lisa an meinen Beinen hantieren und stelle irgendwann erleichtert fest, dass sie fertig ist. Meine Beine sind nicht feuerrot, da habe ich schon ganz andere Erfahrungen gemacht. Und alle störenden Haare sind weg. Nicht für alle Ewigkeit, aber zumindest für ein paar Wochen. Ich fühle mich top, das war ja echt easy, aber auf weitere Haarentfernungen anderer Regionen meines Körpers verzichte ich dann doch. Aus Zeitmangel. Mir fiel halt so schnell keine bessere Ausrede ein.

Bild von simisi1 auf Pixabay

„Das Unangenehmste hast du ja gleich geschafft“, verspricht mir Lisa. „Nur noch die Augenbrauen etwas in Form bringen und dann kommt auch schon Anna“. Ob sie extra das Wort „zupfen“ vermeidet, weil sie mir ansieht, dass meine Muskeln immer noch angespannt sind, bereit, jederzeit von der Liege zu hechten? Danach noch ein wenig Gesichtspflege. Eine halbe Stunde Entspannung pur: Dampfbehandlung, Masken und Gesichtsmassage. Ach, was ist das Leben doch schön!

Schöne Augen

Und dann kommt auch schon Anna, eine weitere top gepflegte Schönheit zu mir und wird mir einen Lidkranz pigmentieren. Sie streicht mir eine Betäubungspaste auf meine Augenlider, die jetzt wirken muss, und bereitet in der Zwischenzeit schon mal alles Nötige vor, was mir aber so gar nicht gefällt, denn ich sehe ja nichts. Langsam zweifle ich an Lisas Aussage, dass es von Mal zu Mal angenehmer wird und ich mich entspannen kann. Ich habe jetzt noch weitere zehn Minuten Zeit, um weiter zu zweifeln, denn erst nach der nötigen Einwirkzeit von gefühlten zwei Stunden darf ich meine Augen wieder öffnen.

Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Ein kurzes heftiges Brennen sorgt dafür, dass mir am rechten Auge eine Träne herunterläuft. Kurz darauf macht es das linke Auge nach. „Es scheint sich eine Bindehautentzündung anzubahnen“, rede ich mir ein, denn es ist mir schon ein wenig peinlich. Anna tupft mir aber ganz selbstverständlich die Tränen ab und das Brennen verschwindet sofort. Schon spüre ich die ersten Stiche am Augenlid und ich entspanne dann endlich. Ist halb so wild, da war das Enthaaren an den Beinen schlimmer. Viel schlimmer. Zumindest für mich. Keine drei Minuten pro Auge und der schwarze Eyeliner wird mich ab jetzt für die nächsten Jahre an Anna und diese Minuten erinnern. 

Pimp my Body verursacht Glamour-Look

Nun ist wieder Lisa an der Reihe, denn für den ausdrucksvollen „Augenblick“ brauche ich Wimpern. Viele Wimpern. Geschickt hantiert sie mit zwei Pinzetten und klebt mir etwa 150 künstliche Wimpern auf meine eigenen Wimpern. Nichts ziept, nichts brennt und nach einer Stunde habe ich den atemberaubenden „Long-Lashes-Glamour-Look“. Ohne zu sehen, wie es aussieht, fühle ich mich gut und übe schon mal den gekonnten Augenaufschlag. Nur so. Für alle Fälle. Man weiß ja nie.

Ich muss im Dunkeln weiter üben, denn Lisa dämpft das Licht und nachdem ich mich auf den Bauch gelegt habe, gleiten ihre warmen, ölgetränkten Hände über meinen Rücken. Ich entspanne immer mehr und von ganz weit weg höre ich die „Yin-Yang-Kugel-Klänge“.
„Bleib’ noch ein wenig liegen und lass’ das Gefühl nachwirken“, flüstert mir Lisa zu, bevor sie den Raum verlässt. Ich brauche ein paar Minuten, um zu realisieren, wo ich bin. Mein Zeitgefühl ist verschwunden, ich habe nicht mehr mitbekommen, dass sie mich eine halbe Stunde lang massiert hat. Am liebsten möchte ich hier liegen bleiben. Für immer! Zumindest aber für die nächste Stunde. 

Neugeboren

Ich fühle mich wie neugeboren, wie eine wunderschöne Diva. Der Blick in den Spiegel holt mich jedoch auf den Boden der Tatsachen zurück. Die beiden haben absolut gute Arbeit geleistet, aber zaubern können sie schließlich auch nicht. Wie 20 kann ich eben nicht mehr aussehen.

Morgen lasse ich die Hausarbeit Hausarbeit sein. Kein Spülen, kein Putzen, kein Bügeln, keine Gartenarbeit. Aber heute bin ich noch einmal eine Diva, dank der der verschönernden Kosmetik und der stundenlangen Behandlung durch Lisa und Anna.

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