Kein Blatt vor dem Mund und geradeaus. So zeigte sich der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach auch am Donnerstagabend in Dorsten-Holsterhausen. Eingeladen hatte der Ortsverband CDU Holsterhausen den nicht bekanntesten Politiker, sondern auch vor allem ein Politiker, der sich nie verbiegt.

Wolfgang Bosbach CDU Ortsverband Dorsten

Bereits im Vorfeld war der Saal bei Adolf mit 200 Gästen ausgebucht. Reiner Thieken, CDU-Ratsmitglied, leitete die Diskussion und hatte jede Menge Fragen im Gepäck.

Unter der Moderation von Rainer Thieken versprach es ein spannender Abend für die ca. 200 Gäste der Union zu werden. Mit einem Zitat von Wolfgang Bosbach: „Ich möchte nicht die Kuh sein, die auf Dauer quer im Stall steht“, stieg Rainer Thieken in den Abend ein.

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Mit Rindviechern kenne Thieken sich halbwegs aus; quer im Stall: Dann ist meistens der Pansen aufgebläht! Er wollte von seinem Gast jedoch wissen, was ihm auf den Magen geschlagen sei und was ihn derzeit bewegt.

Auf all die Fragen von Thieken antwortete Bosbach mit der direkten Art des Juristen, geradeaus und teilweise humorvoll.

Mit Blick auf die derzeitige Politik gehe Bosbach davon aus, dass Friedrich Merz der CDU Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer den Rücken auf dem Parteitag stärken wird. Alleine schon desshalb, so Bosbach, dass aktuell die Umfrage- und Wahlergebnisse nicht besser werden würden, wenn wir jetzt die eine neue Führungsdebatte beginnen.

Den Wahlerfolg der Grünen sehe Bosbach einzig und alleine darin, dass die Parteien mit besonderen Schwerpunkten an Attraktivität gewonnen haben. Dass aber die Union einmal Juniorpartner der Grünen werden könne, dass übersteige seine Vorstellungskraft.

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Keine AfD mit Bosbach und März?

Thieken wollte wissen, was an der Aussage von Merz dran sei, wenn er behauptet: „Mit Wolfgang Bosbach und mir hätte es die AfD in der Bundesregierung in dieser Form nicht gegeben“.

Dass es die AfD nicht gegeben hätte, sehe Bosbach nicht. Dass diese aber die Stärke von heute bekommen hätte, glaube er jedoch auch nicht.

Dazu Bosbach: „Die AfD ist als eurokritische Partei gegründet worden. Sie hat den Namen bekommen nach dem Satz der Kanzlerin: Unsere Politik ist alternativlos. Deswegen hat sich die Partei ‚Alternative für Deutschland‘ auch so genannt. Im Verlauf erkannten die Herren Hans-Olaf Henkel und Prof. Lucke, was sie angerichtet haben und verließen dann fluchtartig das Lokal, denn sie wollten keine rechte-, sondern eher eine bürgerliche Partei gründen“.

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Dann sei 2015 die Flüchtlingspolitik gekommen. Die Grenzöffnung sei, nach der Öffnung der Mauer eine der wichtigsten innenpolitischen Entscheidungen gewesen, die dazu geführt hat, dass die AfD einen enormen Auftrieb bekommen habe. Bosbach glaubt, dass es zwar die AfD in der Stärke von heute nicht geben würde. „Ich denke aber, dass sie sicherlich eine relevante Kraft geblieben wäre“ so Bosbach.

