Das Georgs Eck auf der Dorstener Hardt gehört zu den Kneipen, die im Stadtteil viele kennen. Schützen, Kegelclubs und Stammgäste haben hier über Jahre ihre Abende verbracht. Nun beginnt für das Traditionslokal ein neues Kapitel. Die Dorstenerin Michelle Hallmann hat die Kneipe übernommen und baut sie derzeit nach ihren Vorstellungen um. Mitte August soll sie unter einem neuen Namen eröffnen: Patina Bar.
Der neue Name ist dabei alles andere als zufällig gewählt. Patina steht für Michelle Hallmann für etwas, das mit den Jahren nicht an Wert verliert, sondern Charakter gewinnt. Eine Oberfläche verändert sich, erzählt ihre Geschichte und wird dadurch besonders.
„Patina bedeutet für mich die Veredelung eines bestehenden, alten Werkstoffes“, erklärt Hallmann. „Und genauso sehe ich dieses Haus. Hier ist schon ganz viel da. Es hat Geschichte und Charakter. Ich möchte daraus nicht etwas völlig anderes machen, sondern das Bestehende weiterentwickeln.“
Genau das ist der Grundgedanke hinter dem Umbau des ehemaligen Georgs Eck.
Dunkle Töne, Kupfer und warmes Licht
Wer die Räume derzeit betritt, sieht bereits, wohin die Reise geht. Hallmann setzt auf dunkle Farben, Metalle, Kupfer und gezielt eingesetztes Licht. Die Theke hat einen neuen Anstrich in einem tiefen, beinahe kohlenschwarzen Farbton bekommen. Armaturen und weitere Details werden erneuert. Die Stühle ließ sie mit petrolfarbenen Polstern beziehen, einer ihrer Lieblingsfarben.
„Ich liebe die Kombination aus dunklen Flächen, Metall und warmem Licht“, sagt Hallmann. „Es darf ruhig ein bisschen schwer, ein bisschen rau wirken. Aber gleichzeitig muss es gemütlich sein. Man soll hereinkommen und denken: Hier bleibe ich gerne noch auf einen Drink.“

Inspiration holt sie sich unter anderem aus der Event-Gastronomie in Düsseldorf und anderen Großstädten. Eine Kopie solcher Konzepte soll die Patina Bar allerdings nicht werden. Vielmehr möchte Hallmann diesen Stil auf die Dorstener Hardt übersetzen.
Ein wenig 60er- und 70er-Jahre-Kneipe darf dabei durchaus mitschwingen. Eine Atmosphäre, in der man sich einen guten Whisky ebenso vorstellen kann wie einen langen Abend mit Freunden. Dunkel, warm und ein wenig nostalgisch, ohne altmodisch zu wirken.
Vieles entsteht mit den eigenen Händen
Auffällig ist, wie viel Hallmann selbst gestaltet. Einige Bilder, die künftig in den Fluren hängen, hat sie eigenhändig angefertigt. Auch an einer Wand in Kupferoptik arbeitet sie derzeit selbst. Das ist für sie mehr als eine Möglichkeit, beim Umbau mit anzupacken. Die Räume sollen ihre persönliche Handschrift tragen.
„Ich könnte natürlich vieles einfach bestellen und hinstellen“, sagt Hallmann. „Aber dann wäre es irgendeine Bar. Ich möchte, dass man hier Details entdeckt und merkt, dass sich jemand Gedanken gemacht hat.“
Dabei wird ausprobiert, verworfen und weiterentwickelt. Nicht jedes Detail stand bereits zu Beginn fest. Vieles ergibt sich während des Umbaus.
„Wenn ich eine Wand sehe, habe ich meistens schon irgendeine Idee im Kopf“, erzählt Hallmann. „Dann muss ich ausprobieren, wie es wirkt. Gerade diese Verbindung von Kupfer, dunklen Farben und Licht macht für mich unheimlich viel aus.“
Erst gut essen, dann an die Bar
Nicht nur optisch möchte Hallmann neue Akzente setzen. Auch das gastronomische Konzept soll sich vom klassischen Kneipenbetrieb unterscheiden. Essen und Bar werden räumlich stärker voneinander getrennt. Für Gäste, die zum Essen kommen, ist ein eigener Bereich vorgesehen. Anschließend soll der Abend aber nicht zwangsläufig mit dem Bezahlen der Rechnung enden.
„Meine Vorstellung ist: Man geht schön essen und sagt danach nicht sofort, jetzt fahren wir nach Hause“, erklärt Hallmann. „Man wechselt noch rüber an die Bar, bestellt sich einen guten Drink und sitzt vielleicht noch zwei Stunden zusammen.“
Die Bar soll deshalb ein eigenständiger Treffpunkt sein. Wer nur auf ein Getränk vorbeikommen möchte, soll sich dort genauso wohlfühlen wie Gäste, die zuvor gegessen haben.
Das alte Georgs Eck soll erkennbar bleiben
Bei allen Veränderungen weiß Hallmann, was sie übernommen hat. Das Georgs Eck ist auf der Hardt seit vielen Jahren ein Treffpunkt. Besonders die Verbindung zu den örtlichen Schützen, den Kegelclubs und den Stammgästen gehört zur Geschichte des Hauses.
Diese Traditionen möchte die neue Betreiberin ausdrücklich nicht abschneiden.
Die Kegelbahn im Keller bleibt erhalten. Auch die bisherigen Kegelgruppen sollen weiterhin ihren festen Platz bekommen. Ebenso soll das Haus ein Treffpunkt für die Schützen und die Menschen aus dem Stadtteil bleiben.

