Auch in Hervest geht die Angst vor dem Energiekostenschock um. Wolldecken statt Heizung? Wenn das Geld knapp wird, sehen genau das einige Hervester als Alternative.
Blockheizkraftwerk in der Zechensiedlung abgeschaltet. Zum Jahreswechsel ist Energie auch hier ein kostbares Gut.

Wenn man den Prognosen glauben darf, könnte uns ein dunkler und vor allem ganz schön kühler Winter bevorstehen. Nun hat die vierte Jahreszeit regelmäßig Temperaturen im Gepäck, die nicht nur empfindliche Gemüter frösteln lassen. Bislang hat man es sich besonders an kalten Tagen zu Hause mit einem Tee oder einem Glühwein gemütlich gemacht und die Heizung ein wenig weiter aufgedreht.
Energie wird ein kostbares Gut
Das könnte in wenigen Wochen ganz anders aussehen. Denn zum Jahreswechsel 2022/23 ist Energie ein kostbares Gut, das geschont und wo immer möglich eingespart werden muss. Wohlige Zimmertemperaturen von 21° C oder mehr könnten daher in diesem Jahr eine verblassende Erinnerung an bessere Zeiten werden. Auch das abendliche Wannenbad könnte dem Rotstift zum Opfer fallen.
Umgehört in Hervest
Um gut gerüstet zu sein, wenn die hohen Nachzahlungen der Energiekosten Ende des Jahres kommen, drehen die Bewohner der Zechensiedlung in Hervest bereits heute den Cent mehrmals um. Mit Blick auf die steigenden Energiekosten und die Frage, wie kann ich persönlich diese senken, um nicht am Ende eine fette Nachzahlung zu bekommen, haben wir uns mal in Hervest umgehört.

Blockheizkraftwerke abgeschaltet
Dabei stellte sich heraus, dass jeder so seine eigenen Methoden entwickelt hat.
Fakt ist: Die Sorge steht im Raum. Vorausschauend seien jetzt im Sommer für rund 450 Mieter in der Zechensiedlung die Blockheizkraftwerke abgeschaltet worden, erklärt Detlef Probst von der Vivawest vor Ort am Froschplatz. „Bei den sommerlichen Temperaturen brauchen diese auch nicht vorgeheizt werden, allerdings müssen wir den Mieter eine Mindesttemperatur von 21 bis 23 Grad Wärme garantieren“.
Im Sommer sei dieses nicht schwer, fügt der Wohnungsverwalter hinzu. Vor rund fünf Jahren wurde das Blockheizkraftwerk von Anthrazitkohle, da diese nicht mehr zu bekommen war, auf das kostengünstigere Gas umgestellt. Nun bleibe es auf Gas, aber es werde versucht, jetzt schon zu sparen, ergänzt Probst.

Häuser in der Siedlung stehen unter Denkmalschutz
Heidrun Müller bewohnt ein Eigenheim in der Siedlung. Die Rentnerin ärgert sich besonders darüber, dass sie sich noch vor zwei Jahren eine neue Gasheizung habe einbauen lassen. Ein weiteres Problem jedoch sei, dass die Häuser unter Denkmalschutz stehen. Deshalb durfte sie ihr Haus vor Jahren nicht dämmen lassen. Ärgerlich, denn die Folgen werden sie nun im Winter besonders treffen. „Im Sommer ist es sehr heiß und im Winter, da hier nichts gedämmt ist, in jedem Zimmer kalt“, erzählt die Hervesterin. Ihre Energiekosten belaufen sich im Monat auf rund 100 Euro. Aktuell seien die Heizungen überall abgestellt worden. Mit Blick auf den Winter werde sie versuchen, nur die nötigsten Räume zu bestimmten Zeiten zu heizen. Der Wintergarten würde komplett ungeheizt bleiben.
„Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Ich hoffe nicht, dass wir im Mantel im Wohnzimmer sitzen müssen“, fügt Heidrun Müller besorgt hinzu. Bei Bedarf würde sie sich zum Heizen eine Gasflasche besorgen. „Wenn ich dann überhaupt noch eine bekomme“.

Hoffen, dass man mit dem Geld über den Winter kommt
Martin Schimpke hofft, dass er mit seinem Geld über den Winter kommt. Er könne sich nicht viel an die Seite legen, da er heute schon kaum über die Runde komme. Denn nicht nur Energie sei teurer geworden, sondern auch die Lebensmittel. Wenn es hart auf hart kommt, hofft er auf die Hilfe vom Amt. Ein weiterer Hervester beklagt die hohe Kostensteigerung im Allgemeinen. Früher habe er beim Bäcker immer gerne Trinkgeld gegeben, heute müsse er jeden Cent für sich behalten. Sich so nebenbei eine neue Hose kaufen, sei auch nicht mehr drin.
30 Jahre Zeche, keine Rentenerhöhung aber Heizkostennachzahlung
Und dann gibt es noch Achmet (nennen wir ihn mal so, da er selber seinen Namen nicht nennen möchte). Er lebt seit seiner Jugend in der Siedlung. Von 1988 bis 2013 habe er auf der Zeche Leopold gearbeitet, erzählt er uns. Nun habe er von der Verwaltung einen Brief erhalten, dass ab Mai 2022 die Heizkosten um 30 Prozent erhöht werden. „Damit wir nicht so viel nachzahlen müssen“, erzählt Achmet.
Außerdem wurde zu aller Ärger auch noch die Miete ab 1. Juli um 45 Euro erhöht. Sehr wütend jedoch mache ihn die Nachzahlung von 179 Euro. Dies sei seit 1989 das erste Mal, dass er eine Heizkostennachzahlung bekommen habe. „Alle Kosten steigen, nur die Rente wurde in den letzten zwei Jahren nicht erhöht“, so Achmet.
Wolldecke statt Heizung
Und Johannes, ebenfalls Bewohner einer Zechenwohnung, habe zwar zu seiner Freude eine hohe Nachzahlung bekommen, aber diese werde er sich nun vorausschauend auf die Seite legen. Auch er beklagt die hohen Lebensmittelpreise. Das Leben sei auch für ihn teuer geworden. Keine Rentenerhöhung und jetzt noch die hohen Energiekosten. Bei Bedarf werde er dann im Winter nur ein Zimmer heizen und die fehlende Wärme werde er dann durch dicke Wolldecken kompensieren.




