Nachwuchstalente in der Jungen Union

Wie könne die Union denn die Bürger, insbesondere auch die Jungen, wieder zurückholen, von denen Sie sagen, die müssten eigentlich ‚bei uns in der CDU‘ sein, wollte Thieken wissen, der sich trotz seiner 26-jährigen Lokalpolitik immer noch als Nachwuchstalent fühle. „Wir müssen miteinander sprechen, reden. Schwere Debatten auch offen führen. Wir haben in der CDU viele junge Leute, die sich mit viel Engagement und klugen Gedanken einbringen. Genau denen muss die Partei eine Chance geben und ihnen etwas zutrauen, dann ist die CDU ganz sicher zukunftsfähig.“

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Gleichzeitig widersprach Bosbach der Behauptung, dass sich immer weniger junge Menschen für Politik interessieren. „Junge Menschen interessieren sich sehr wohl für Politik, das erlebe ich tagtäglich. Aber die Bereitschaft, sich auf Dauer an eine Partei zu binden, ist geringer geworden“. Auch fühle sich Bosbach in der CDU nicht vereinsamt. „Wenn ich das Gefühl hätte, dann wäre ich heute nicht hier. Ich weiß aber, wenn wir nicht kämpfen, wird es schwer. Ich mag auch nicht so sehr die Wanderer“.

Wahlergebnisse SPD

Dass die SPD derzeit zwischen 15 und 17 Prozent notiert wird, daran habe Bosbach als Christdemokrat keine Freude, denn: „Es hat der Politik, dem Land und auch unseren Kindern über 70 Jahre gutgetan, dass wir zwei starke Volksparteien hatten, die für Stabilität gesorgt und bei allem Streit nie Maß und Mitte aus den Augen verloren haben“.

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Für unsere Demokratie, dass wir in Frieden und Freiheit leben können, müssen wir uns anstrengen, Tag für Tag, nicht nur in staatlichen Instanzen, sondern alle Bürger, damit das, was wir hier jetzt erleben können auf Dauer im Herzen von Europas gesichert wird. „Wir müssen sehen, dass wir diese Stabilität erhalten, dass wir Maß und Mitte wahren. Wir selber sehen ja unser Land kritisch, aber sie glauben gar nicht, wie viele in der Welt auf dieses Europa schauen und bauen, weil wir nicht nur als ökonomische Stärken gelten, sondern auch der politischen Stabilität“.

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Für ein vereintes Europa

Und mit Blick auf dem Brexit sagte Bosbach: „Mein Bauch sagt mir, ich kann das Wort Brexit nicht mehr hören. Mein Kopf sagt mir, wir werden bis zur letzten Minute dafür kämpfen müssen, dass es nicht zu einem harten, ungeregelten, sondern einen klaren geregelten Brexit komme. Groß Britannien scheidet nicht aus der Welt aus. Sie bleiben ein wichtiger politischer Partner sowie wichtiger Handels- und NATO Partner. Wir sind an guten Beziehung an Großbritannien weiterhin interessiert“.

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Thema Europa – Nur gemeinsam sind wir stark

Zum Thema vereintes Europa hatte Bosbach eine klare Stellung:
13 Bundesländer in Deutschland haben ungefähr gleiche Einwohnerzahl wie Schanghai. Entweder wir bleiben weiterhin in Europa zusammen, machen gemeinsam Politik und nicht gegeneinander, denn dann sind wir schon aufgrund unserer wirtschaftlichen Kraft eine stabile politische Größe und können in der Welt Einfluss nehmen. Oder wir machen wieder Politik gegeneinander, nebeneinander und sprechen mit unterschiedlichen Sprachen, dann werden wir in der Weltgemeinschaft politisch marginalisiert. Dann werde über unseren Kopf hinweg über die Schicksalsfragen der Menschheit beraten und entschieden.

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„Vielleicht wäre es gut, wenn die wir Europa nicht immer nur ökonomisch begründen würden, sondern dass wir mal mehr über die Gründungsidee Europa nachdenken – nie wieder Krieg. Aus Feinden und Gegner werden Freunde und Verbündete und wir auf diesem Kontinent, der so viel Elend gesehen hat, nie wieder mit der Waffen aufeinander losgehen, sondern in Freundschaft. Es wäre eine Tragödie, wenn dieser Gedanke an Bedeutung verlieren würde.“

Petra Bosse

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