„Mir ist wichtig, dass die Leute, die seit Jahren hierherkommen, nicht das Gefühl bekommen: Das ist jetzt nicht mehr unser Laden“, sagt Hallmann. „Natürlich möchte ich neue Gäste gewinnen. Aber genauso freue ich mich über jeden Stammgast, der weiterhin durch die Tür kommt.“
Im besten Fall, so ihre Vorstellung, treffen künftig beide Welten aufeinander: Menschen, die noch viele Geschichten aus dem Georgs Eck erzählen können, und Gäste, die das Lokal erst als Patina Bar kennenlernen.
Fußball, Musik und Veranstaltungen vor der Tür
Hallmanns Pläne enden nicht an der Eingangstür. Auch den Außenbereich möchte sie stärker einbeziehen. Neben klassischer Außengastronomie kann sie sich kleinere Veranstaltungen auf dem Gelände und dem Parkplatz vorstellen.
Bei besonderen Fußballspielen könnte es beispielsweise Public Viewing geben. Ein Revierderby zwischen Schalke und Dortmund wäre dafür ein naheliegender Anlass. Ebenso sind kleinere Musikveranstaltungen oder Auftritte von Künstlern denkbar.

„Ich möchte, dass hier immer mal wieder etwas passiert“, sagt Hallmann. „Nicht jeden Abend großes Programm. Aber Dinge, bei denen die Leute sagen: Komm, heute gehen wir mal zur Patina Bar.“
So soll aus der klassischen Stadtteilkneipe nach und nach auch ein Veranstaltungsort im kleinen Rahmen werden.
Von der Qualitätsmanagerin zur eigenen Bar
Für Michelle Hallmann bedeutet die Übernahme einen bemerkenswerten beruflichen Wechsel. Die Dorstenerin ist Ende 20, gelernte Automobilkauffrau, und war zuvor als Qualitätsmanagerin tätig. Ihr Beruf führte sie weit über das Ruhrgebiet hinaus. Unter anderem war sie im Nahen Osten und in Nordafrika unterwegs und überprüfte dort für deutsche Unternehmen die Einhaltung von Qualitätsstandards. Ein Job, bei dem Genauigkeit ebenso gefragt war wie Durchsetzungsvermögen.
Dass sie nun Farben auswählt, Stühle neu beziehen lässt, an Kupferwänden arbeitet und über Getränke, Veranstaltungen und Gastronomie nachdenkt, wirkt auf den ersten Blick wie eine völlig andere Welt. Für Hallmann gibt es jedoch eine Verbindung. „Qualität war jahrelang mein Beruf. Man lernt, genau hinzuschauen und nicht zu sagen: Das wird schon irgendwie gehen“, sagt sie. „Diesen Anspruch habe ich hier natürlich auch. Wenn ich etwas mache, möchte ich es vernünftig machen.“
Mit der eigenen Bar erfüllt sie sich zugleich einen persönlichen Traum. Statt Qualitätsstandards für andere Unternehmen zu überprüfen, baut sie nun etwas Eigenes auf.
Eröffnung am 15. August geplant
Bis dahin wartet allerdings noch einiges an Arbeit. Im ehemaligen Georgs Eck wird derzeit weiter renoviert, gestrichen, gebaut und gestaltet. Hier fehlt noch ein Detail, dort wartet noch eine Wand auf ihre endgültige Optik.
Der Termin steht trotzdem bereits im Kalender. Am 15. August soll die Patina Bar mit einem Soft Opening erstmals ihre Türen öffnen.
Und vielleicht beschreibt gerade der neue Name am besten, was Michelle Hallmann mit dem alten Georgs Eck vorhat. „Ich möchte die Geschichte dieses Ortes nicht wegstreichen“, sagt sie. „Sie darf sichtbar bleiben. Wir geben ihr nur eine neue Schicht dazu.“
Aus dem Georgs Eck wird damit die Patina Bar. Nicht alles wird neu. Aber vieles wird anders.




























