„Ich kann es kaum glauben“, freut sich Dr. Hans-Jakob Gerlings, Kantor der St.-Agatha-Gemeinde. „20 Jahre lang habe ich mir gewünscht, dass diese Orgel restauriert wird, und nun können wir sie im November endlich feierlich einweihen.“ Ermöglicht haben dies unter anderem die Sparkasse Vest mit ihrer großzügigen Unterstützung sowie zahlreiche Pfeifenpatenschaften von Dorstener Bürgern.
1946, die St.-Agatha-Kirche lag in Trümmern, wurde die Orgel aus noch vorhandenen Teilen der Werkstatt Franz Breils zusammengebaut. Als Provisorium in der Notkirche am Südwall gedacht, erfreute sie die Kirchenbesucher mit ihrem Klang und spendete Trost in den ersten Nachkriegsjahren. 1952 wurde sie schließlich auf der Seitenempore der wieder aufgebauten Stadtkirche installiert. Doch der Wunsch nach einer modernen Orgel wuchs, sodass 1982 die neue Orgel auf der Westempore in Betrieb genommen und das alte Kircheninstrument kaum noch bespielt wurde. „Es verfiel immer mehr und stellte letztlich auch ein Sicherheitsrisiko dar“, erklärt Dr. Gerlings.
Alte Orgel war nie wirklich vergessen
So ganz vergessen wurde das alte Schmuckstück jedoch nie. Jahrelang hoffte Dr. Hans-Jakob Gerlings, dass es eine Möglichkeit geben könnte, die „Notkirchen-Orgel“ wieder zum Klingen zu bringen. „Auch Dechant Dr. Stephan Rüdiger hatte 2020 den Wunsch, die alte Orgel zu restaurieren“, erinnert sich der Kantor und fährt fort: „Schließlich steht sie in der Taufkirche der Familie Breil, die von 1836 bis 2016 als Orgelbauer in Dorsten ansässig war.“
Da die Stadtpfarrkirche samt Inventar unter Denkmalschutz steht, wurde eine Restaurierung dieser Kirchenorgel zur Hälfte möglich durch Fördermittel des Denkmalschutzprogramms des Bundes. Die weiteren 50 Prozent stammen aus der Kirchengemeinde St. Agatha, der Kirchenmusik-St.-Agatha-Stiftung sowie dem Engagement der Sparkasse Vest. Damit kann aber lediglich der Urzustand wiederhergestellt werden. „Viele Unterstützer haben sich jedoch gewünscht, dass wir beide Orgeln gleichzeitig bespielen können“, so Dr. Gerlings weiter.

Um dies zu ermöglichen, müssen die alte Elektrik aus Brandschutzgründen erneuert und die beiden Orgeln mittels moderner Digitaltechnik miteinander verbunden werden. „Diese Arbeiten kosten weitere 70.000 Euro, wobei jetzt nur noch 10.000 fehlen“, betont Matthias Feller, ehemaliger Sparkassendirektor, und ergänzt: „Die Sparkasse Vest fördert gerne langfristig die Kirchenmusik in Dorsten, daher habe ich gerne mit Dr. Hans-Jakob Gerlings sowie Oliver Göttlich, dem ehemaligen Marktbereichsleiter der Sparkasse Vest, überlegt, welche Möglichkeiten es neben unserer finanziellen Unterstützung gäbe, um den weiteren Umbau zu finanzieren.“
Die Idee: Pfeifenpatenschaften
Die Idee der Pfeifenpatenschaften war geboren und im Nu waren die ersten hundert Patenschaften vergeben. „Die Dorstener sind stolz auf ihre Kirche und auf ihre alte Orgel. Mit der Patenschaft erhalten sie nun ihren persönlichen Ton der Orgel“, freut sich der Organist. Auch Oliver Göttlich ist beeindruckt: „Ich bin stolz, dass die Dorstener dazu beitragen, die alte Orgel wieder neu erklingen zu lassen. Sie erzählt als Zeitzeugin die besondere Geschichte unserer Stadtkirche.“ „Für viele Gemeindemitglieder ist der Klang der Notkirchen-Orgel der Klang ihrer Kindheit und eine Erinnerung an die ersten Gottesdienste nach Kriegsende.“

Auch der Wulfener Sozialpädagoge Gregor Preis verbindet mit der Orgel eine besondere Geschichte: Sie war die erste Orgel, auf der seine Mutter gespielt hat. Diese und weitere Erinnerungen können am 16. November 2025 um 11 Uhr im Rahmen eines Einweihungsgottesdienstes mit Weihbischof Rolf Lohmann wieder lebendig werden. Eine Woche später findet um 17 Uhr ein doppelchöriges Eröffnungskonzert bei freiem Eintritt statt.
Mehr Informationen zur Orgel und den Patenschaften
Die Orgel in der St.-Agatha-Kirche ist die älteste erhaltene Orgel in ganz Dorsten. Um ihren Klang mit 1184 Pfeifen zu erhalten, können Sie Pfeifenpatenschaften erwerben. Weitere Infos erhalten Sie unter [email protected]




























