StartAnzeigeAlte Weihnachtszeit: Weihnachtsgrüße 2022

Alte Weihnachtszeit: Weihnachtsgrüße 2022

Veröffentlicht am

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür – und viele Kinder freuen sich schon auf die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. In alter Zeit lief das Weihnachtsfest aber etwas anders ab, als wir es heute gewohnt sind.

Was schenkte man zum Fest? Wer sind die Niklöse? Und warum freuten sich die Kinder damals viel mehr auf den Nikolaus? Wir schauen zurück auf die alte Weihnachtszeit in Dorsten.

Der Nikolaus wurde durch Dorsten getragen

Der Besuch des Heiligen Nikolaus am 6. Dezember ist für die Dorstener Kinder auch heute noch ein ganz besonderes Fest. In früherer Zeit wurde dieser Tag vielleicht noch mehr herbei gesehnt – aber auch ein bisschen gefürchtet.

Nikolaus, der im Leben Bischof im kleinasiatischen Myra war, ist wohl einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen. Die Anzahl der Gewerke, die ihn zum Schutzpatron erklärt haben, spiegelt die ganze Bandbreite mittelalterlicher Berufe wider. So verehren ihn etwa die Bäcker und Bierbrauer, die Schiffbauer, Schneider, Kaufleute, Apotheker, Fuhrleute, Metzger, ja sogar die Huren und Diebe. Auch Dorsten hatte sich unter den Schutz des Heiligen gestellt und ihn sogar ganz offiziell in sein Siegel aufgenommen. In einer feierlichen Prozession wurde einst die Statue des Nikolaus durch die Stadt getragen.

Im alten Stadtsiegel wacht der Nikolaus noch über Dorsten.

Schutzpatron der Kinder

Zu den Menschen, die unter dem besonderen Schutz des Heiligen stehen, gehören auch die Kinder. Das spiegelt sich auch in vielen Legenden wider, wo Nikolaus Kinder aus Sklaverei, Entführung, Seenot oder sogar dem gewaltsamen Tod errettet. So war es vielleicht kein Wunder, dass der Gedenktag des Heiligen Nikolaus bald zu einem ganz besonderen Festtag für Kinder wurde.

Im katholischen Westfalen und damit vor allem auch im ländlichen Umfeld Dorstens war der Nikolaustag der eigentliche Geschenktag für die Kinder. Das Weihnachtsfest war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vor allem ein frommes Hochfest, und nicht das Familienfest späterer Zeit. In den Nachbarschaften zog der Nikolaus im Bischofskostüm umher, um die Kinder zu beschenken, aber auch zu ermahnen. Begleitet wurde er schon damals vom Knecht Ruprecht, der als „schwarzer Mann“ oder „gezähmter Bösewicht“ unartigen Kindern Angst machen sollte.

Wildes Treiben sorgte in der Nacht vor Nikolaus für Ärger

Für Ärger sorgten einst auch die „Niklöse“, meist Jugendliche aus den Dörfern, die in Lumpenverkleidung den Menschen nächtliche Streiche spielten. Dieser Brauch war in Westfalen im 18. Jahrhundert offenbar so verbreitet, dass selbst Annette von Droste-Hülshoff davon berichtete.

Weihnachtsgrüße-Autohaus-Baumann-2022

Wohl auch, um das wilde Treiben etwas zu bändigen, kamen in den 1920er Jahren in Westfalen die ersten Nikolausumzüge auf. Auch in Dorsten verbreitete sich dieser familienfreundliche Brauch schnell. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde er regelmäßig gefeiert, und dann ab 1950 wieder aufgenommen. Dabei kommt der Nikolaus gerne auch über das Wasser, etwa den Barkenberger See oder den Kanal – eine passende Anreise für den Schutzpatron der Bootsbauer und Binnenschiffer.


Geschenke früher und heute

Der Brauch, sich zu Weihnachten zu beschenken, ist in Westfalen noch gar nicht so alt. Auch in Dorsten gewann dieser Idee dann aber rasch viele Anhänger. Dabei wurden aus heutiger Sicht ungewöhnliche Geschenkideen gemacht.

Geschenke in der Weihnachtszeit, das gab es im katholischen Westfalen und damit vor allem auch im ländlichen Umfeld Dorstens zunächst nur für die Kinder zum Nikolaustag. Weihnachten hingegen war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vor allem ein frommes Hochfest. Die Familien machten sich gemeinsam schick und besuchten den Gottesdienst in ihrer Kirche. Man sang zusammen Lieder und hörte die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel, aber ein gemeinsames Familienfest war es noch nicht. Das änderte sich dann aber nach und nach.

Der Wandel zum Familienfest

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandelt sich Weihnachten zu einem Familienfest und man beginnt, sich gegenseitig zu beschenken. In nicht so begüterten Familien bastelt, strickt und backt man dazu noch sehr viel selbst. Der Tannenbaum lässt im Münsterland allerdings noch auf sich warten, der sich erst nach dem 1. Weltkrieg endgültig durchsetzen konnte.  Aber natürlich gibt es auch schon die ersten Geschäftsleute, denen der neue Geschenkebrauch wie ein Weihnachtsstern erleuchtet. Schnell wird überlegt, was man denn zu dieser neuen Gelegenheit an den Mann oder die Frau bringen kann.

Zeitungsanzeigen künden von den Angeboten der Kaufleute

Mit Zeitungsanzeigen zum Nikolaus und Weihnachtsfest traten in unserer Region zunächst die Buchbinder hervor. Schon bald folgten aber die Konditoren, die in den Anzeigen hochwertige Bonbongläser oder Marzipan anboten. In einer Zeit, in der noch viele Geschenke selbst gefertigt worden, wollte man den Kunden natürlich ganz besondere Waren anbieten. Dazu gehörten insbesondere Importgüter aus fernen Ländern. Orangen oder Apfelsinen aus dem Süden, Marzipan aus Königsberg, Papierwaren aus Frankreich oder Dekoration aus London waren dazu geeignet, sich als Schenkender besonders auszuzeichnen.

1915 warb ein Geschäft in Münster noch mit dieser Zeitungsanzeige.

Neue Waren erobern das Weihnachtsgeschäft

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts geht es vielen Familien im Münsterland wirtschaftlich besser als ihren Vorfahren, und damit verbreitert sich auch das Angebot der Geschäfte. In der Kaiserzeit kommen viele Waren ins Weihnachtsgeschäft, die heute auch noch ganz typisch sind: Parfüm und Schmuck, Lederwaren oder die ersten Fotoalben. Spielwaren sind noch längst nicht so stark beworben wie heute, aber dennoch finden sich schon Puppen, Zinnsoldaten oder Steckenpferde in den Schaufenstern und Zeitungsanzeigen.  Als modische Neuigkeiten werden Straußenfeder-Boas oder Brennapparate für die Damenfrisur angeboten, mit denen man auch schon damals besser bei der Ehefrau punkten konnte als mit Waschbrett oder Tischdecke. Oft wurden die Geschenkideen als „billig“ angepriesen, was aber vor 100 Jahren nichts Abwertendes war – es bedeutete nur „seinen Preis wert“.

Weihnachtsgrüße-2022

Backfische bekommen heute kein Korsett mehr

Einige Dinge würde man heute aber wohl nicht mehr in bedeutender Anzahl im Dorstener Weihnachtsgeschäft finden. So sind „festliche Cigarrenspitzen“ samt der „Weihnachtscigarren“ wohl eher selten geworden, und wer noch ein „Weihnachtskorsett für Backfische“ ergattern will, sollte sich nicht allzu große Hoffnungen machen.

Liebe Leserinnen und Leser in Dorsten, wir von der Heimatmedien GmbH wünschen Ihnen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Wir hoffen, dass Sie die Feiertage in bester Gesellschaft und voller Freude verbringen können. Wir danken Ihnen für Ihre Treue und freuen uns auf ein weiteres spannendes Jahr mit Ihnen.

Daniel Bosse – Heimatmedien GmbH

Kontakt zur Medienberatung

Interessiert an effektiver, digitaler und nachhaltiger Online-Werbung für Ihr Unternehmen? Nutzen Sie die Reichweite von www.dorsten-online.de, um gezielt Ihre Zielgruppe zu erreichen. Schalten Sie Advertorials oder Stellenanzeigen und profitieren Sie von unserer wachsenden Plattform. Sie erreichen uns per WhatsApp unter der +4917687307453. Alternativ erreichen Sie unsere Online Marketing Spezialisten telefonisch unter der 02362 - 9666463.

Weitere Artikel

Schützenfest Rhade 2026: Rhade feiert und sucht einen neuen König

Vom 25. bis 27. Juli steht Rhade wieder ganz im Zeichen des Schützenfestes. Drei Tage lang bestimmen Musik, Festzüge, Tanz und gelebte Tradition das Dorfleben....

150 Jahre Löschzug Altstadt: Vom Ledereimer zur modernen Feuerwehr

Seit anderthalb Jahrhunderten stehen Feuerwehrleute in Dorsten bereit, wenn andere Hilfe brauchen. Am Wochenende feiert der Löschzug Altstadt sein großes Jubiläum am Gerätehaus im Lippetal. Wenn...

Sommerferien in Dorsten und Umgebung: Tipps für Familien

Sommerferien in Dorsten und Umgebung: Mamá Castro sammelt Familientipps für Natur, Baden, Spielplätze, Regenwetter, Ausflüge und Jugendliche.

Sommer in der Stadt: Freizeit vor der Haustür in der Region

Freizeit vor der Haustür: Sommerideen rund um Dorsten, Haltern, Schermbeck, Raesfeld-Erle, Lippe, Kanal, Hohe Mark und Wasser.